Bios­phären­reser­vat – Was ist das?

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Was ist ein Biosphä­ren­re­ser­vat, warum heißt es manch­mal „Bio­sphärengebiet“, und wie unter­schei­det es sich vom Natur­schutz­gebiet?

Im Rahmen des Programms „Mensch und Bio­sphäre“ weist die UNESCO welt­weit ty­pische Land­schaften als Schutz­ge­biete aus – soge­nann­te Bio­sphären­reservate. Der Begriff „Bio­sphäre“ kommt aus dem Grie­chi­schen – die beiden Wort­teile stehen für „Leben“ und „Kugel“, und bezeich­nen jenen Raum eines Plane­ten, in dem Leben vorkommt. „Reser­vat“ kommt aus dem Latei­ni­schen und steht für „aufbe­wah­ren, retten, vorbe­hal­ten“.

Ein Biosphä­ren­re­ser­vat stellt Kultur­land­schaften unter Schutz

Was nun ein Biosphä­ren­ge­biet ist, ließe sich am besten erklä­ren, indem man sage was es nicht ist, flachst Tobias Bram­mer von der Biosphä­ren­ge­schäfts­stelle Münsin­gen. „Es ist kein typi­sches Natur- und Land­schafts­schutz­gebiet, und es hat keinen konser­vie­ren­den Käse­glo­cken­cha­rak­ter“, betont er. „Bei einem Biosphä­ren­re­ser­vat geht es vorran­gig um die Entwick­lung und Erhal­tung von Kultur­land­schaf­ten, die ohne mensch­li­che Nutzung so nicht entstan­den wären.“

Wachold­erheide Digel­feld im Biosphä­ren­ge­biet Schwä­bi­sche Alb.

Ein Beispiel dafür sind Wachold­erhei­den, die durch die Bewei­dung mit Scha­fen ge­schaf­fen wurden und die sehr rasch „verbu­schen“, wenn diese Bewei­dung und Nut­zung einge­stellt wird. Solche Kultur­land­schaf­ten und ihre ökolo­gi­schen Besonder­hei­ten stellt die UNESCO mit dem Prädi­kat „Biosphä­ren­re­ser­vat“ unter Schutz.

Anders als in Natur­schutz­ge­bie­ten, in denen ein „abso­lu­tes Verän­de­rungs­ver­bot“ be­steht und dadurch jede wirt­schaft­li­che Nutzung unter­sagt ist, wird diese in Bio­sphären­re­ser­vaten ausdrück­lich geför­dert. „Schüt­zen durch Nützen“, bringt Bram­mer das Kon­zept dahin­ter auf den Punkt. „Ziele des Biosphä­ren­ge­biets sind unter ande­rem die Ent­wick­lung von Konzep­ten zur ertrag­rei­chen und zugleich scho­nen­den Nutzung von Res­sour­cen, die Förde­rung eines sanf­ten Touris­mus und die bessere Vermark­tung regio­naler Produkte.“ Wenn ein Land­wirt für seinen Bio-Apfel­saft von heimi­schen Streu­obst­wiesen entspre­chend bezahlt wird, ist er auch lieber bereit, diese Streu­obst­wiesen zu erhal­ten, so die Idee.

Biosphä­ren­ge­biet: Rech­te­be­schnei­dung für Land- und Forst­wirte?

In den Kern­zo­nen eines Biosphä­ren­ge­biets ist die land­wirt­schaft­li­che Nutzung einge­schränkt oder verbo­ten. In den rest­li­chen Regio­nen gehört sie mit dazu.

Die häufig gefürch­tete Rech­te­be­schnei­dung für Land- und Forst­wirte gibt es im Bio­sphä­renreservat nur in den Kern­zo­nen. Diese Kern­zo­nen müssen laut UNESCO min­des­tens drei Prozent der Gesamt­flä­che ausma­chen; oft werden schwer zugäng­li­che Wald­ge­biete (Hang- und Schlucht­wäl­der) oder Regio­nen, deren wirt­schaft­li­che Nutzung schwie­rig ist (z. B. Sumpf­wie­sen an Fluss­nie­de­run­gen) als Kern­zo­nen ausge­wie­sen. In diesen Kern­zo­nen ist eine Nutzung unter­sagt; sie sind klas­si­sche Natur­schutz­ge­biete.

In den Pfle­ge­zo­nen – das sind die die Kern­zo­nen umschlie­ßen­den Gebiete – soll eine scho­nende und natur­nahe Land­nut­zung statt­fin­den; in den Entwick­lungs­zo­nen soll die nach­hal­tige Bewirt­schaf­tung und Ressour­cen­nut­zung geför­dert werden. „In diesen Zo­nen gelten die bereits bestehen­den Gesetze“, erläu­tert Bram­mer. „Weitere Vor­schrif­ten, die ‚aufge­stülpt’ werden, gibt es nicht.“ Hand­lun­gen, die dem Schutz­ziel klar zu­wi­der­laufen, sind aller­dings im gesam­ten Biospäh­ren­ge­biet verbo­ten.

Biosphä­ren­re­ser­vat und Biosphä­ren­ge­biet unter­schei­den sich nur formal

Fünf­zehn Biosphä­ren­re­ser­vate gibt es in Deutsch­land; insge­samt machen sie flä­chen­mäßig etwa drei Prozent des Bundes­ge­biets aus. Alle fünf­zehn Gebiete werden als Bio­sphä­renreservat bezeich­net, einzig die 2009 neu hinzu­ge­kom­mene Region Schwä­bi­sche Alb nennt sich zusätz­lich auch „Biosphä­ren­ge­biet“. Dabei handelt es sich nur um eine formale Spitz­fin­dig­keit. Einen inhalt­li­chen Unter­schied bezeich­nen die ver­schie­de­nen Begriffe nicht – Biosphä­ren­ge­biet und Biosphä­ren­re­ser­vat sind von ihren Ziel­setzungen und Inhal­ten her ein und dasselbe.

Wohnen im Biosphä­ren­ge­biet: Gundel­fin­gen im Lauter­tal.

Dass die Schwa­ben das „Gebiet“ vorzo­gen, liegt laut Bram­mer daran, dass der Begriff „Reser­vat“ nicht ausschließ­lich posi­tiv wahr­ge­nom­men wird und viele an Indianer­re­ser­vate und die dort began­ge­nen Fehler erin­nern. Das Biosphä­ren­ge­biet Schwä­bi­sche Alb wird aber immer dann zum Biosphä­ren­re­ser­vat, wenn die Bezeich­nung UNESCO davor­steht: Denn „UNESCO-Biosphä­ren­re­ser­vat“ ist ein welt­weit eta­blierter und ge­schützter Begriff, der nicht geän­dert werden darf – ein „UNESCO-Biosphä­ren­­schut­z­ge­biet“ gibt es nicht.

Tipp: Günter Künke­les Buch “Natur­erbe Biosphä­ren­ge­biet Schwä­bi­sche Alb: Streif­züge durch eine außer­ge­wöhn­li­che Land­schaft” liefert nicht nur viele Infor­ma­tio­nen zu Fauna und Flora, sondern macht auch Lust auf eigene Entde­ckungs­tou­ren.

Stephan Voege­lis Buch “Biosphä­ren­ge­biet Schwä­bi­sche Alb: Eine Entde­ckungs­reise für Kinder” erzählt kind­ge­recht von Albbüf­feln und Dino­sau­rie­ren.

 

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