Die schöns­ten Liebes­ro­mane, auch für Nicht-Liebes­roman­le­ser — die Libel­lius-Empfeh­lung

Liebes­ro­man? Nein, danke. Das ist schade, denn es gibt fantas­ti­sche Liebes­ge­schich­ten, fernab von Kitsch und ober­fläch­li­chem Herz-Schmerz.

Love is in the air …

Ich gestehe: Ich bin nicht grad der große Liebes­roman­le­ser (auch wenn ich selbst einen geschrie­ben habe). Meis­tens muss man mich mit sehr viel Nach­druck davon über­zeu­gen, einen Liebes­ro­man auch nur in Erwä­gung zu ziehen. Ich gestehe auch: Es gibt Liebes­ro­mane, die mich sehr berührt und zum Nach­den­ken gebracht haben.

Die Romane auf dieser Liste habe ich alle gele­sen. Und so ungern ich es zugebe: Bei mindes­tens zweien habe ich tatsäch­lich geweint. Ein biss­chen. Ich verrate nicht, bei welchen.

Seiden­weich und schwe­re­los

Im Herbst 1861 reist Hervé Joncour nach Japan, um Seiden­rau­pen zu kaufen. Dort begeg­net er einer rätsel­haf­ten Schön­heit, und obwohl sie nie mit ihm spricht entspinnt sich zwischen den beiden eine ebenso zarte wie starke Leiden­schaft.

In “Seide” erzählt Ales­san­dro Baricco die Geschichte einer uner­füll­ten Liebe mit großer Präzi­sion und ohne Über­flüs­si­ges. Die kurzen Kapi­tel und der Wech­sel von langen zu kurzen Sätzen beein­flus­sen den Leserhyth­mus und verlei­hen dem Buch eine ganz eigene Melo­die.

Ein klei­nes, schlan­kes und weises Buch, das sich am besten mit einem Zitat daraus beschrei­ben lässt: “Denn mehr konnte man nicht sagen, als diese winzige, uner­mess­lich große Klei­nig­keit: Dass es schön war.”

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Ich werde lernen, dich zu vermis­sen”

In einer zerbomb­ten Villa in der Nähe von Florenz tref­fen am Ende des Zwei­ten Welt­kriegs vier Menschen aufein­an­der: Ein Dieb und Spion der Allier­ten, ein junger Sikh und Bomen­ent­schär­fer, eine kana­di­sche Kran­ken­schwes­ter und der “engli­sche Pati­ent”, der schwer verletzt auf den Tod wartet.

Geschickt vernküpft Michael Ondaatje Vergan­gen­heit und Gegen­wart und erzählt die Geschichte einer großen Liebe in den Wirren des Krie­ges. Ein Bezie­hungs­ge­flecht aus Liebe, Leiden­schaft, Verrat, Verlust und Versöhn­lich­keit.

Der engli­sche Pati­ent” ist fantas­tisch kompo­niert und eindring­lich erzählt. Das Buch schafft Bilder im Kopf, die blei­ben. Sehr gut gelun­gen ist auch die Verfil­mung des engli­schen Pati­en­ten mit Ralph Fien­nes und Juli­ette Bino­che in den Haupt­rol­len.

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Liebe unter dem Milch­mond

Alberta liebt Nadan. Schon immer, schon seit der Nacht­wan­de­rung im Feri­en­la­ger, als die beiden in ein Loch fallen und verlo­ren gehen und eine Nacht lang auf einer umge­fal­le­nen Fichte sitzend alles daran setzen, sich nicht zu küssen, während der Milch­mond am Himmel steht.

Viel später bren­nen die beiden mitein­an­der durch, und irgend­wie ist das nicht ganz so roman­tisch, wie Alberta es sich vorge­stellt hat, denn “Liebe im Kopf ist leich­ter als Liebe im Leben”. Und dann ruft Nadan unver­hofft an und hinter­lässt eine Nach­richt. Nach Jahren des Schwei­gens will er Alberta besu­chen.

Und während Alberta auf seinen zwei­ten Anruf wartet, erzählt sie die gemein­same Geschichte. In atem­lo­sen Sätzen und leisen Unter­tö­nen. Urko­misch und hoch­tra­gisch glei­cher­ma­ßen. Birgit Vander­beke weiß, wie man sich emotio­nal in etwas hinein­stei­gern kann — und sie erzählt “Alberta empfängt einen Lieb­ha­ber” bitter­süß, berüh­rend und mit groß­ar­ti­gem Humor.

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Liebe zwischen den Zeiten

Clare ist sechs, als der 36-jährige Henry ihr zum ersten Mal begeg­net, doch in Wirk­lich­keit ist Henry nur acht Jahre älter als sie. Henry ist ein Zeit­rei­sen­der. Unver­hofft und ohne es kontrol­lie­ren zu können, verliert er sich immer wieder in der Zeit. Mitun­ter begeg­net er sich selbst in einer ande­ren Version seines Ichs. Oft bringt es ihn in Schwie­rig­kei­ten.

Vor allem aber begeg­net er immer wieder Clare, seiner großen Liebe, seiner späte­ren Frau und Mutter ihrer Toch­ter. Er sieht sie aufwach­sen, sieht sie alt werden, doch als sie sich zum ersten Mal in der selben Zeig begeg­nen, erkennt er sie nicht — er ist noch nicht 36 und hat sie noch nie gese­hen.

Audrey Niffen­eg­ger spielt in “Die Frau des Zeit­rei­sen­den” geschickt mit dem Para­do­xon von Zeit­rei­sen. Zugleich erzählt sie eine sensi­ble und berüh­rende Liebes­ge­schichte, die ans Herz und auch ein biss­chen an die Nieren geht.

Über­ra­schend gut gelun­gen ist auch die Verfil­mung der “Frau des Zeit­rei­sen­den” mit Eric Bana und Rachel McAdams in den Haupt­rol­len.

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Liebe geht durch den Magen

Seit der Verfil­mung von “Choco­lat” mit Johnny Depp und Juli­ette Bino­che in den Haupt­rol­len, ist die Geschichte von Vianne Rocher, die in einem bigot­ten südfran­zö­si­schen Städt­chen eine sündige Choco­la­te­rie aufmacht, und mit ihrer Sinnen­freunde die Feind­schaft des Gemein­de­pfar­rers auf sich zieht, fast schon ein Klas­si­ker.

Die Roman­vor­lage von Joanne Harris lohnt sich trotz­dem — einige Wendun­gen wurden im Film nicht über­nom­men, und die Geschichte entfal­tet sich auf den 336 Seiten doch ein wenig anders.

Sinn­lich, witzig, nach­denk­lich und schrul­lig (fast könnte man sagen “typisch fran­zö­sisch”): “Choco­lat” ist ein warm­her­zi­ges Portrait zwischen­mensch­li­cher Bezie­hun­gen.

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Ein Tipp­feh­ler der Liebe

Eigent­lich will Emmi Roth­ner nur per Email das Abo einer Zeit­schrift kündi­gen. Ein Tipp­feh­ler in der Adresse sorgt dafür, dass ihre Nach­rich­ten bei Leo landen. Daraus entsteht ein unge­wöhn­li­cher und über­aus rasan­ter Mail­wech­sel, der rasch auf beiden Seiten inten­sive Gefühle weckt.

Eigent­lich wollte ich nur aus reiner Höflich­keit einen Blick in dieses Buch werfen, das ich geschenkt bekom­men habe. Doch Daniel Glattau­ers Schreib­stil hat dafür gesorgt, dass ich die nächs­ten vier Stun­den kichernd auf meinem Sessel fest­saß und sogar das Essen verges­sen habe.

Mit “Gut gegen Nord­wind” ist Glattauer ein klei­nes Meis­ter­werk gelun­gen. Gekonnt lässt er seine Prot­ago­nis­ten auf dem schma­len Grat zwischen Fremd­heit und Vertraut­heit, Inti­mi­tät und Unver­bind­lich­keit balan­cie­ren. Was ein klas­si­scher Brief­ro­man im neuen Medium sein könnte, ist sehr viel mehr: Eine unge­heuer feine Beob­ach­tung, wie sich Kontakte im schnel­len Medium Email entwi­ckeln, und wie das ist, wenn plötz­lich die Frage im Raum steht, ob es neben der virtu­el­len Begeg­nung auch eine reale geben soll und darf.

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Liebe ist unprak­tisch

Mitten in Paris finden sich vier Menschen in einer Zufalls­wohn­ge­mein­schaft wieder, die unter­schied­li­cher kaum sein könn­ten: Der hoch gebil­dete, völlig verschro­bene Phili­bert (jüngs­ter Sproß einer Adels­fa­mi­lie) die mager­süch­tige Camille (Künst­le­rin, die sich als Putz­frau verdingt) und der Berufs­koch Franck (Motor­rad­freak, Schür­zen­jä­ger und Rüpel).

Und dann ist da noch Paulette, Francks Groß­mut­ter, die nach einem Unfall im Pfle­ge­heim versau­ert und mit gepack­ten Koffern darauf wartet, dass Franck sie wieder in ihr gelieb­tes Häus­chen bringt. Statt­des­sen holt Franck sie in die Wohn­ge­mein­schaft.

Liebe kann keiner der Prot­ago­nis­ten gebrau­chen, denn jeder von ihnen ist mit seinem ganz persön­li­chen Schei­tern ausrei­chend beschäf­tigt. Und doch entsteht genau das: Liebe. Auf sehr unter­schied­li­che und viel­fäl­tige Art.

Anna Gavalda erzählt leicht und ohne Flos­keln. Roman­tisch, zärt­lich und herb — ohne Kitsch und Gefühls­du­se­lei. Ihre schrul­li­gen Charak­tere sind glaub­wür­dig und gehen dem Leser nahe, und wenn man das Buch nach 550 Seiten zuklappt, dann mit dem Wunsch, es möge diesen Figu­ren gut gehen.

Gut umge­setzt ist auch die Verfil­mung von “Zusam­men ist man weni­ger allein” mit Audrey Tautou in der Rolle der Camille.

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Ich liebe dich”, kam defi­ni­tiv nicht in Frage

David und Johanna begeg­nen sich auf der Unfall­sta­tion. Eine tiefe Faszi­na­tion verbin­det die beiden, doch keiner von ihnen gesteht es sich ein. Ein Zufall führt sie wieder zusam­men, auf die denk­bar schwie­rigste Weise: Sie leben in einer Studen­ten-WG zusam­men, jeder von ihnen ein Teil eines Paars.

Die Liebe, die sie verbin­det, ist zu groß, um sie zu igno­rie­ren, und zuge­leich zu groß, um sie zu leben. Die zwei schaf­fen sich ihre eigene Welt, in der jede Geste, jedes Wort eine unge­heuere Bedeu­tung bekommt. Kurze Momente des Glücks wech­seln mit Phasen der Sehn­sucht.

Sehr viel später begeg­nen sie sich wieder: In der Psych­ia­trie, wo Johanna auf ihre ganz eigene Weise mit David und der Unmög­lich­keit der großen Liebe abrech­net.

In Rück­blen­den erzählt verwe­ben sich Gegen­wart und Vergan­gen­heit und zeich­nen das präzise Bild von zweien, die wissen, dass sie fürei­an­der bestimmt sind, aber nicht wissen, wie sie damit umge­hen sollen. Mehr dazu in der Lese­probe von “Der Mond­gar­ten­traum”.

Das Buch erhal­ten Sie zum Preis von 9,90 € direkt bei uns, auf Wunsch mit persön­li­cher Widmung. Schi­cken Sie eine Email an info@libellius.de.

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