Ägidius im Herbst­mond: Bauern­regeln und Los­tage für Septem­ber

In „Schei­ding“ wird eine Jung­frau gebo­ren, eine Legion dezi­miert und ein Erzengel unter­schla­gen. Ihre Tage verra­ten, wie das Wetter wird.

Im „Herbst­mond“ werden Äpfel und Kartof­feln geern­tet und der Winter­wei­zen ausge­sät. Die Schwal­ben ziehen fort und stehen als Tief­flie­ger nicht mehr als Wetter­pro­phe­ten zur Verfü­gung. Die Zeiger­pflanzen des phäno­logi­schen Ka­len­ders färben ihre Blät­ter, und der Herbst zieht ein. Die Lostage haben ungewöhn­liche Na­men, verra­ten aber dennoch, wie das Wetter wird.

1. Septem­ber, Ägidius

“Geht der Hirsch nass in die Brunst, kommt er trocken heraus.”

Ägidius, grie­chi­scher Kauf­mann, fran­zö­si­scher Abt und einer der vier­zehn Nothel­fer, lebte jah­relang mit einer Hirsch­kuh, die ihn mit ihrer Milch nährte, in einer Höhle. Das Tier flüch­tete sich auf der Jagd zu ihm, und Ägidius schützte es mit seinem Körper. Verse­hent­lich wurde er von einem Pfeil verwun­det. Weil er die Voll­en­dung der Tugend­haf­tig­keit in der Schwä­che sah, bat Ägidius Gott, ihn nicht zu hei­len. Gott erhörte ihn, und der Heilige trug die Verlet­zung bis an sein Lebens­ende.

  • Ist’s an Ägidi rein, wird’s so bis Michae­lis sein.
  • Ägidius Regen kommt unge­le­gen.
  • Gib auf Ägidius acht, er sagt dir, was der Septem­ber macht.
  • Wie das Wetter an Ägidius, so es vier Wochen blei­ben muss.

6. Septem­ber, Magnus

St. Magnus von Füssen soll ein Einsied­ler des 8. Jahr­hun­derts gewe­sen sein. Über sein Leben ist wenig bekannt; er soll mehr­fach Wunder gewirkt haben. Die Über­win­dung eines Drachen und der Sieg über Fluss- und Berg­geis­ter werden ihm nach­ge­sagt. Der heilige Magnus wird beson­ders im alle­man­ni­schen Raum als Schutz­pa­tron verehrt und gilt als Nothel­fer gegen Mäuse-, Raupen- und En­gerling­plagen.

  • Wie das Wetter am Magnus­tag, so es vier Wochen blei­ben mag.
  • An St. Magnus sät der Bauer den ersten Strang.
  • St. Mang macht’s Grum­met nimmer lang, aber dick.

7. Septem­ber, Regine

Die heilige Regine war eine früh­christ­li­che Märty­rin, die als geweihte Jung­frau lebte. Weil sie sich weigerte, ihr Gelübde der Ehelo­sig­keit zu brechen, wurde sie einge­ker­kert, gefol­tert und bereits im Alter von fünf­zehn Jahren enthaup­tet. Regine ist die Schutz­patronin der Zimmer­leute und wird unter ande­rem gegen Krätze und Räude ange­ru­fen.

  • Ist Regine warm und wonnig, bleibt das Wetter lange sonnig.

8. Septem­ber, Mariä Geburt

Die Jung­frau Maria soll am See Bethesda gebo­ren worden sein. Seit dem Ende des 5. Jahr­hun­derts wird die Geburt der Mutter Gottes am 8. Septem­ber gefei­ert – genau neun Monate nach dem Fest Mariä Empfäng­nis am 8. Dezem­ber. Im Verständ­nis der Bauern stand Mariä Geburt für den Herbst­be­ginn.

  • Mariä Geburt, jagt alle Schwal­ben furt und nimmt auch der Storch den Reise­gurt. Blei­ben sie aber da, ist der Winter noch nicht nah.
  • Wie sich’s Wetter an Mariä Geburt verhält, so ist’s noch weiter vier Wochen bestellt.
  • Maria gebor’n: Bauer, säh dein Korn!
  • Wird Marien Geburt gesät, ist’s nicht zu früh und nicht zu spät.

9. Septem­ber, Gorgon

Gorgo­nuis von Rom war einer der popu­lärs­ten Märty­rer der katho­li­schen Kirche. Sein Name ist bereits im Märty­rer­ver­zeich­nis aus dem Jahre 354 verzeich­net. Bereits im 8. Jahr­hun­dert gelang­ten Reli­quien des Heili­gen nach Minden in West­fa­len; der Minde­ner Dom hat bis heute den Heili­gen Gorgo­nius zum Paten. Wer am Gorgon­tag eine Blind­schleiche entdeckte und ihr folgte, konnte, so er denn reinen Herzens war, einen gro­ßen Schatz finden.

  • St. Gorgon treibt die Lerchen davon.
  • Bringt St. Gorgon Regen, folt ein Herbst mit bösen Wegen.
  • Regnet’s am St. Gorgons Tag, den ganzen Herbst es regnen mag.
  • Ist Gorgon schön, bleibt’s noch sechs Wochen schön.

11. Septem­ber, Protus (auch Portus)

Die beiden Brüder Protus und Hyacin­thus (manchen Quel­len zufolge zwei Eunu­chen), halfen ihrer Herrin, der Heili­gen Euge­nia, sich in Männer­klei­dern in einem Männer­klo­ster zu verber­gen. Der Schwin­del flog auf, als sich eine Frau in den an­geb­lichen Eu­ge­nius verliebte und den „Mönch“, der ihre Liebe nicht erwi­derte aus Eifer­sucht der Ver­gewaltigung anklagte. Euge­nia, Protus und Hyacin­thus kehr­ten nach Rom zurück, wo sie alle drei den Märty­rer­tod star­ben.

  • Wenn’s an Portus nicht nässt, ein dürrer Herbst sich sehen lässt.
  • Wenn’s an Protus nicht nässt, ein trock­ner Herbst sich erhof­fen lässt.

12. Septem­ber, Mariä Namen

Kartof­feln: “Septem­ber­fleiß zu ernten weiß!”

An Mariä Namen wird ein der Sieg über die Türken gefei­ert – das Banner Mari­ens wurde dem sieg­rei­chen Heer in die Schlacht voran­ge­tra­gen und diese im Namen Mari­ens gewon­nen. Für die länd­lich geprägte Gesell­schaft hatte der Fest­tag eine weitere Bedeu­tung: Ab dem 12. Septem­ber durfte das auf den Feldern liegen­ge­blie­bene Getreide von den Armen aufge­sam­melt werden.

  • An Mariä Namen sagt der Sommer Amen.

16. Septem­ber, Ludmilla, St. Cyprian

Die Heilige Ludmilla von Böhmen war eine böhmi­sche Fürs­tin, die erste christ­li­che Herr­sche­rin und die erste Heilige des Landes. Sie legte den Grund­stein für die Chris­ti­ani­sierung Tsche­chi­ens. Auch des Heili­gen St. Cyprian, der verhex­ten Menschen und Tie­ren helfen kann, wird am 16. Septem­ber gedacht.

  • St. Ludmilla das fromme Kind, bringt gern Regen und Wind.
  • An St. Cyprian zieht man oft schon Hand­schuh’ an.

17. Septem­ber, Lambert

Weil der Bischof Lambert von Lüttich die Immu­ni­täts­rechte der Kirche konse­quent vertei­digte, wurde er um 705 in seinem Haus erschla­gen und darauf­hin zum Märty­rer und Heili­gen geweiht. In vielen Gemein­den im Müns­ter­land steht St. Lambert für das bekannte Lamber­ti­sin­gen.

  • Trocken wird das Früh­jahr sein, ist St. Lambert klar und rein.
  • Lamberti nimm Kartof­feln heraus, doch breite ihr Kraut auf dem Felde aus; der Boden will für seine Gaben, doch ihr Gerippe wieder haben.

21. Septem­ber, Matthäus

Matthäus war ein Jünger Jesu und einer der vier Evan­ge­lis­ten. Er soll nach seiner Aufer­ste­hung in Äthio­pien das Evan­ge­lium verkün­det haben. Obwohl Matthäus als einfluss­rei­cher Heili­ger und Gefährte Jesu gilt, wird er in der Apos­tel­ge­schichte nur einmal erwähnt.

  • Wie’s Matthäus treibt, es vier Wochen bleibt.
  • Tritt Matthäus stür­misch ein, wird’s bis Ostern Winter sein.
  • Tritt Mattäus ein, soll die Saat voll­endet sein.

22. Septem­ber, Mauri­tius

“Fällt das Laub zu bald, wird der Herbst nicht alt.”

Mauri­tius war der Über­lie­fe­rung nach der Anfüh­rer der Thebai­schen Legion, die sich weigerte, gegen Chris­ten zu kämp­fen. Nach­dem eine Dezi­mie­rung (Hinrich­tung jedes zehn­ten Solda­ten) nichts fruch­tete, ließ der Kaiser alle 6600 Mann hinrich­ten; sie star­ben ohne Gegen­wehr den Märty­rer­tod.

  • Zeigt sich klar Mauri­tius viele Stürm’ er brin­gen muss.
  • Gewit­ter um Mauri­tius bedeu­tet Scha­den und Verdruss.

25. Septem­ber, Kleo­phas

Kleo­phas war einer der beiden Jünger, denen Jesus auf dem Weg nach Emmaus be­gegnete. Er soll ein Bruder Josefs, Jesu Zieh­va­ter, gewe­sen sein.

  • Nebelt’s an St. Kleo­phas, wird der ganze Winter nass.

29. Septem­ber, Michael, Gabriel und Raphael

Der 29. Septem­ber ist der Tag der Erzengel Michael, der „Engel des Welt­ge­richts“, Gariel, der „Botschaf­ter“, der Maria die Geburt Jesu verkün­dete, und Raphael, zu Deutsch „Gott heilt“. Uriel, der vierte Erzengel und „das Licht Gottes“ wird nicht mehr gefei­ert.

  • Vor Michael sä mit der halben Hand – dann aber streu mit der ganzen Hand.
  • Regen am Micha­els­tag, einen milden Winter brin­gen mag.
  • Auf nassen Micha­el­tag, nasser Herbst folgen mag.

Hier geht’s weiter zu den Bauern­re­geln und Losta­gen im Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, Okto­ber, Novem­ber und Dezem­ber.

Als weitere Lektüre empfeh­len wir “Die beste Bauern­re­gel für jeden Tag: 365 Regeln, die wirk­lich stim­men” von Jurik Müller. Die Regeln sind “nach heuti­gem Wissens­stand über­prüft” — ob sie wirk­lich stim­men, haben wir nicht über­prüft. Fest steht: Hier finden Sie Bauern­re­geln rund um Pflan­zen­wachs­tum und Wetter, Brauch­tum, Tradi­tio­nen und Anek­do­ten zu den Regeln.

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