Elche in Deutsch­land: Rück­kehr der großen Hirsche

Elche sind robust, anpassungs­fähig und über­aus mobil. Auf der Suche nach neuen Lebens­räumen kommen sie immer häufi­ger nach Deutsch­land.

Die Römer glaub­ten, man könne einen Elch fangen, indem man seinen Schlaf­baum umsägt. (Foto: Daniela Mathis)

Die Römer glaub­ten, man könne einen Elch fangen, indem man einfach den Baum ansägt, an den sich das Tier zu lehnen pflegt. Dann würden Baum und Elch umfal­len und man könne den großen Hirsch einfach aufsam­meln. Ganz so einfach ist es nicht, einen Elch zu fangen. Das weiß auch Diplom­bio­loge Michael Striese, der im Biosphä­ren­re­ser­vat Ober­lau­sit­zer Teich- und Heide­land­schaft rund ein Dutzend Elche betreut. Diese werden als Land­schafts­pfle­ger einge­setzt.

Elche sind opti­mal für das sump­fige Gelände geeig­net und kommen besser damit zurecht als etwa Ziegen“, begrün­det Striese die ungewöhn­liche Wahl. „Zudem fres­sen sie lieber Gehölze als Boden­ve­ge­ta­tion. Durch ihre Größe und Kraft können Elche Jung­bäume abbre­chen oder umbie­gen und so bis in eine Höhe von vier bis fünf Metern kahl­fres­sen. Dadurch halten sie die Land­schaft effek­tiv offen.“

Elche in Deutsch­land: Keine Exoten, sondern späte Heim­keh­rer

Striese sieht im Elch keinen Exoten, sondern einen späten Heim­keh­rer, immer­hin waren die großen Hirsche bis ins Mittel­al­ter Teil der mittel­eu­ro­päi­schen Fauna und auch in Germa­nien verbrei­tet. So wird etwa im Nibe­lun­gen­lied von einer Elch­jagd Sieg­frieds im Oden­wald berich­tet. 1746 soll der vorerst letzte deut­sche Elch in Sach­sen erlegt worden sein.

Elche hören sehr gut und bewe­gen sich nahezu laut­los. Trotz ihrer Größe bekommt man sie oft gar nicht zu Gesicht. (Foto: Daniela Mathis)

Bis ins 20. Jahr­hun­dert gab es immer wieder Ansied­lungs­ver­su­che, die aber alle fehl­schlu­gen. Jetzt kommt der Elch von alleine zurück. „Seit den Sech­zi­gern werden immer wieder Elche in Deutsch­land beob­ach­tet“, so Striese. „Momen­tan sind das über­wie­gend Wander­tiere, aber wenn sie geeig­nete Lebens­räume vorfin­den, werden Elche sicher auch hier­zu­lande wieder zu Dauer­be­woh­nern. Eine kleine Gruppe von etwa acht Tieren lebt bereits seit rund zwei Jahren in Bran­den­burg; ob sich dieser Bestand etabliert, wird sich zeigen.“

Auch Sach­sen, Sach­sen-Anhalt, Meck­len­burg-Vorpom­mern und Bayern bekom­men immer wieder Besuch von Elchen. 2007 wurde der Elch zum „Tier des Jahres“ gewählt, und als hätte er es gewusst, tauchte er ausge­rech­net in diesem Jahr vermehrt auf. 2007 wurden in Bayern über zwan­zig­mal Elche oder eindeu­tige Anzei­chen für ihre An­wesen­heit gemel­det. Ob tatsäch­lich mehr Elche einwan­der­ten, oder ob Spazier­gän­ger durch Presse­be­rich­te einfach aufmerk­sa­mer waren, darüber lässt sich nur spe­ku­lieren.

Trotz ihrer Größe werden Elche leicht über­se­hen

Wilde Elche sind rela­tiv scheu. Sie sind sehr mobil und bewe­gen sich oft nachts fort. Das macht es schwer, Hinweise auf Elche zu verfol­gen und tatsäch­lich ein Tier auf­zustöbern. Zudem hören Elche sehr gut und können sich über­ra­schend leise be­we­gen. Mitun­ter haben sie sich längst davon­ge­schli­chen, bevor ein Wande­rer sie über­haupt zu Gesicht bekommt. „Durch ihre grau­braune Farbe sind Elche im Unter­holz opti­mal getarnt“, ergänzt Michael Striese, der seine Schütz­linge schon oft genug gesucht und trotz Sendern erst nach Stun­den gefun­den hat. „Trotz ihrer beacht­li­chen Größe von bis zu zwei Metern Schul­ter­höhe und drei Metern Länge über­sieht man einen reglos im Wald stehen­den Elch leicht.“

Wie viele Elche tatsäch­lich in Deutsch­land unter­wegs sind, weiß also keiner so genau. Nur, dass es offen­bar mehr werden. Bayern hat auf die verstärkte Zuwan­de­rung rea­giert und als erstes Bundes­land einen „Elch­plan“ erstellt, in dem Stra­te­gien zum Um­gang mit wandern­den Elchen darge­legt werden. „Wir planen keine Ansied­lung von Elchen“, stellt Erik Imm, Natur­schutz­re­fe­rent des Bayri­schen Jagd­ver­bands, klar. „Aber wir möch­ten vorbe­rei­tet sein, wenn sie sich tatsäch­lich nieder­las­sen.“

Elche sind große Sympa­thie­trä­ger

Elche könn­ten in Deutsch­land wieder heimisch werden und sich wild vermeh­ren. Hier ein Elch­kalb in einem Elch­park in Schwe­den. (Foto: Daniela Mathis)

Denn die Einwan­de­rung des großen Scha­len­wilds ist nicht gänz­lich unpro­ble­ma­tisch. Die Größe des Elchs bedingt ein hohes Poten­tial für Verbiss­schä­den und schwere Unfälle auf unse­rem dich­ten Stra­ßen­netz. Deut­sche Wild­zäune halten einen Elch nicht auf. Mit seiner Körper­masse ist es ihm ein Leich­tes, einen für Rehwild ausge­leg­ten Zaun einfach nieder­zu­drü­cken. Zudem können die großen Hirsche Hinder­nisse bis knapp zwei Meter Höhe aus dem Stand über­sprin­gen.

Elche sind nicht nur größer und kräf­ti­ger als das hiesige Rehwild, sie verhal­ten sich auch anders. „Ein Elch hat wenig natür­li­che Feinde und legt kein über­stürz­tes Flucht­ver­halten an den Tag. Zuerst sieht er sich an, ob ihn das, was sich nähert, über­haupt etwas angeht“, erklärt Michael Striese, warum Elche mitun­ter mitten auf der Straße stehen­blei­ben.

Noch sind Unfälle mit Elchen selten, denn noch ist der große Hirsch mit dem Schau­fel­geweih nur ein Wander­gast in Deutsch­land. „Elche sind große Sympathie­träger und werden sehr posi­tiv wahr­ge­nom­men“, meint Michael Striese. Das zeigt auch die Anteil­nahme, mit der das Schick­sal des jungen Elch­bul­len „Knut­schi“, der 2009 bis nach Hessen wanderte, in der Öffent­lich­keit verfolgt wurde. Obwohl Knut­schi letzt­end­lich umkam, sieht Striese in Deutsch­land gute Chan­cen für Elche, beson­ders in dünn be­sie­del­ten und struk­tur­schwachen Regio­nen. Ob Deutsch­land den “Elch­test” be­steht, wer­den am Ende aber die Elche selbst entschei­den.

Persön­li­che Empfeh­lung: Ein eige­ner Elch? Klar — habe ich seit Jahren! Er heißt Gott­fried und ist ein treuer Elch-Beglei­ter aus Plüsch.

 

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