Giraf­fen: König­li­ches Geschenk und Opfer der Sensationsgier

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Die erste Giraffe in Europa wurde von Löwen zerfetzt. Die zweite brach sich das Ge­nick. „Zarafa“, die drit­te, wurde be­rühmt und kre­ierte Modetrends.

’”Kame­lo­pard” nann­ten die Römer die erste Giraffe auf euro­päi­schem Boden, und ließen sie von Löwen zerfleischen.

Als Julius Cäsar 46 v. Chr. in der Schlacht von Thap­sus seine Wider­sa­cher vernich­tend schlug, feierte er seinen Sieg im Afri­ka­ni­schen Krieg mit einer gigan­ti­schen Tier­schau. Die Haupt­at­trak­tion war dabei die erste Giraffe, die le­bend nach Europa gebracht wurde. Die Römer nann­ten dieses selt­same Tier „Kamelo­pard“, weil sie Ähn­lichkeiten mit einem Kamel und mit einem Leopar­den zu entde­cken meinten.

Die Giraffe selbst blieb namen­los, und ihr Leben auf eu­ro­pä­ischem Boden war von kurzer Dauer: Be­staunt von Tausen­den Zu­schau­ern ließ Cäsar das Tier in der Arena von Löwen zerfleischen.

Die Medici-Giraffe – ein Geschenk des Sultans

Es dauerte fast eintau­send­fünf­hun­dert Jahre, bevor erneut eine lebende Giraffe nach Europa kam. 1486 erhielt Lorenzo de Medici eine Giraffe als Geschenk des nicht näher genann­ten „Sultans von Bagdad“. Aller Wahr­schein­lich­keit nach handelt es sich dabei um den tscher­kes­si­schen Mamlu­ken-Sultan Al-Aschraf Sayf ad-Din Kait-Bays, der hoff­te, mit dem wert­vol­len Geschenk Loren­zos Beistand gegen die Osma­nen zu gewinnen.

Die Giraffe der Medi­cis brach sich das Genick. Bei solchen Verren­kun­gen nicht verwunderlich …

Als die Giraffe in Florenz eintraf, wurde sie sofort zu einer Sensa­tion. Zwar hatte bereits Loren­zos Groß­va­ter, Cosimo de’ Medici, in seiner Mena­ge­rie ein lebens­gro­ßes Modell einer Giraffe gezeigt, doch dies war die erste lebende Giraffe, die in der Stadt gezeigt wurde. Lorenzo de’ Medici ließ spezi­elle, beheizte Stal­lun­gen bauen, damit das Tier den feuch­ten Winter gut über­ste­hen möge.

Der Stadt­herr von Florenz erkannte aber auch das poli­ti­sche Poten­tial, das die Weiter­gabe der Giraffe mit sich brachte, und versprach das Tier der späte­ren fran­zö­si­schen Köni­gin Anne de Breta­gne. Die Giraffe verließ Italien aller­dings nie: Sie brach sich bereits kurz nach ihrer Ankunft das Genick und starb.

Zarafa“ – die berühm­teste Giraffe der Welt

Nach dem Tod der Medici-Giraffe blieb Europa mehr als drei­hun­dert Jahre lang gi­raf­fenfrei. 1827 erreich­ten dann gleich drei Giraf­fen die Alte Welt. Alle drei waren Ge­schen­ke des ägyp­ti­schen Vize­kö­nigs Muham­med Ali Pascha, der die Tiere an die Kö­nigs­häu­ser in Paris, London und Wien sandte.

Damit “Zarafa” auf der langen Schiff­fahrt nach Europa etwas sehen konnte, wurde ein Loch ins Ober­deck gesägt.

Zarafa, die Giraffe für den fran­zö­si­chen König Karl X, erreichte Europa als erste der drei. Bereits 1825 war Zarafa als Jung­tier einge­fan­gen und per Kamel nach Khar­tum trans­por­tiert worden. Von dort trat sie eine 2.500 Kilo­me­ter lange Nilkreuz­fahrt nach Kairo an. Von dort ging es weiter nach Alex­an­dria, wo Zarafa über das Mittel­meer nach Marseille verschifft wurde. Damit der promi­nente Gast etwas sehen und frische Luft schnap­pen konnte, wurde das Schiff eigens mit einem großen Loch im Ober­deck verse­hen, durch das Zarafa ihren Kopf stecken konnte.

Mehr als sieben­tau­send Kilo­me­ter legte die Giraffe zurück, bevor sie im April 1827 fran­zö­si­chen Boden betrat. Ihre Ankunft lockte Scha­ren von Schau­lus­ti­gen herbei, die das Tier auf seinem 41-tägi­gen Fußmarsch von Marseille nach Paris bewunderten.

Mehr als 60.000 Schau­lus­tige hießen 1827 in Paris die Giraffe “Zarafa” will­kom­men. Das Tier löste eine regel­rechte Giraf­fen­hys­te­rie aus und prägte Modetrends.

In Paris wurde Zarafa vom König höchst­per­sön­lich, dem gesam­ten Hofstaat und rund 60.000 Bürgern empfan­gen und in den Jardin de Planets gelei­tet. Zarafa lebte beinahe acht­zehn Jahre und löste zeit­weise eine regel­rechte Giraf­fen­hys­te­rie aus. Sie inspi­rier­te zu einer „Giraf­fen­mode“ mit hohen Hüten und Hoch­steck­fri­su­ren „à la girafe“, bevor sie am 12. Januar 1845 starb. Zara­fas Kada­ver wurde ausge­stopft und steht heute im Musée d’Histoire natu­relle in La Rochelle.

Eine Mena­ge­rie bringt 1844 die erste Giraffe nach Deutschland

In rund 25 deut­schen Zoos leben Giraf­fen. Haut­nah erlebt man sie im Safa­ri­park Hodenhagen.

Die beiden Giraf­fen, die kurz nach Zara­fas Ankunft in Paris in Wien und London ein­tra­fen, erfreu­ten sich eines weni­ger langen Lebens. Die Wiener Giraffe wurde in der Me­na­ge­rie von Schön­brunn unter­ge­bracht, wo sie noch inner­halb eines Jahres starb. Die Lon­do­ner Giraffe wurde auf persön­li­che Anwei­sung König Georgs IV. aus­schließ­lich mit Milch ernährt. 1829, zwei Jahre nach ihrer Ankunft, verstarb die „Nubi­sche Giraf­fe“ und wurde ausgestopft.

Mitte des 19. Jahr­hun­derts fand auch die erste Giraffe ihren Weg nach Deutsch­land. Brock­haus’ Konver­sa­ti­ons­le­xi­kon (14. Auflage, 1894 – 1896) schreibt dazu: „Eine herum­zie­hende Mena­ge­rie brachte 1844 die erste (Giraffe) nach Deutsch­land, der bald eine große Anzahl folgte, die fast alle von den Tier­händ­lern C. Hagen­beck in Hamburg und C. Reiche in Alfeld einge­führt wurden. Durch die Mahdis­ten­wir­ren im Sudan ist die Ausfuhr völlig abge­schnit­ten und die Giraf­fen sind in den euro­päi­schen Tier­gär­ten fast ausge­stor­ben, doch ist Hoff­nung vorhan­den, dass der letzt­ge­nannte Händ­ler bald aus Südafrika Giraf­fen einfüh­ren wird.“

Heute gibt es rund fünf­und­zwan­zig Zoos in Deutsch­land, in denen Giraf­fen gehal­ten werden. Haut­nah kann man die sanf­ten Riesen im Seren­ge­ti­park Hoden­ha­gen erleben.

Tipp: Ein ange­neh­mer Zeit­ver­treib für Giraf­fen­fans ist das schöne aber auch recht anspruchs­volle 1000-Teile-Puzzle “First kiss” von Ravensburger.

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