Martini­gans im Wind­mond: Bauern­regeln und Los­tage für November

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In „Nebe­lung“ wird ein Kind im Tempel verges­sen, ein halber Mantel verschenkt und der verges­se­nen Heili­gen gedacht. Ihre Tage verra­ten, wie das Wetter wird.

Im Wind­mo­nat „Nebe­lung“ Novem­ber bleibt das Vieh in den Stäl­len und die Gärten werden win­terfest gemacht. Der Land­wirt kommt ein we­nig zur Ruhe, für den Forst­wirt beginnt die Zeit der Holz­ar­bei­ten. Der erste Schnee fällt, Ne­bel hängt über den Tälern, und die Zeiger­pflan­­zen des phäno­logischen Kalen­ders ver­ra­ten nur noch eins: Es wird Winter. Das Wetter an den Losta­gen verrät, wie dieser wird und was für ein Früh­jahr folgt.

1. Novem­ber, Allerheiligen

Aller­hei­li­gen­reif macht den Winter stark und steif.

Weil es im christ­li­chen Ein-Gott-Glau­ben mehr Heilige als Tage im Jahr gibt und es daher un­mög­lich war, jedem von ihnen einen exklu­si­ven Gedenk­tag zuzu­ge­ste­hen, wird an Al­ler­hei­ligen aller Heili­gen gedacht – auch jener Märty­rer und Gläu­bi­gen, die in Ver­ges­sen­heit ge­rieten, die noch nicht heilig gespro­chen wurden oder um deren Heilig­keit niemand außer Gott weiß.

  • Aller­hei­li­gen­reif macht den Winter stark und steif.
  • Bringt Aller­hei­li­gen einen Winter, so bringt Martini (11. 11.) einen Sommer.
  • Altwei­ber­som­mer tut nicht lang gut, und steht er auch in der Heili­gen Hut.
  • Bringt Aller­hei­li­gen Sonnen­schein, tritt ein schö­ner Nach­som­mer ein.

2. Novem­ber, Allerseelen

Am Aller­see­len­tag wird der Verstor­be­nen gedacht. Mit Gebe­ten und Almo­sen soll ihnen der Aufent­halt im Fege­feuer erleich­tert werden. Nach altem (vorchrist­lich-heid­ni­schem) Verständ­nis ist in dieser Zeit des Jahres die Grenze zwischen dem Reich der Toten und dem Reich der Leben­den durch­läs­sig – die Toten können wieder­kom­men. Vieler­orts stellte man ihnen Essen bereit. Die Schwä­bi­schen „Seelen“ – läng­li­che, mit Kümmel bestreute Weizen­bröt­chen – sollen ihren Namen haben daher, dass sie für die Toten auf die Fried­hofs­mauer gelegt wurden.

  • Um Aller­see­len kalt und klar, macht zur Weih­nacht alles starr.
  • Der Aller­see­len­tag will drei Tröpfle Regen ha’n.

4. Novem­ber, Karl Borromäus

Karl Borro­mäus, ein bedeu­ten­der Vertre­ter der Gegen­re­for­ma­tion, über­nahm 1565 frei­wil­lig das als herun­ter­ge­kom­men verschrieene Erzbis­tum Mailand und machte da­raus eine Vorzei­ge­diö­zese. Auch Borro­mäus selbst galt als „Vorzei­ge­bi­schof“ und Ide­al­typus des christ­li­chen Kirchenfürsten.

  • Wenn’s an Karo­lus stürmt und schneit, dann lege deinen Pelz bereit, und heiz im Ofen wacker ein – bald zieht die Kälte bei dir ein.

11. Novem­ber, Martin

St. Martin reitet gern auf weißem Pferd (=Schnee).

Der mild­tä­tige St. Martin, der einem Bett­ler (der Über­lie­fe­rung nach Jesus Chris­tus persön­lich) seinen halben Mantel schenkte, ist einer der bekann­tes­ten Heili­gen des Chris­ten­tums und einer der ersten, die nicht den Märty­rer­tod star­ben. Martin wird meist als Ritter auf einem Schim­mel darge­stellt. In vielen Gegen­den wird sein Gedenk­tag mit einem Later­nen­zug gefei­ert – das geht auf die Lich­ter­pro­zes­sion zurück, mit der Mar­tins Leich­nam über­führt wurde. Für Gänse ist der 11. Novem­ber hinge­gen kein Fest­tag – sie werden tradi­tio­nell als Marti­nigans verzehrt.

  • Ist der Martin hell, kommt der Winter schnell.
  • Ist um Martin der Baum schon kahl, macht der Winter keine Qual.
  • Wenn die Martins­gänse auf dem Eise geh’n, so muss das Christ­kind im Schmutze steh’n.
  • Ist die Marti­nigans am Brust­bein braun, wird man mehr Schnee als Kälte schau’n, ist sie aber weiß, so kommt weni­ger Schnee als Eis.

15. Novem­ber, Leopold

Der Heilige Leopold ist der Landes­pa­tron von Öster­reich; in eini­gen Gemein­den Nie­der­öster­reichs wird sein Gedenk­tag trad­tio­nell mit einem großen Volks­fest und Jahr­markt gefei­ert. Das geht auf die Lust­bar­kei­ten zurück, die anläss­lich seiner Heilig­spre­chung 1845 im Stift St. Klos­ter­neu­burg gege­ben wurden.

  • Der Heilige Leopold ist dem Altwei­ber­som­mer hold.

19. Novem­ber, Elisabeth

Die thürin­gi­sche Land­grä­fin Elisa­beth war bekannt für ihr kari­ta­ti­ves Enga­ge­ment, das weit über die Konven­tio­nen ihrer Zeit hinaus­ging. Sie wurde bereits vier Jahre nach ihrem Tod 1231 (sie war erst vier­und­zwan­zig) heilig­ge­spro­chen. Anläss­lich des 750. Jahres­tags ihres Todes veran­stal­te­ten die Kirchen in der DDR 1981 ihre erste Massenversammlung.

  • St. Elisa­beth zeigt an, was der Winter für ein Mann.

21. Novem­ber, Mariä Opfe­rung (Mariä Tempelgang)

Wenn die Marti­ni­gänse auf dem Eise gehen, muss das Christ­kind im Schmutze stehen.

Das Fest ist Joachim und Anna, den Eltern der Heili­gen Jung­frau Maria gewid­met, und erin­nert daran, dass sie die Mutter Gottes als Kind dem Tempel widmeten.

  • Wenn an Mariä Opfe­rung die Bienen flie­gen, werden wir ein Hunger­jahr kriegen.
  • Mariä Opfe­rung klar und hell, macht den Winter streng und ohne Fehl.
  • Mariä Opfe­rung hell und rein, bringt einen harten Winter ein.

23. Novem­ber, Klemens (Clemens)

Als Bischof von Rom war Clemens zwei­ter oder drit­ter Nach­fol­ger des Heili­gen Petrus und gilt als Verfas­ser der Clemens­briefe. Um sein Leben ranken sich einige Legen­den – so soll er als Kind ein ganzes Jahr lang im Tempel verges­sen worden sein (was er unbe­scha­det über­stand). Auch soll er einmal jähr­lich das Meer geteilt haben, damit die Pilger den Grab­tem­pel errei­chen. Obwohl frühe Quel­len von einem natür­li­chen Tod des Heili­gen spre­chen, wurde ihm später der Märty­rer­tod zuge­schrie­ben. Er soll mit einem Anker um den Hals im Meer versenkt worden sein.

  • Dem heil’gen Klemens traue nicht, denn selten zeigt er ein mild’ Gesicht.

25. Novem­ber, Katharina

Novem­ber-Morgen­rot mit langem Regen droht.

Obwohl die Exis­tenz der Heili­gen Katha­rina von Alex­an­drien nicht belegt ist, gehört sie zu den bekann­tes­ten Heili­gen und zu den vier­zehn Nothel­fern. Als die schöne, intel­li­gen­te und glau­bens­tarke Jung­frau nach langem Marty­rium geköpft wurde, soll aus der Wun­de Milch statt Blut geflos­sen sein.

  • Wenn kein Schnee­fall auf Kathrei is’, auf St. Andreas (30. 11.) kommt er g’wiss.
  • Wie das Wetter an Kathrein, wird der nächste Hornung (Februar) sein.
  • Wer eine Gans zum Essen mag, beginn zu mästen am Katharinentag.

26. Novem­ber, Konrad

St. Konrad war ein hoch­ge­schätz­ter Bischof im Bistum Konstanz. Seine Heilig­spre­chung verdankt er der Vereh­rung durch das Volk und Ulrich I., seinem späte­ren Nach­folger im Bischofs­amt: Dieser wollte neben den „Römern“ auch einen „Ein­hei­mi­schen“ in den Reihen der Heili­gen sehen.

  • Noch niemals stand ein Mühlen­rad an Konrad, weil er Wasser hat.

30. Novem­ber, Andreas

Andreas war der Bruder des Apos­tels Petrus und selbst ein Jünger Christi. Aegeas, der Statt­hal­ter Neros in Patras, ließ Andreas an einem Kreuz mit schrä­gen Balken – dem „Andre­as­kreuz“, das heute an Bahn­über­gän­gen steht – kreu­zi­gen. Bei Andreas’ Hinrich­tung soll Aegeas als Strafe für diese Tat dem Wahn­sinn verfal­len sein.

  • Andre­as­schnee tut den Saaten weh.
  • Wenn es an Andreas schneit, der Schnee hundert Tage liegenbleibt.

Hier geht’s weiter zu den Bauern­re­geln und Losta­gen im Januar, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli, August, Septem­ber, Okto­ber, und Dezem­ber.

Als weitere Lektüre empfeh­len wir “Die beste Bauern­re­gel für jeden Tag: 365 Regeln, die wirk­lich stim­men” von Jurik Müller. Die Regeln sind “nach heuti­gem Wissens­stand über­prüft” — ob sie wirk­lich stim­men, haben wir nicht über­prüft. Fest steht: Hier finden Sie Bauern­re­geln rund um Pflan­zen­wachs­tum und Wetter, Brauch­tum, Tradi­tio­nen und Anek­do­ten zu den Regeln.

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