Schwarz-Rot-Gold: Die Geschichte der deut­schen National­flagge

Über die Herkunft und die Bedeu­tung der deut­schen National­farben wird häufig speku­liert. Seit 1832 stehen sie für Frei­heit und Einheit.

Seit der Grün­dung des Deut­schen Reiches 1871 hatte Deutsch­land bereits drei ver­schie­dene National­flaggen: Schwarz-Weiß-Rot wa­ren die Farben des Kaiser­reichs; Schwarz-Rot-Gold die der Weima­rer Repu­blik, und wäh­rend der national­sozialis­tischen Dik­tatur wurde die Haken­kreuz­fahne gehisst. Seit 1949 sind wieder Schwarz, Rot und Gold die deut­schen National­farben.

Der Lützow­sche Frei­korps: Schwarz war prak­tisch

Natio­nal­flagge mit Adler.

Der Ursprung der deut­schen Natio­nal­far­ben Schwarz, Rot und Gold lässt sich nicht zu hun­dert Prozent bele­gen. Häufig wird auf die Uni­formen der Lützow­schen Frei­korps verwie­sen, die 1813/​1814 in den Be­frei­ungs­krie­gen gegen Napo­leon eine wich­tige Rolle spiel­ten.

Die Unifor­men des Frei­korps enthiel­ten tatsäch­lich die Farben Schwarz, Rot und Gold, doch das hatte in erster Linie prak­ti­sche Gründe: Die meis­ten Mitglie­der des Korps waren Frei­wil­lige, die ihre eige­nen Röcke mitbrach­ten. Diese hatten alle mögli­chen Farben, und um wenigs­tens annä­hernd ein­heit­liche Unifor­men zu bekom­men, wurden sie schwarz ein­ge­färbt, denn das war die einzige Farbe, die alle ande­ren problem­los über­deckte.

Die roten Vorstöße an Kragen, Aufschlä­gen und Achsel­stü­cken waren bereits zuvor beim preu­ßi­schen Heer üblich gewe­sen und wurden über­nom­men. Knöpfe an der Uniform waren uner­läss­lich – dass diese aus gold­gel­bem Messing waren, war eher Zufall und hatte keine symbo­li­sche Bedeu­tung. Die Symbol­be­deu­tung erhiel­ten die Farben erst im nach­hin­ein. Gerne zitiert wird in diesem Zusam­men­hang ein Ausspruch aus den Befrei­ungs­krie­gen: „Aus der Schwärze der Knecht­schaft (schwarz) durch blutige Schlach­ten (rot) ans goldene Licht der Frei­heit (gold).“

Das Heilige Römi­sche Reich: Das Rot im Reichs­ban­ner war nicht beab­sich­tigt

Wenn es um die Frage nach den Natio­nal­far­ben geht, wird häufig auch auf das Reichs­banner des Heili­gen Römi­schen Reiches Deut­scher Nation verwie­sen. Dieses gilt als „Vorläu­fer“ der deut­schen Flagge und zeigte einen schwar­zen Adler mit rotem Schna­bel und roten Fängen auf gold­gel­bem Grund. Damit soll belegt werden, dass die Ent­schei­dung für Schwarz-Rot-Gelb ein Zurück­grei­fen auf „alte deut­sche Farben“ ist.

Gold (bezie­hungs­weise Gelb) und Schwarz galten als Königs­far­ben, das Rot hinge­gen war keine beab­sich­tigte Farbe. Dass Rot im Reichs­ban­ner auftauchte, hatte mit der Tech­nik der Farben­her­stel­lung und dem Druck von Hand­schrif­ten zu tun. Rote Farbe diente dabei als Grun­die­rung für das Gold. An den Stel­len, an denen das Gold ab­blät­terte, kam das Rot zum Vorschein. Häufig geschah das an den Rändern der Adler­figur – an den Fängen, den Flügel­spit­zen oder dem Schna­bel. Eigent­li­che Wappen­farben waren bis zum Ende des Heili­gen Römi­schen Reiches (1806) aber nur Schwarz und Gelb.

Hamba­cher Fest: Das Gold war oben in der Fahne

Belegt ist hinge­gen, dass 1832 beim Hamba­cher Fest, einer früh­li­be­ra­len Protest­ver­an­stal­tung, bei der Einheit, Frei­heit und Demo­kra­tie gefor­dert wurden, zum ersten Mal schwarz-rot-goldene Triko­lo­ren in größe­rer Zahl geschwun­gen wurden. Mehr­heit­lich wa­ren diese noch anders „sortiert“ als heute: Im Sinne des oben ange­führ­ten Zitats aus den Be­frei­ungskriegen stand das Schwarz unten und das Gold oben.

Für das Hamba­cher Fest wurde auch eine „Ur-Fahne“ in der heute gebräuch­li­chen Farb­sor­tie­rung und mit der Aufschrift „Deutsch­lands Wieder­ge­burt“ ange­fer­tigt. Untern den drei Farben sollte ein freies und demo­kra­ti­sches Deutsch­land entste­hen; Schwarz-Rot-Gold wurde zum Symbol für das Stre­ben nach Frei­heit und Einheit.

Schwarz-Rot-Gold: Das einzige gemein­same Symbol von BRD und DDR

Bereits am 9. März 1848 erklärte die Bundes­ver­samm­lung in Frank­furt am Main Schwarz-Rot-Gold zu den Farben des Deut­schen Bundes. Während der März­re­vo­lu­tion (1848/​49) und den folgen­den Unru­hen wurden andere Symbole und Farben wich­ti­ger, und Schwarz-Rot-Gold konnte sich nicht recht durch­set­zen. Erst während der Weima­rer Repu­blik wurden die Farben wieder als Reichs­far­ben in die Verfas­sung aufge­nom­men. Im Reichs­flag­gen­ge­setz von 1935 wurden Schwarz, Rot und Gold zwar noch als Reichs­farben aufge­führt, dennoch wurde die Haken­kreuz­fahne zur Natio­nal- und Han­dels­flagge bestimmt.

Schwarz-Rot-Gold: Symbol für Frei­heit und Einheit.

In bewuss­ter Anleh­nung an die Tradi­tion der Weima­rer Repu­blik und an das Heilige Römi­sche Reich schlug der Parla­men­ta­ri­sche Rat, der 1948/​49 das Grund­ge­setz der Bundes­re­pu­blik beriet, die Farben Schwarz, Rot und Gold als Bundes­far­ben vor. Im Grund­sat­zungs­aus­schuss hieß es dazu: „Die Tradi­tion von Schwarz-Rot-Gold ist Einheit und Frei­heit oder … besser: Einheit in der Frei­heit. Die Flagge soll uns als Symbol dafür gelten, dass die Frei­heits­idee der persön­li­chen Frei­heit einer der Grund­la­gen unse­res zukünf­ti­gen Staa­tes sein soll.“

Am 23. Mai 1949 wurde Schwarz-Rot-Gold zur Natio­nal­flagge der Bundes­re­pu­blik erklärt. Auch die DDR wählte diese Farb­kom­bi­na­tion, ergänzte sie später aber noch um das Staats­wap­pen (Hammer, Zirkel und Ähren­kreuz). Die Farb­kom­bi­na­tion Schwarz-Rot-Gold war das einzige offi­zi­elle Symbol, das die BRD und die DDR gemein­sam hatten.

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