Der Strandkorb — ein “eigentümlich bergendes Sitzhäuschen”

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Der Strandkorb gehört zum deutschen Kulturgut wie der Gartenzwerg und die Kuckucksuhr. Das Behaglichkeitsmöbel ist nicht nur ein windgeschütztes Plätzchen, sondern war schon Arbeitsplatz von Schriftstellern und Rahmen von Gipfeltreffen.

Die alte Dame hatte Rheuma. Das war 1882, und ihr Arzt empfahl ihr Ruhe, warme Gefilde, noch wärme­ren Tee und alles, nur keinen Strand­auf­ent­halt an der rauen Ostsee. Die Dame war nicht nur rheu­ma­tisch, sondern auch gut situ­iert und eini­ger­ma­ßen eigen­sin­nig. Viel­leicht sogar stur.

Fast wahr — die alte Dame und die Erfindung des Strandkorbs

An den Strand trotz Rheuma oder schlech­tem Wetter? Der Strand­korb macht es möglich.

Auf den Strand­ur­laub zu verzich­ten, kam für sie nicht in Frage.  Also suchte die Dame, die entwe­der Elfriede von Malt­zahn oder Fräu­lein von Oerzen hieß, einen Rosto­cker Korb­flech­ter auf, der ganz sicher Wilhelm Bartel­mann hieß, und den sie um die Herstel­lung einer Sitz­ge­le­gen­heit “als Schutz gegen Sonne und Wind” bat.

Bartel­mann, Hof-Korb­ma­cher­meis­ter und Hand­wer­ker aus Passion, fertigte darauf­hin den ersten Strand­korb — einen Einsit­zer, in dem die Dame ihren Strand­ur­laub gut geschützt genie­ßen konnte. Den anfäng­li­chen Spott, sie säße in einem “aufrecht stehen­den Wäsche­korb”, nahm sie so würde­voll und damen­haft hin, dass aus dem Spott bald Neid wurde, und die Erfolgs­ge­schichte eines urdeut­schen Kultur­guts ihren Anfang nahm.

Das ist eine schöne Geschichte, man liest sie häufig, wenn man die Geschichte des Strand­korbs recher­chiert. Es ist fast ein biss­chen schade, dass sie nicht stimmt, zumin­dest nicht ganz, denn der Strand­korb wurde schon vor 1882 von Malern gemalt und von Schrei­bern beschrie­ben. Entwe­der gab es ihn (den Strand­korb) also schon, oder sie (die Künst­ler) waren Visio­näre und die wahren Erfin­der des Sitz­mö­bels.

Schlecht­wet­ter­tage am Strand sind im Strand­korb nicht nur möglich, sondern sogar gemüt­lich.

Dass die oft erzählte Rheuma-Vari­ante nicht den Beginn des Strand­korbs darstellt, ist vor allem für Jour­na­lis­ten wie mich schade, denn die Geschichte der schmerz­ge­plag­ten Elfriede Malt­zahn und dem Hof-Korb­meis­ter, der sich ihrer annahm, ist als Aufhän­ger viel schö­ner als die Fakten, die Wiki­pe­dia in gewohnt sprö­der Manier preis gibt.

Das wusste übri­gens auch das Pres­se­büro von Angela Merkel. Als 2007 am Ostsee­strand in Heili­gen­damm der G-8-Gipfel tagte, ließen sich die anwe­sen­den Staats­ober­häup­ter in einem eigens ange­fer­tig­ten Strand­korb ablich­ten. Und weil ein Tradi­ti­ons­mö­bel unbe­kann­ter Herkunft ein wenig wenig ist, wurde auch gleich der 125-jährige Geburts­tag des Strand­korbs gefei­ert. Seit­her gilt Bartels­mann land­läu­fig als Erfin­der des Strand­korbs.

Der Strandkorb vor seiner Erfindung

Die mondä­nen Seebä­der an der Ostsee (hier die Seebrü­cke Sellin auf Rügen) wären ohne Strand­körbe nur halb so schön. Ostsee­strand­körbe haben klas­sisch geschwun­gene Hauben, während die Nord­see­mo­delle gerade Linien haben.

Die schnöde Wahr­heit: Der Erfin­der des Strand­korbs ist unbe­kannt. Vorläu­fer des Sitz­mö­bels gab es bereits im 16. Jahr­hun­dert. Das waren über­dachte Korb­mö­bel, die in zugi­gen Wohn­zim­mern und kalten Schlös­sern in Deutsch­land, England, Schott­land, Irland und den Nieder­lan­den zum Einsatz kamen. So rich­tige Strand­körbe waren das natür­lich nicht, denn sie stan­den nicht an namens­ge­ben­den Strän­den.

Wann und wo der erste Strand­korb am Strand auftauchte, ist unklar- ein Eintrag im Muster­buch des Korb­ma­chers Ernst Karl Niko­laus Freese gilt als frühes­tes schrift­li­ches Doku­ment. Das war 1871, elf Jahre, bevor die damals noch nicht ganz so alte Dame das Zipper­lein packte. Viel­leicht stand er an der Ostsee. Viel­leicht auch an der Nord­see. Ganz sicher in Deutsch­land, immer­hin.

Mieten statt kaufen — Bartelmanns Frau schafft einen neuen Geschäftszweig

Und dann erst kommt Bartel­mann. Mit oder ohne Frau Malt­zahn. Der Korb­ma­cher, der sich in erster Linie als Hand­wer­ker und nicht als Geschäfts­mann verstand, versäumte es, für seinen Korb ein Patent anzu­mel­den. Das ermög­lichte es ande­ren Korb­ma­chern, in das rasch aufblü­hende Geschäft mit den Strand­kör­ben einzu­stei­gen und das Möbel nach­zu­bauen und zu vari­ie­ren.

Bartels­manns Frau hatte mehr Geschäfts­sinn als ihr Mann. Sie erkannte, dass der Strand­korb ein Saison­mö­bel ist, noch dazu ein teures, was dem Massen­ver­kauf eher hinder­lich ist. Bereits 1883 bot sie in der Nähe des Leucht­turms von Warne­münde die ersten Strand­körbe zur Vermie­tung an, und erfand damit einen neuen und lukra­ti­ven Geschäfts­zweig.

Schon 1883 konn­ten Ostsee­be­su­cher die ersten Strand­körbe mieten.

Der Strand­korb verbrei­tete sich rasant und entwi­ckelte sich viel­fäl­tig: Bald gab es Einsit­zer, Zwei­sit­zer, Strand­körbe mit Fuß- und Kopf­teil, mit Schub­lade, Armleh­nen oder Tisch­chen, Lieges­trand­körbe zum Umklap­pen und Fami­li­en­strand­körbe. Einige Vari­an­ten flopp­ten, etwa der Korb auf dreh­ba­rem Stand­fuß, der sich mühe­los rich­tig in die Wind­rich­tung drehen ließ. Die an sich gute Idee schei­terte am feinen Sand, der die Kugel­la­ger zusetzte. Ein Flop waren auch der Strand­korb, den man umkip­pen und damit aufs Meer rudern konnte (kein Kommen­tar …), und der Korb, der sich zugleich als Koffer nutzen lassen sollte (man munkelt, die ersten Benut­zer stecken noch heute im Koffer­korb …).

Auch heute noch wird der Strand­korb bestän­dig weiter entwi­ckelt, mal mehr, mal weni­ger sinn­voll. Wer an deut­schen Strän­den die Augen offen hält, sieht Körbe mit Sitz­hei­zung, inte­grier­tem Kühl­schrank, Halo­gen­be­leuch­tung und versteck­ten Laut­spre­chern. Es gibt Kinder- und sogar Puppen- und Hunde-Strand­körbe. Strand­körbe für Gold­fi­sche könn­ten evt. noch eine Markt­lü­cke sein.

Ein “eigentümlich bergendes Sitzhäuschen”

Der Strand­korb fand auch berühmte Fans. Der in Lübeck gebo­rene Thomas Mann bezeich­nete den Strand­korb als “eigen­tüm­lich bergen­des Sitz­häus­chen”, das mit seinen “schüt­zen­den Seiten­wän­den” keine Störung bei seiner Arbeit aufkom­men ließ. Drei Sommer lang soll er im Seebad Nidden in einem Strand­korb “Joseph und seine Brüder” geschrie­ben haben.

Der Zeit voraus: Thomas Mann war so ange­tan von dem “eigen­tüm­lich bergen­den Sitz­häus­chen”, dass er Strand­körbe auch in den “Budden­brocks” beschreibt. Obwohl es sie zur Zeit des Romans noch gar nicht gab.

In den “Budden­brocks” lässt Thomas Mann eine Szene am Strand spie­len und verwen­det den Strand­korb als Lokal­ko­lo­rit. Er über­sah dabei, dass er die Szene 1845 spie­len lässt, und es damals noch gar keine Strand­körbe gab. Das freut Lite­ra­tur­stu­den­ten bis heute, denn es bietet Stoff für ganze Diplom­ar­bei­ten. Auch in der Liste der großen Film­feh­ler hat der Mann’sche Strand­korb seinen Platz gefun­den, denn die Szene hat es auch in die Verfil­mung von 2008 geschafft.

Über­haupt ist der Strand­korb ein durch­aus belieb­tes Motiv in Filmen und Büchern. Selten spielt er eine Haupt­rolle, aber er gibt einer Szene einen ganz beson­de­ren Rahmen, im wahrs­ten Sinn des Wortes. Wer in einem Strand­korb sitzt, egal ob alleine oder in Gesell­schaft, ist gebor­gen, abge­schot­tet und versteckt. Er sieht nur noch einen Ausschnitt der Welt — wie große Scheu­klap­pen engt der Strand­korb den Blick ein und konzen­triert ihn auf das Wenige, das am Korb vorbei­kommt. Von außen, zu Hunder­ten in Reih und Glied, abends oder bei Schlecht­wet­ter, gibt der Strand­korb eben­falls eine perfekte Kulisse ab, nicht nur für Post­kar­ten.

Der Strandkorb ist “typisch Deutsch”

Egal, wer ihn erfun­den hat: Der Strand­korb gilt als typisch Deutsch und rangiert (fast) auf einer Ebene mit dem Garten­zwerg, der Kuckucks­uhr und der Holly­wood­schau­kel. Bis zum zwei­ten Welt­krieg war das Strand­mö­bel auch in Holland gebräuch­lich, dann verschwand es von den nieder­län­di­schen Strän­den. Nach England, Schott­land oder Skan­di­na­vien hat es der Strand­korb nie in großem Stil geschafft, obwohl er für die dortige Witte­rung präde­sti­niert wäre. Sagen Sie das aber nie einem Englän­der oder Schot­ten — man wird Sie nicht verste­hen, denn Wind­stärke 8 mit Stark­re­gen gilt dort als schö­ner Tag. Viel­leicht hat der Strand­korb deswe­gen auf der Insel keine Chance.

Rund 130.000 Strand­körbe stehen an Deutsch­lands Strän­den.

Von deut­schen Strän­den ist er hinge­gen nicht wegzu­den­ken (aber hier gibt es auch mehr  Schlecht­wet­ter-Tage, denn diese begin­nen schon bei Wind­stärke 0,8 und sanf­tem Niesel­re­gen). Wie viele Strand­körbe es in Deutsch­land gibt, ist nur zu schät­zen — so unge­fähr ziem­lich unge­nau 130.000 dürf­ten es sein. Nicht alle stehen am Strand — der Strand­korb ist auch in manchem Garten zu finden und schützt auch dort zuver­läs­sig vor Sonne, Wind und Regen.

Libel­lius Tipp: Lust auf Strand­fee­ling? Dann empfeh­len wir folgende Strand­körbe:

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