Mondän abhängen: Hollywoodschaukeln als Ausdruck einer Lebensphilosophie

Von wegen spießig! Hollywoodschaukeln galten in den 1970ern als das Trendmöbel schlechthin. Sie waren nicht einfach nur ein Sitzmöbel, sondern Ausdruck eines Lebensgefühls und eines Lebensstils, der für Weltoffenheit, Wohlstand und Stolz auf das Erreichte stand.

Die Nach­barn meiner Oma hatten eine Holly­wood­schau­kel. Bunt geblümt und leise quiet­schend, wenn die Haus­her­rin drin saß und in einer Illus­trier­ten blät­terte. Bei uns hätte die Holly­wood­schau­kel vermut­lich laut gequietscht, aber wir Kinder durf­ten sie nicht benut­zen. (Man weiß ja, wie Kinder sind, mit ihren drecki­gen Füßen und ihrem Rumge­ham­pel …) Nur einmal gab es eine Sonder­ge­neh­mi­gung. Ausnahms­weise und unter stren­ger Aufsicht.

Das Paradies in der Nussschale

Das “Para­dies in der Nuss­schale”: Holly­wood­schau­kel-Schau­keln macht glück­lich. Foto: Ange­lika Hleft­schar

Da saßen wir dann — neben­ein­an­der aufge­reiht auf weichen Pols­tern, den geblüm­ten Balda­chin über uns, unsere Rücken durch­ge­drückt, zaghaft mit den Beinen baumelnd. Wir hiel­ten vor Aufre­gung die Luft an und schwie­gen andäch­tig. Das war fast wie in der Kirche, nur besser. Viel besser. Eine bunt geblümte Glücks­hülse der Gebor­gen­heit, in der wir das Gefühl hatten, etwas ganz Beson­de­res zu sein.

Ohne, dass es uns jemand erklä­ren musste, wuss­ten wir, was der Öster­rei­chi­sche Bundes­prä­si­dent Adolf Schärf 1964  bei der Eröff­nung der Wiener Garten­schau meinte, als er die zahl­reich übers Ausstel­lungs­ge­lände verteil­ten Holly­wood­schau­keln als “Para­dies in der Nuss­schale” bezeich­nete.

Kroa­ti­en­ur­laub 2010 — endlich, endlich, endlich, darf ich in einer Holly­wood­schau­kel sitzen! Wenn auch leider eine ohne Dach …

Was ich damals noch nicht wusste: Holly­wood­schau­keln sind spie­ßig! Diese nieder­schmet­ternde Tatsa­che erfuhr ich von meinen Eltern, denn unglück­li­cher­weise waren sie dem Zeit­geist ein paar Jahre voraus und hatten den Image-Wandel der Holly­wood­schau­kel gedank­lich längst voll­zo­gen.

Bevor die Holly­wood­schau­kel zum Inbe­griff des Klein­bür­ger­tums wurde, war sie der Inbe­griff der Welt­of­fen­heit. Ihr Image­wan­del war dras­tisch und voll­zog sich dummer­weise genau während meiner Kind­heit in den späten 70ern und frühen 80ern. Doch der Reihe nach.

Amerikanischer Glamour im heimischen Garten

Die Vorläu­fer der Holly­wood­schau­kel kommen aus zwei Rich­tun­gen: Bereits um 1900 boten euro­päi­sche Holz­mö­bel­her­stel­ler ein “Hänge­bett mit Dach” an. Dabei handelte es sich um eine Hänge­matte an einem mit Stoff­dach verse­he­nen Gerüst. Die Mischung aus Hänge­matte und Himmel­bett war “für Gesunde und Kranke geeig­net” und “höchst wich­tig für Land­häu­ser, Hotels, Curorte und Spitä­ler”.

Schau­keln zur Entschleu­ni­gung: Mit Teddy und Kissen schau­kelt es sich noch schö­ner. Foto: Ange­lika Hleft­schar

Auf der ande­ren Seite des Atlan­tiks gehörte eine Veranda zur Grund­aus­stat­tung eines ordent­li­chen ameri­ka­ni­schen Hauses — und zur Veranda gehörte die “porch swing”, die “Veranda-Schau­kel”. Die oft zwei- oder mehr­sit­zige Schau­kel war fest unter dem Veran­d­a­d­ach montiert, möglichst so, dass sich das Gesche­hen auf der Straße und in der Nach­bar­schaft bequem beob­ach­ten ließ.

Zwischen 1880 und 1920 verfügte nahezu jede ameri­ka­ni­sche Veranda über eine solche Schau­kel. Bis heute ist die “porch swing” vieler­orts noch zu finden — und sie ist in vielen Filmen zu sehen. Auf der Veran­da­schau­kel werden Fami­li­en­ge­heim­nisse erzählt, Heirats­an­träge gemacht, schlechte Neuig­kei­ten schwei­gend verar­bei­tet, Entschei­dun­gen getrof­fen oder einfach nur Small­talk gehal­ten.

Vergnügen und Gesundheit: Schaukeln zur Entschleunigung

Ziel beider Vorläu­fer war die Entwick­lung eines beweg­li­chen Möbel­stücks, das einen wetter­ge­schütz­ten Aufent­halt an der frischen Luft ermög­lichte. Die Entwick­ler der Holly­wood­schau­kel hatten dabei nicht nur das Vergnü­gen im Kopf: Das Sitz­mö­bel sollte auch thera­peu­ti­schen und gesund­heit­li­chen Zwecken dienen.

Die beru­hi­gende Wirkung der sanf­ten Schau­kel­be­we­gun­gen stellte ein will­kom­me­nes Gegen­ge­wicht zur vieler­orts beklag­ten Beschleu­ni­gung des Alltags­le­bens und der zuneh­men­den Reiz­über­flu­tung dar. Schon damals such­ten Menschen nach Entschleu­ni­gung — und fanden sie auf Schau­keln.

Mein Haus, mein Boot, meine Holly­wood­schau­kel: In den 20ern und 30ern war die Holly­wood­schau­kel ein Pres­ti­ge­ob­jekt. Foto: Ange­lika Hleft­schar

Die endgül­tige Heraus­bil­dung der Holly­wood­schau­kel in ihrer heuti­gen Form (frei­ste­hen­des, über­dach­tes Gerüst mit Schau­kel­bank) voll­zog sich nach dem ersten Welt­krieg. Damals war das neuar­tige Garten­mö­bel im englisch­spra­chi­gen Raum unter “garden swing” bekannt, im deutssch­pra­chi­gen als “schwin­gende Garten­bank”. Ende der 1920er vertrieb die Berli­ner Firma Caspary erste Holly­wood­schau­keln unter dem Produkt­na­men “Wiegente” — und mit dem Slogan: “Jeden Tag Ferien!”

Der Luxus einer solchen Holly­wood­schau­kel war damals den begü­ter­ten Gesell­schafts­schich­ten vorbe­hal­ten. Nur gut Betuchte konn­ten sich die hohen Anschaf­fungs­kos­ten leis­ten, und nur sie hatten ausrei­chend Zeit und Muße, sich dem Genuss des Schau­kelns über­haupt hinzu­ge­ben. Die Holly­wood­schau­kel war ein Status­ob­jekt, in dem sich die dama­lige Ober­schicht gerne foto­gra­fie­ren ließ.

Swinging Sixties — die Hollywoodschaukel und der American Way of Life

Opti­mis­mus und Stolz auf das Erreichte: In den Nach­kriegs­jah­ren war die Holly­wood­schau­kel Teil eines neuen Lebens­ge­fühls.

Wirk­lich popu­lär wurde die Holly­wood­schau­kel erst nach dem zwei­ten Welt­krieg. Die erfolg­rei­chen Jahre des Wieder­auf­baus und das stabile Wirt­schafts­wachs­tum ermög­lich­ten ein Aufat­men — die erzwun­gene Beschei­den­heit der Nach­kriegs­zeit ging zu Ende, und bisher uner­reich­bare Luxus­gü­ter wurden erschwing­lich. Dazu gehörte auch die Holly­wood­schau­kel, die erst jetzt diesen Namen erhielt. In den 50ern und 60ern verbrei­tete sich die Holly­wood­schau­kel und strahlte Opti­mis­mus und Stolz auf das Erreichte aus.

Immer häufi­ger tauchte das Garten­mö­bel auch in Filmen auf. Inter­es­san­ter­weise waren es dabei nicht so sehr Holly­wood­pro­duk­tio­nen, die das Image der Holly­wood­schau­kel präg­ten, sondern die damals weit popu­lä­re­ren Heimat­filme wie etwa “Wenn der Toni mit der Vroni”, in dem Peter Alex­an­der seiner Ange­be­te­ten in einer Holly­wood­schau­kel (“auf Raten!”) ein Ständ­chen singt.

Dennoch wurden die Schau­keln mit den bunt gemus­ter­ten Balda­chi­nen zum Inbe­griff des “Ameri­can Way of Life” und zum Ausdruck eines erträum­ten Lebens­stils der Promi­nenz: exklu­siv, mondän, modern, welt­of­fen.

Jedem Garten seine Hollywoodschaukel

Ein Gläs­chen Wein, eine Ziga­rette und ein Hauch Frivo­li­tät: In den 70ern waren Holly­wood­schau­kel­be­sit­zer alles andere als spie­ßig …

Einen echten Boom erlebte das Garten­mö­bel zu Beginn der 70er, und spätes­tens in der Mitte des Jahr­zehnts fand sie eine Nische in beinahe jedem Garten. Wochen­schauen und Illus­trierte zeig­ten Bilder von reichen, glück­li­chen Menschen, die unbe­schwert in den Tag hinein schau­kel­ten. Promi­nente wie Mari­lyn Monroe ließen sich in Holly­wood­schau­keln ablich­ten, und in Deutsch­land erhielt die Garten­schau­kel sogar eine eigene Fern­seh­sen­dung.

In der Fern­seh­reihe “V.I.P.-Schaukel” berich­tete die öster­rei­chi­sche Jour­na­lis­tin Margret Dünser von der High Society in aller Welt und inter­viewte ihre Gesprächs­part­ner in priva­ter Atmo­sphäre — gerne auch in der namens­ge­ben­den Holly­wood­schau­kel. Zu ihren Gästen gehör­ten unter ande­rem John Wayne, Robert Redford, Salva­dor Dali und das thai­län­di­sche Königs­paar.

Von “weltoffen” zu “spießig” — Imagewandel in den 80ern

Ein biss­chen aus der Mode gekom­men: Holly­wood­schau­keln haben ihre beste Zeit hinter sich. Diese hier wurde wegen diesem Arti­kel aus ihrem Schat­ten­da­sein befreit. Juhu! Foto: Ange­lika Hleft­schar

Der Höhen­flug der Holly­wood­schau­kel war kurz. Schon in den Acht­zi­gern wandelte sich ihr Image, und die Schau­kel verlor ihren Glanz. Zu der Zeit, als ich als Kind andäch­tig und stock­steif in einer Holly­wood­schau­kel einen Glücks­mo­ment erlebte, galt das Garten­mö­bel bei vielen (leider einschließ­lich meiner Eltern, die sich niemals so eine “Pein­lich­keit” in den Garten gestellt hätte) bereits als unmo­dern, klein­bür­ger­lich und ebenso spie­ßig und borniert wie ein Garten­zwerg.

Wie es zu dem Image­wan­del kam, ist unklar. Klar ist, dass die Holly­wood­schau­kel ebenso schnell von den Terras­sen und aus den Gärten verschwand, wie sie sich ausge­brei­tet hatte. Erst seit eini­gen Jahren erlebt die quietsch­bunte Holly­wood­schau­kel im Zuge der immer wieder auffla­ckern­den Retro-Begeis­te­rung eine kleine Renais­sance.

Dane­ben wird die Holly­wood­schau­kel auch als Design­mö­bel entdeckt — mit neuen Model­len in zurück­hal­ten­den Farben und schlich­tem Stil muss man kein Spie­ßer und kein Retro-Fan sein, um sich das stille Glück beschau­li­chen Schau­kelns in den Garten zu holen. Denn das ist bis heute gleich geblie­ben: Die Schau­kel­be­we­gung im geschütz­ten Kokon einer Holly­wood­schau­kel beru­higt und entschleu­nigt ausge­spro­chen effek­tiv.

Ich gehe jetzt schau­keln!

Sie wollen gleich losschau­keln? Dann empfeh­len wir Ihnen folgende Holly­wood­schau­keln:

Hollywoodschaukel Monte Carlo

3-er Hollywoodschaukel Monte Carlo

Die Holly­wood­schau­kel \‘Monte Carlo\’ ist eine stabile und gut verar­bei­tete Schau­kel mit groß­zü­gi­ger Sitz­flä­che für bis zu drei Perso­nen. Sie bietet einen sehr guten Sitz­kom­fort mit extra hohem Rücken. Ein Schau­kel­dach wird auch mitge­lie­fert. Für den Aubau benö­ti­gen zwei Leute etwa eine Stunde. Statt des mitge­lie­fer­ten Werk­zeugs sollte aber besser eige­nes verwen­det werden. Maße: (B)219 x (T)107 x (H)152 cm, Gewicht ca. 44,50 kg

299,95 €

Hollywoodschaukel Korfu

Angerer Single Hollywoodschaukel Korfu, Terracotta, 1-Sitzer

Diese Single Holly­wood­schau­kel ist Ideal für Balkon und kleine Terras­sen. Sie lässt sich einfach montie­ren und besitzt ein prak­ti­sches und beque­mes Wende­kis­sen. Das Sonnen­dach lässt sich bei 30°C waschen. Diese Holly­wood­schau­kel gibt es in der Farbe Terra­cotta und Orange. Maße: 100 x 145 x 160 cm

269,99 €

Hollywoodschaukel DanDiBo

DanDiBo Hollywoodschaukel Gartenschaukel aus Metall 082505 Schaukel Garten Schmiedeeisen

Diese Schau­kel ist ein High­light für den Garten. Sie sieht gut aus und man sitzt einfach bequem. Darüber hinaus ist sie stabil und einfach aufzu­bauen. Farbe: Rost­braun Antik gewischt. Höhe ca. 195 cm, Breite ca. 157 cm, Tiefe ca. 105 cm.

319,99 €

Hollywoodschaukel Albarella

Hollywoodschaukel ALBARELLA Gartenschaukel aus Lärche Holzfarbe NATUR / Stoff Weiss Holzschaukel Lärchenholz

Exklu­sive Holly­wood­schau­keln aus massi­vem Lärchen­holz. Massive Ketten und Haken sorgen für ein ange­neh­mes wie auch siche­res Schau­keln der Sitz­bänke bzw Sessel. Farbe: Rost­braun Antik gewischt. Maße: 193cm (B) x 195cm (H)x 98cm (T) /​ Balken­stärke: 8cm x 6,5cm

339,90 €