Rein in die gute Stube: Puppenhäuser für Kinder

Puppenhäuser dienten dem Prestige, revolutionierten die Gerichtsmedizin und sollten Mädchen auf ihre Hausfrauenrolle vorbereiten.

Auf meinem Wunsch­zet­tel stand nie ein Puppen­haus. Eben­so­we­nig wie eine Puppe. Das hat mir den Ruf einge­bracht, ich sei “kein rich­ti­ges Mädchen”. (Die Sache mit der tradi­tio­nel­len Rollen­ver­tei­lung wurde in den Sieb­zi­gern noch erheb­lich erns­ter genom­men.) Statt­des­sen stan­den auf meinem Wunsch­zet­tel Pferde und ein Stall.

Mit Puppenhäusern den (späteren) Alltag üben

Puppen­häu­ser sind aus Kinder­gär­ten nicht wegzu­den­ken. Foto: Ange­lika Hleft­schar

Ich habe diesen Stall bekom­men. Mein Vater hat ihn entwor­fen und gemein­sam mit mir gebaut. Im Unter­ge­schoss gab es eine Stall­gasse, Boxen mit leicht klem­men­den Schie­be­tü­ren und einen Platz für Werk­zeuge. Der Dach­stuhl, stun­den­lang mit hand­ge­spal­te­nen Dach­schin­deln beklebt, war abnehm­bar und diente als Heu- und Stroh­la­ger. Echtes Heu und Stroh, das ich heim­lich ins Haus geschmug­gelt habe, und das auf wenig Gegen­liebe bei meiner Mutter stieß, als sie nach Wochen endlich die Quelle für die Stroh­halme fand, die an den selt­sams­ten Stel­len im Haus auftauch­ten.

Der Pfer­de­stall mit den Pfer­den aus bemal­ten Klopa­pier­rol­len, Holz und später sogar echtem Plas­tik ist mit Sicher­heit eines der meist bespiel­ten Spiel­zeuge meiner Kind­heit. Während der Regen aufs Haus­dach pras­selte erlebte ich mit meiner Freun­din den (meist sonni­gen) Alltag auf dem Pfer­de­hof, mit allen großen und klei­nen Aben­teu­ern, Sorgen und Konflik­ten, die uns einfie­len oder beschäf­tig­ten, und die prak­tisch immer ein Happy End nahmen.

Auch wenn dieser Stall kein ganz klas­si­sches “Puppen­haus” war, erfüllte er dennoch genau den Zweck, den Puppen­häu­ser schon seit Hunder­ten von Jahren haben: Kinder verar­bei­ten im Spiel ihren Alltag, erspie­len sich ihre Träume und üben ihre Idee von einem späte­ren Leben. Bei mir war es der Traum vom Leben auf dem Pfer­de­hof. Klas­si­scher­weise soll­ten Puppen­häu­ser Mädchen auf ihre Rolle als Haus­frau und Mutter vorbe­rei­ten — und dass die Reali­tät viel­leicht nicht so ganz dem Spiel entsprach, war vermut­lich gewollt.

Protz & Prunk: Puppenhäuser als Prestigeobjekt

Das älteste bekannte Puppen­haus wurde 1558 für Herzog Albrecht V. von Bayern gebaut. Er spielte aller­dings nicht damit (höchs­tens heim­lich). Das Puppen­haus war ein reines Schau­stück und Kunst­ob­jekt.

Auch für die Puppen­häu­ser des 17. und 18. Jahr­hun­derts galt “Bespie­len verbo­ten!” — es waren Pres­ti­ge­ob­jekte, mit denen reiche Fami­lien ihren eige­nen Wohn­sitz im Klein­for­mat nach­bauen ließen, um vor ihren Gästen ordent­lich damit anzu­ge­ben. Dementspre­chend üppig, prunk­voll und detail­liert waren diese Puppen­häu­ser ausge­stat­tet.

Warum Gästen lieber ein Nach­bau im Klein­for­mat gezeigt wurde, und nicht das Origi­nal, in dem sie sich ja bereits befan­den, ist nicht ganz klar. Mögli­cher­weise waren die Nach­bau­ten nur detail­liert und eben doch nicht ganz detail­ge­treu — manche Küche mag im Klein­for­mat mehr her gemacht haben, und manche schä­bige Dienst­bo­ten­un­ter­kunft wurde wohl geschönt oder gänz­lich unter­schla­gen.

Das größte Puppenhaus der Welt

Eben­falls unbe­spielt blieb bisher das größte Puppen­haus der Welt.  “Queen Mary’s Dolls’ House” wurde in den 1920ern vom Königs­haus in Auftrag gege­ben und vom führen­den engli­schen Arch­ti­tek­ten Edwin Luty­ens entwor­fen. Anläss­lich der Sommer­aus­stel­lung der Royal Academy of Arts sollte die “zeit­ge­mäße Luxus­villa” im Maßstab 1:12 die besten briti­schen Waren und die moderns­ten Einrich­tungs­ge­gen­stände zeigen.

So stehen etwa in der Garage des Minia­tur­hau­ses ausschließ­lich Modelle (damals) briti­scher Auto­mar­ken wie Daim­ler, Rolls-Royce und Vaux­hall. Die Mini-Ausga­ben wurden zum Teil von den Unter­neh­men selbst gebaut und zur Verfü­gung gestellt. Die Lifte im Haus funk­tio­nie­ren ebenso wie die Wasser­spü­lun­gen in den Toilet­ten.

Auf char­mante Weise “very british” ist auch die künst­le­ri­sche Ausstat­tung des Puppen­hau­ses: Bekannte Schrift­stel­ler wie Rudyard Kipling und Sir Arthur Canon Doyle verfass­ten eigens Texte für die Bücher der Minia­tur-Biblio­thek. Zeit­ge­nös­si­sche Maler fertig­ten die Gemälde für die Luxus­villa an, die am Ende nicht ganz so zeit­ge­mäß für die 1920er daher­kommt, sondern eher die Belle Époque und den konser­va­ti­ven Geschmack der engli­schen Upper Class wider­spie­gelt.

Die gute Stube im Dachboden — Pädagogik und Weihnachten

Mit Puppen­häu­sern soll­ten Mädchen ihr späte­res Leben als Haus­frau spie­le­risch üben. Diese Dame macht es rich­tig und übt sich in Müßig­gang. Foto: Ange­lika Hleft­schar

Das erste “pädago­gi­sche” Puppen­haus mit dem klaren erzie­he­ri­schen Auftrag, Mädchen auf ihre spätere Haus­frau­en­rolle vorzu­be­rei­ten, wurde 1631 von der Nürn­ber­ge­rin Anna Köfer­lein gefer­tigt. Erst im Bieder­meier fand das Spiel­haus aber weitere Verbrei­tung.

Vorbild für die frühen Puppen­häu­ser waren die Wohnun­gen des geho­be­nen Bürger­tums und der Ober­schicht. Zuneh­mend in Mode kamen auch einzelne Räume als Puppen­stube oder Puppen­kü­che — ausge­stat­tet mit allen nöti­gen Möbeln, Klein­ge­rä­ten und Uten­si­lien, um ein realis­tit­sches Spiel zu ermög­li­chen. Etwa um die selbe Zeit hiel­ten auch Kinder-Kauf­lä­den Einzug in deut­sche Haus­halte.

Typi­scher­weise wurden Puppen­häu­ser und Puppen­stu­ben den Kindern früher nicht ganz­jäh­rig zur Verfü­gung gestellt, sondern am Weih­nachts­tag aufge­baut. Schon am Drei­kö­nigs­tag wurde “die gute Stube” wieder einge­packt und auf dem Dach­bo­den verstaut. Das Haus­frau-Spie­len blieb damit etwas ganz Beson­de­res, dessen Charme sich nicht abnutzte — viel­leicht genau die Inten­tion dahin­ter.

Mord im Puppenhaus

Einen ganz ande­ren Lehr­auf­trag hatte die Ameri­ka­ne­rin Fran­ces Gless­ner Lee im Sinn, als sie in den 1940ern mit dem Bau ihrer welt­weit einzig­ar­ti­gen Puppen­häu­ser begann. Hier wird nicht gekocht — hier wird gemor­det, mit allen grau­si­gen Details. Blut­ver­schmierte Bett­la­ken, eine abge­feu­erte Schrot­flinte neben dem Bett und ein totes Kind in der Wiege: Bei diesen Puppen­häu­sern ist von “heiler Welt” keine Rede.

Fran­ces Gless­ner Lee fertigte die Häuser mit faszi­nie­ren­der und oft erschre­cken­der Detail­ver­ses­sen­heit: In den winzi­gen Lampen stecken funk­tio­nie­rende Glüh­bir­nen, die Tape­ten blät­tern ab, neben dem Gewehr liegen winzige Patro­nen­hül­sen und auf dem Beistell­tisch liegen Ausga­ben aktu­el­ler Zeit­schrif­ten. Mit umfunk­tio­nier­ten Steck­na­deln strickte Gless­ner Lee Pull­over für ihre Toten, und sie selbst trug altmo­di­sche Klei­dungs­stü­cke, um realis­tisch abge­nutz­ten Stoff zu bekom­men.

Detail­treue, die ihren Preis hatte: Rund 4.500 Dollar kostete der Bau jeden einzel­nen mörde­ri­schen Puppen­hau­ses — fast so viel wie der Bau eines echten Hauses. Fran­ces Gless­ner Lee konnte sich das exzen­tri­sche und teure Hobby leis­ten: Insge­samt 19 Mord­häu­ser baute die hand­werk­lich begabte Millio­nen­er­bin, und sie tat es nicht zum Spaß oder aus morbi­der Genug­tu­ung. Im Gegen­teil: Die ältere Dame wollte die Welt ein wenig besser machen.

Ihre Puppen­stu­ben sind detail­ge­treue Darstel­lun­gen von Tator­ten — inspi­riert von echten, unge­klär­ten Todes­fäl­len. Gless­ner Lee, die sich trotz elter­li­chem Verbot in den Kopf gesetzt hatte, Rechts­me­di­zi­ne­rin zu werden, schaffte es, sich auto­di­dak­tisch zum ersten weib­li­chen Mitglied der Inter­na­tio­nal Asso­cia­tion of Chiefs of Police, einer welt­wei­ten Orga­ni­sa­tion zur Opti­mie­rung der Poli­zei­ar­beit, hoch zu arbei­ten.

Puppenhäuser revolutionieren die Gerichtsmedizin

Die Gerichts­me­di­zin steckte damals noch in den Kinder­schu­hen — eine forma­li­sierte Ausbil­dung gab es nicht. Schon 1931 stif­tete Fran­ces Gless­ner Lee  der Harvard Medi­cal School eine Vier­tel­mil­lion Dollar, um die erste rechts­me­di­zi­ni­sche Fakul­tät zu grün­den. Mit den “Nuts­hell Studies of Unex­p­lai­ned Death” (“Nuss­scha­len-Studien uner­klär­ter Todes­fälle”), wie sie ihre Puppen­häu­ser nannte, stellte sie der Univer­si­tät Harvard später ein wich­ti­ges Hilfs­mit­tel für Semi­nare zur Tator­tar­beit zur Verfü­gung.

Neun­zig Minu­ten lang hatten ange­hende Ermitt­ler Zeit, sich die Diora­men ganz genau anzu­se­hen — um sich dann darüber auszu­tau­schen, wie die Indi­zien zu deuten seien, ob ein Mord oder Selbst­mord vorliegt, und wie der Tather­gang gewe­sen sei. Eine Auflö­sung der tatsäch­li­chen Tather­gänge hat Gless­ner Lee nie gege­ben — es ging ihr nie um die Auflö­sung der Fälle, sondern darum, den Ermitt­ler­blick für Details zu schu­len und den Austausch zwischen Ermitt­lern zu fördern.

Von “unschätz­ba­rem Wert” seien die Diora­men für den Unter­richt gewe­sen, hieß es 1992 in der “Ameri­can Medi­cal News”.  Als Fran­ces Gless­ner Lee 1962 im Alter von 83 Jahren starb, über­gab die Fami­lie die einzig­ar­ti­gen Puppen­häu­ser an das Gerichst­me­di­zi­ni­sche Insti­tut von Balti­more, wo sie noch heute ausge­stellt sind.

Wer seinen Kindern jetzt noch ein Puppen­haus schen­ken möchte (wer weiß schon, was sie darin spie­len und üben?), dem empfeh­len wir folgende Modelle:

Majestic Mansion Puppenhaus

KidKraft 65252 Majestic Mansion Puppenhaus aus Holz mit Zubehör für 30 cm große Puppen mit 34 Accessoires und 4 Spielebenen

Dieses wunder­schöne Puppen­haus bietet Kindern auf vier Ebenen mit acht Zimmern viel Raum für Fanta­sie. Über eine Treppe gelan­gen die Spiel­fi­gu­ren vom Erdge­schoss in die erste Etage und über einen beweg­li­chen Aufzug in die drit­ten Etage. Die Gara­gen­tü­ren lassen sich öffnen und schlie­ßen. Das Puppen­haus besteht aus einer stabi­len Holz­kon­struk­tion und hat eine Höhe von 135 cm. Zur Majes­tic Mansion Villa gehört ein 34-teili­ges Zube­hör-Set, das Kinder mit ihren 30 cm großen Puppen stun­den­lang beschäf­tigt.

177,99 €

Van Lavendel Puppenhaus

Le Toy Van Lavendel Haus Puppenhaus Holz

Dieses nost­al­gi­sches Puppen­haus ist mit viel Liebe zum Detail bemalt. Die einzel­nen Räume wurden mit vielen klei­nen Einzel­hei­ten male­risch darge­stellt, z.B Regale, Bilder, Wand­leuch­ten usw. Das Puppen­haus ist im Erdge­schoss sowie auch im ersten Stock­werk in jeweils zwei Räume geteilt. Die Stock­werke sind mit einer Treppe verbun­den. Die Türen und Fens­ter lassen sich öffnen. Das Puppen­haus hat eine Höhe von 67 cm, eine Breite von 61 cm und eine Tiefe von 35 cm. Liefer­um­fang ohne Figu­ren, Möbel oder Puppen!

126,89 €

Eichhorn Puppenhaus

Eichhorn 100002510 Holz, Puppe, Haus, Villa, bunt

Das große Eich­horn Puppen­haus hat fünf große, möblierte Zimmern und eine schöne Sonnen­ter­rasse. Das ist das perfekte Zuhause für Spiel­pup­pen bis 30cm. Das Puppen­haus ist von der Vorder­seite bespiel­bar und ist mit 13 Möbeln einge­rich­tet. Das Pupen­haus hat eine Gesamt­größe von 84 cm x 38 cm x 123 cm.

86,67 €

Puppenhaus “Residenz”

Puppenhaus "Residenz" aus Holz verfügt über 3 Etagen, mit Fahrstuhl und Balkon, inkl. 23 Puppenmöbel als Zubehör

Dieses Puppen­haus ist ein Traum in Pastell­far­ben. Es bietet Spiel­spaß über drei komplette Etagen. Die beiden ersten Etagen sind mit einem klei­nen Fahr­stuhl verbun­den. Das Dach­ge­schoß mit Terrasse erreicht man über eine schöne Wendel­treppe. Jeder Raum ist indi­vi­du­ell gestal­tet und die Wände sind hübsch bemalt. Im Liefer­umpfang dabei sind 23 Möbel­stü­cke zum Einrich­ten der Villa.

127,62 €

Drehbare Puppenvilla

Puppenhaus Rosa Dach aus Holz, inkl. 21 farbenfrohen Möbelstücken, Spielspaß auf 3 Etagen, mit drehbarem Sockel, offene Seiten für einfaches Bespielen

Diese schöne Puppen­villa auf drei Etagen und einer klei­nen Dach­ter­rasse lässt jedes Kinder­herz höher schla­gen. Dank seines dreh­ba­ren Unter­sat­zes lässt sich das Häus­chen von allen Seiten wunder­bar bespie­len. Es ist mit 21 farben­fro­hen Möbel­stü­cken ausge­stat­tet und kleine raffi­nierte Details, wie zum Beispiel aufklapp­bare Fens­ter­lä­den, bieten den Kindern viele Spiel­mög­lich­kei­ten.

150,15 €