Altdeutscher Hütehund und Schafe

Der Alt­deut­sche Hüte­hund: Herden­ge­brauchs­hund in acht Schlä­gen

20.02.2026

Schäfer züchteten den Altdeutschen Hütehund, die Arbeit prägte seinen Charakter und sein Aussehen. Keiner der acht Schläge ist eine anerkannte Hunderasse.

Schäfer mit Altdeutschem Hütehund und Schafen
Altdeutsche Hütehunde sind Herdengebrauchshunde für Schäfer.

Die Wurzeln des Altdeutschen Hütehundes liegen vermutlich im frühen Mittelalter, als die Entwicklung des Wanderhirtentums Hunde zum Treiben, Hüten, Wehren und Schützen der Her­den nötig machte. Arbeitsleistung und Ge­sund­heit bestimmten, mit welchen Hunden ge­züch­tet wurde, das Aussehen war für den Schä­fer ne­ben­säch­lich. Entsprechend uneinheitlich se­hen Alt­deut­sche Hütehunde aus.

Regional bildeten sich dennoch einander ähn­liche Hunde heraus. Die Schäfer gaben diesen „Schlägen“ ihre Namen, ganz prag­ma­tisch nach Verbreitungsgebiet, Ein­satzzweck oder äuße­ren Merkmalen. „Alt­deut­scher Hüte­hund“ ist so­mit keine Rassebezeichnung, sondern ein Oberbegriff für die traditio­nellen deut­schen Herdengebrauchshunde. Acht solcher Schläge werden bei der Arbeits­ge­mein­schaft Altdeutscher Hütehund (AAH) geführt.

Die acht Schläge des Altdeutschen Hütehunds

  • Altdeutscher Hütehund
    Altdeutscher Hütehund, Schlag „Schwarzer“.

    Schwarzer: Rein schwarze Hunde, gelegentlich mit kleinen Abzeichen. Sehr selb­ständige Hunde mit angeborener Naturschärfe, die auch als Wächter und Be­schüt­zer von Schäfer und Herden eingesetzt wurden. Schwarze sind einer der klas­si­schen Schläge der süddeutschen Wanderschäfer und werden heute noch über­wie­gend in Baden-Württemberg und Franken eingesetzt.

  • Westerwälder und Siegerländer Kuhhund: speziell für die Arbeit am Rind ge­züch­tet. Sehr durchsetzungsstarker Hund, der auch mit schwierigen Rinder­her­den zu­rechtkommt. Wird von der Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter und bedrohter Haustierrassen (GEH) als extrem gefährdet eingestuft.
Altdeutscher Hütehund, Schafpudel, und Schafherde
Explodierter Wischmopp? Nein – ein Schafpudel in Aktion.
  • Schafpudel: Mittelgroße, zotthaarige Hunde in allen Farben. Temperamentvolle, intelligente und freundliche Hunde mit großer Arbeitsfreudigkeit und raum­grei­fen­den, fließenden Bewegungen.
  • Gelbbacke: Dunkle Färbung mit hellen, gelben oder braunen Abzeichen im Be­reich von Kopf und Brust. Recht unterschiedlich im Erscheinungsbild und Cha­rak­ter. Gelbbacke, Schwarzer und Fuchs dürfen untereinander verpaart wer­den und kön­nen auch gemeinsam innerhalb eines Wurfs auftreten.
  • Fuchs: Rotes oder rot-braunes Fell; schwarze Maske, Latz oder Decke kommen ebenso vor wie weiße Abzeichen an Brust oder Pfoten. Der „Harzer Fuchs“, ur­sprünglich ein Kuhhund, erfreut sich heute auch bei Privathaltern zunehmender Be­liebt­heit. Füchse sind harte Arbeiter, flink und wendig, von schneller Auf­fas­sungs­gabe und wacher Intelligenz.
  • Altdeutscher Hütehund und Schafe
    Aktiv, agil, selbständig: Strobel im Einsatz.

    Strobel: „Strubbelige“ Hunde, meistens schwarz, gelegentlich auch gelbbackig oder getigert. Sehr selbständig arbeitende Hütehunde, die überwiegend in Süd­deutschland eingesetzt werden.

  • Stumper: Stumper sind Hunde, die ohne oder mit verkürzter Rute geboren wer­den. Sie können in allen Schlägen vorkommen und sind vollwertige, gesunde Hun­de. Allerdings dürfen sie auf keinen Fall untereinander gepaart werden, da die Wel­pen meist nicht überlebensfähig sind. Eine Verpaarung von Stumper und Stumper ist nach dem Tierschutzgesetz verboten („Qualzucht!“).

    Altdeutscher Hütehund, Tiger-Welpe
    Altdeutsche vom Tigerschlag dürfen nicht miteinander verpaart werden.
  • Tiger: Gescheckte, getupfte oder gepunktete Hunde, oft mit blauen Augen. Die Färbung entsteht durch den sogenannten Merle-Faktor. Tiger dürfen nicht mit­ei­nander verpaart werden, um gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch das Mer­le-Gen zu vermeiden.
Gelbbacke, Strobel und Stumper sind ...

… ein Schweizer Komiker-Trio, das in den Achtzigern für Furore sorgte.

… verschiedene Schläge des Altdeutschen Hütehunds.

… brasilianische Papageien-Rassen.

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Der Altdeutsche Hütehund ist keine anerkannte Hunderasse

Altdeutscher Hütehund und Schafe
Die Herde im Blick: Altdeutscher Hütehund bei der Arbeit.

Keiner der acht Schläge des Altdeutschen ist als Rasse anerkannt. Von Seiten der AAH wird diese Rassenanerkennung auch nicht angestrebt. „Rassestandards legen meist zu viel Wert auf Äußerlichkeiten“, begründet Susanne Zander von der AAH. „Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Rassestandard Gesundheit und Robustheit eines Hun­des verbessert hätte, sondern nur das Gegenteil. Wir möchten nicht, dass ein guter Hütehund von der Zucht ausgeschlossen wird, nur weil er seine Rute ‚falsch’ trägt.“

Obwohl keine anerkannte Rasse, ist der Altdeutsche Hütehund kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis jahrhundertlanger, konsequenter Zuchtauslese. Arbeitswille, Lernbereitschaft und Robustheit zeichnen den Altdeutschen Hütehund bis heute aus.

Eine eigene Zuchtlinie in Richtung Familienhund, die von einigen AH-Freunden ge­for­dert wird, wird von der AAH abgelehnt. „Unser Ziel ist es, den Altdeutschen als das zu erhalten, was er ist: ein Gebrauchshund für die Arbeit an den Herden. Wird der Alt­deutsche Hüte­hund zum Fa­milienhund umgezüchtet, ist er kein Hütehund mehr, sondern ein Fa­mi­li­en­hund, der wie ein Hütehund aussieht.“

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