Handschriftliche Anmerkungen in einem Buch

Manuskripte einreichen: Was macht eigentlich ein Lek­tor?

Ein Lektor macht mehr als ein Rechtschreibprogramm und kann erheblich zur Ver­bes­serung eines Manuskripts beitragen.

Ein Autor ist nichts ohne seinen Lektor. Zuge­ge­ben, das ist eine provokante Aussage, und vie­le hoff­nungsvolle Jungautoren werden die Au­gen ver­drehen und sich denken: „So ein Quatsch. Schreiben kann ich schließlich selbst, und für die paar flüchtigen Tippfehler, die ich mache, gibt es ein Rechtschreibprogramm. Wie­so al­so sollte ich jemanden dafür bezahlen, dass er in meinen Texten herumpfuscht?“ Die Ant­wort ist einfach: Weil ein guter Lektor es wert ist.

Die Grenzen eines Rechtschreib­pro­gramms

Handschriftliche Anmerkungen in einem Buch
Lektoren machen kritische Anmerkungen zu Inhalt, Stil und Rechtschreibung.

Ein Lektor macht mehr als ein Recht­schreib­pro­gramm (deshalb ist er auch teu­rer). Er erkennt, dass zeitlose Armbanduhren unprak­tisch sind und Handys mit Freisprucheinrichtung zwar praktisch wären aber nicht prak­ti­ka­bel sind.

Er macht aus dem Amnesiegesuch des Pi­ra­ten­kapi­täns das Am­nes­tie­gesuch und lässt statt der Infusionsstreitmacht die Invasions­streit­macht über die Mee­re segeln. Und ja, „nebenbei“ korrigiert er auch Recht­schreib­fehler und setzt ver­ges­se­ne Kom­mas.

Wo das Rechtschreibprogramm an seine Grenzen stößt, fängt die Arbeit eines Lektors erst an. Als außenstehender „Berufsnörgler“ und Tippfehlerdetektiv kann er einen Text vorurteils­frei und objektiv lesen.

Denn genau das tut ein Lektor: Er liest. Aufmerksam, kritisch und ständig mit Fragen im Kopf: Stimmt der innere Sinnzusammenhang? Sind die Übergän­ge nach­voll­ziehbar und klar? Gibt es Brüche, Lücken oder Längen im Er­zählfluss? Und ist das Verhältnis zur Grammatik an der ein oder anderen Stelle allzu in­no­vativ?

Was ein guter Lektor nicht macht: Ihr Buch neu schreiben. Zwar wird er Kleinigkeiten mög­licherweise kommentarlos abändern, doch größere Änderungen und/oder Kür­zun­gen finden immer in Zusammenarbeit mit dem Autor statt.

Das hat den Vorteil, dass eben kein Fremder an Ihrem Text „herumpfuscht“. Es hat den „Nachteil“, dass Sie wei­ter­hin selbst denken, selbst arbeiten und selbst schreiben müssen.

Wie finde ich einen Lektor?

Freiberufliche Lektoren gibt es beinahe überall. Eine gute erste Anlaufstelle ist der Ver­band der freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL). Bevor Sie einen Lektor be­auf­tra­gen, sollten Sie

– verschiedene Angebote einholen,
– sich Referenzen geben lassen und
– eine Arbeitsprobe vereinbaren.

Und noch eins müssen Jungautoren lernen, die ernsthaft gewillt sind, ihr Manuskript bis zur Verlagsreife zu bringen: Kritikfähigkeit. Ein Autor muss lernen, dass Kritik am Text genau das ist: Kritik am Text, keine Kritik an ihm, seiner Person, seiner Lebens­ein­stel­lung oder Geisteshaltung.

Nur wer das begriffen hat, kann gut mit einem Lek­tor zu­sam­menarbeiten und reagiert nicht jedesmal beleidigt, wenn er auf ein sti­lis­ti­sches Schlag­loch hingewiesen wird. Und nur wer gut mit seinem Lektor zu­sam­men­ar­beitet wird am Ende feststellen, dass dieser jeden Cent wert war.

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