Schwarzes Pferd auf der Weide

Pferdefarben und Abzeichen – Glückssymbole und schlechte Omen

04.06.2026

Im Wandel der Zeiten gab es immer wieder Pferdefarben, die als gesegnet galten – oder als verflucht. So deuteten Reitervölker die Fellzeichnung ihrer Pferde.

Eine schwarze Katze bringt Unglück. Und ein schwarzes Pferd? Na ja, das auch, sitzt auf ihm doch laut Johannesoffenbarung der dritte der vier apokalyptischen Reiter: der Hungertod. Ei­ner etwas freundlicheren Auslegung zufolge steht das schwarze Pferd für den festen und ge­rech­ten Willen Gottes.

Connemara Pony, Falbe, bockt über die Weide
Kampf, Krieg, Hunger und Tod: Das Gemälde „Die vier apokalyptischen Reiter“ des russischen Malers Viktor Michailowitsch Wasnezow aus dem Jahr 1887 zeigt die Vorboten der Apokalypse. Einer Deutung zufolge kommen die Reiter weder aus dem Himmel, noch aus der Hölle – sie sind die Personifikation irdischer, bedrohlicher Mächte, die nur wirken können, weil Gott dies billigt. (Bild: Wikimedia Commons)

Der Rappe wird be­glei­tet von einem Fuchs (rot für Blut, Tod durch Krieg aber auch Weisheit) und einem fah­len Pferd, dessen unbestimmte Farbe neben Furcht, Nie­dergang, Krankheit und Tod auch die Ver­wand­lung repräsentiert. Der Anführer, nach alt­kirch­li­cher Deutung Christus selbst, reitet einen Schim­mel. Das Weiß steht für Sieg, Reinheit, Gerechtigkeit und Gottes all­um­fassende Liebe.

Märchenprinzen reiten Schimmel, Führungspersönlichkeiten setzen (sich) auf schwarze Hengste

St. Martin, Relief an der Erzabtei Beuron im Donautal, Deutschland
Wer reinen Herzens ist, reitet einen Schimmel – das gilt für St. Martin und die meisten Märchenprinzen.

Kein Wunder also, dass der heilige St. Martin meist ebenso auf einem Schimmel dar­gestellt wird wie St. Georg, der Drachentöter. Auch Gandalf und der Märchenprinz kom­men für gewöhnlich auf einem Schimmel geritten. Alle sind sie Retter aus der Not – und ihre Pferde so strahlend rein wie ihre Taten.

Wer Respekt oder gar Furcht einflößen will, reitet lieber einen Rappen, vorzugsweise einen Hengst. Das gilt für die Nazgul, die Ringgeister, ebenso wie für Zorro, den Rä­cher der Entrechteten. Winnetous „Iltschi“, Silas „Schwarzer“, „Blitz“, „Fury“ und „Black Beauty“ – der schwarze Hengst ist in der Literatur etwas für Führungs­per­sön­lich­keiten. Oft genug macht er seinen Besitzer erst zu einer solchen. Füchse oder Braune kommen in der Weltliteratur nur selten zu Ehren.

Abzeichen und Haarwirbel galten Reitervölkern als schlechte Omen oder Se­gens­zeichen

Fohlen beim Spielen
Diese Blesse verspricht gute Geschäfte.

Seit Menschen Pferde gezielt züchten, gab es immer wieder Farbvorlieben, aus denen gezielte Farbzuchten entstanden, und Fellzeichnungen, die als gesegnet oder verflucht galten. Besonders bei Völkern, die stark vom Pferd abhängig waren, prägten sich sol­che Ansichten aus.

Aus Abzeichen, Haarwirbeln und Farbe eines Pferdes zogen die Beduinen Rück­schlüs­se auf seine Eigenschaften. Dabei gab es zum Teil erhebliche stammes- und ge­biets­ab­hängige Unterschiede. „Nimm nie den Roten“, warnte der eine Stamm; „Das beste aller Pferde ist der Fuchs“, widersprach der andere.

Haflinger-Araber
Nimm nie den Roten? Quatsch! Das beste aller Pferde ist der Fuchs!

Hoch gestiefelte Pferde bedeuteten Verderben, Pferde mit einem Stern und ohne Weiß an den Füßen, sogar ein offenes Grab für den Reiter. Eine sich nach links neigende Bles­se versprach gute Geschäfte, helle Flecken auf Kruppe und Schenkeln Glück bei den Frauen. Pferde mit unterbrochener Blesse sollten laut Stammesüberlieferung leicht stol­pern, jene mit einem Fleck auf dem Bauch hingegen sehr trittsicher sein.

Ungünstige Zeichen setzten den Wert eines Pferdes beträchtlich herab, doch wusste man sich zu helfen, um die schlechte Wirkung zu mildern oder gar aufzuheben. Der Stamm der Ruala etwa, legte dem Unglückspferd eine schwarze Ziege über die Schul­ter, tötete sie und ließ das Blut an beiden Seiten herunterlaufen. Dieses blutige Ritual sollte den Fluch abwenden.

Tipp: Pferdebedarf und Reitzubehör
Tipp: Pferdebedarf und Reitzubehör Hand aufs Herz: Man kann überhaupt nie genug Pferdezubehör haben! Bei Equiva, dem Anbieter von Reitsportartikeln für Reiter aller Reitsportdisziplinen, finden Pferdebesitzer eine große Auswahl an Pferdebedarf und Reitzubehör – das Sortiment bleibt dabei erfreulich kompakt und auf die Dinge konzentriert, die man nicht nur will, sondern wirklich braucht.

Viel Wirbel um Wirbel: Mohammeds Daumenabdruck und Linda Tellington Jones’ Wirbellehre

Als besonders gesegnet galten den Beduinen Pferde mit dem „Daumenabdruck des Propheten“. Der Legende nach lagerte Mohammed mit hundert Stuten am Ufer eines Flusses. Drei Tage hielt er die Herde ohne Wasser in einem Pferch. Als er sie endlich freiließ, stürmte sie zum Fluss, doch bevor sie ihn erreichte, ließ der Prophet die Trom­pe­te den Ruf zum Kampf blasen.

Fünf Stuten kehrten, ohne zu trinken, mit hellem Auge und frohem Gewieher zu ihrem Herrn zurück. Da segnete sie der Prophet mit seinem Daumenabdruck – zwei Fell­wir­beln auf gleicher Höhe rechts und links des Mähnenkamms. Pferde mit dem Dau­men­ab­druck sollen besonders treu sein und direkt von einer jener fünf ergebenen Stu­ten ab­stammen.

Wer über solch „veralteten Aberglauben“ lächelt, sollte bedenken, dass auch die relativ neue Charakterlehre der anerkannten Pferdetrainerin Linda Tellington-Jones auf der „Wirbelkunde“ beruht. Sie untersuchte die Zusammenhänge zwischen Wirbeln und Eigenschaften an über 1500 Pferden. Demnach sollen Pferde mit einer flachen Stirn und einem Wirbel in Augenhöhe unkomplizierte Charaktere sein, solche mit mehreren Stirnwirbeln gelten als schwierig.

Die indianische Kriegsbemalung sollte das Pferd schützen

Pferd mit Medicine Hat
Pferde mit dem „medicine hat“ galten als besonders gesegnet und waren Häuptlingen vorbehalten.

Auch die nordamerikanischen Indianer maßen der Farbe und der Zeichnung ihrer Pfer­de große Bedeutung zu. Sie liebten bunte, gefleckte und getupfte Reittiere.

Pferde mit besonderen Abzeichen wie dem „medicine hat“ (braune Ohren bei einem an­sons­ten weißen Pferd) standen unter dem Schutz Manitus und waren Häuptlingen vor­be­halten.

Bemaltes Pferd
Indianer bemalten ihre Pferde, um sie zu schützen. Kinder bemalen sie zum Spaß.

Zusätzlich zu den angeborenen Abzeichen verliehen die Indianer ihren Pferden auch künstliche und malten sie an. Umgekehrte Hufeisen standen für die Zahl der Überfälle, an denen der Reiter teilgenommen hatte. Handabdrücke zeigten an, wie viele Feinde der Reiter im Kampf Mann gegen Mann, ohne Einsatz von Waffen, getötet hatte. Ein Ring um das Pferdeauge sollte dem Tier Scharfblick geben, eine Art Schlüsselloch, von einem Medizinmann aufgemalt, war ein Schutz- und Segenszeichen. So bemalt brachte dann selbst ein Rappe Glück.

Während die Indianer ihre Pferde zum Schutz bemalten, wird das Bemalen von Pferden heute in manchen Ställen als Ferienprogramm angeboten. Das wird kontrovers diskutiert und oft vorschnell verurteilt. Lesen Sie hier, was Sie beim Bemalen von Pferden beachten sollten, damit das Tier keinen Schaden nimmt.

Die vier biblischen Reiter der Apokalypse sitzen auf ...

… einem Rappen, einem Fuchs, einem Schimmel und einem fahlen Pferd von unbestimmter Farbe.

… vier Rappen mit einem, zwei, drei bzw. vier weißen Beinen.

… einem Schecken, einem Falben, einem Goldfuchs und einem Schimmel mit silberner Mähne.

Kleiner Tipp: Die korrekte Antwort finden Sie im Beitrag auf dieser Seite
WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner