
Die Begegnung mit Hunden ist für viele Menschen schon deswegen problematisch, weil sie das Verhalten des Tieres nicht einschätzen können und seine Körpersprache nicht verstehen.
Ein Hundebesitzer mag erkennen, dass das geifernde, schwanzwedelnde „Ungeheuer“, das auf ihn zustürmt, nichts Böses im Sinn hat. Einem Laien oder einem ängstlichen Spaziergänger hilft ein gut gemeintes „Ach, der tut nix, der will nur spielen“, reichlich wenig.
Körpersprache bei Hunden: Aggressionsbereitschaft erkennen

Bevor ein Hund angreift, zeigt er deutlich ein Droh- und Imponiergehabe. Seine Körperhaltung ist aufrecht, seine Muskeln sind angespannt, und seine Bewegungen werden langsam und steif.
Der Hund sträubt Nacken- und Rückenhaare, hält den Kopf ruhig und die Ohren gespitzt. Seine Augen fixieren die potentielle Gefahr. Der Hund knurrt grollend mit hochgezogenen Lefzen. Eventuell unterbricht er das Knurren mit Bellen.
Diese Haltung signalisiert höchste Alarmbereitschaft und kann sehr schnell in Aggression umschlagen. Fängt ein Hund jetzt heftig an zu bellen oder lässt mit offenem Fang (Maul) ein eindrucksvolles, tiefes Grollen hören, verheißt das nichts Gutes.

Nicht jeder aggressive Hund beißt, und nicht jeder beißende Hund tut das aus Aggression. Etliche Hundebisse kommen von „Angstbeißern“.
Ein verängstigter Hund knickt in den Hinterbeinen ein, klemmt den Schwanz zwischen die Beine und macht einen runden Rücken. Den Kopf hält er mit angelegten Ohren tief; mitunter zieht er die Lefzen hoch und zeigt die Zähne.
Fühlt sich dieser Hund bedroht, wird er weglaufen oder sich verkriechen. Hat er diese Möglichkeit nicht, wird er vermutlich angreifen.
Begegnung mit aggressiven Hunden: unbedingt Ruhe bewahren!

Steht Ihnen ein solcher Hund beim Spaziergang plötzlich gegenüber, bitten Sie den Hundeführer, das Tier an die Leine zu nehmen und festzuhalten.
Ist weit und breit kein Hundebesitzer zu sehen, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren. Gewiss, das sagt sich viel leichter als es ist. Dennoch gilt: Keine schnellen Bewegungen!
Lassen Sie Ihre Hände unten und Ihre Arme locker hängen. Ein Hochreißen der Arme oder gar Davonlaufen lösen den Jagdimpuls aus. Laufen Sie weg, wird der Hund hinterherlaufen – und die meisten Hunde sind deutlich schneller als die meisten Spaziergänger.
Jogger, Inlineskater oder Radfahrer sollten runter vom Tempo. Wer Walkingstöcke benutzt, sollte diese ruhig halten und keinesfalls damit herumfuchteln.

Bleiben Sie nicht stehen, brüllen Sie den Hund nicht an und versuchen Sie auch nicht, ihn anzufassen oder durch Streicheln zu beruhigen. Am besten Sie gehen langsam weiter und ignorieren den Hund möglichst vollständig und möglichst konsequent.

Starren Sie dem Hund nicht in die Augen, das ist kontraproduktiv. Ein Fixieren und Anstarren wird von Hunden als Drohgebärde und Herausforderung verstanden. Wenn Sie Pech haben, nimmt der Hund die Herausforderung an und greift an.
Auf gar keinen Fall sollten Sie bei einer Begegnung mit einem aggressionsbereiten Hund Ihrerseits Aggressionsbereitschaft zeigen. Vergessen Sie die Devise „Angriff ist die beste Verteidigung“, verhalten Sie sich lieber defensiv und setzen Sie auf geordneten Rückzug.

Sollten Sie sich tatsächlich einmal zur Wehr setzen müssen, zielen Sie immer auf die Nase des Hundes – egal, ob Sie sich mit einem Stock, Ihrer Handtasche, einem Spray oder der bloßen Faust verteidigen. Die Nase ist die empfindlichste Stelle des Hundes.
Um das Verhalten von Hunden richtig einschätzen und adäquat reagieren zu können, ist es auch für Nicht-Hundebesitzer und Menschen, die Angst vor Hunden haben, hilfreich, sich mit dem Thema „Hunderverhalten“ zu beschäftigen. Denn: Wissen und Verstehen geben Sicherheit.
Die beiden Bücher „Aggression beim Hund: Ursachen erkennen, Verhalten verstehen, richtig reagieren“ und „Der aggressive Hund: Arten der Aggression und Trainingsstrategien“ richten sich zwar vorrangig an Besitzer schwieriger Hunde, sind aber auch für „Hunde-Laien“ eine Hilfe.






