Drei Masten, 37 Segel, 104 Kanonen: Mit ihren 69 Metern Länge und einer Verdrängung von 3.5oo Tonnen muss die HMS Victory ein imposanter Anblick gewesen sein. Dabei hätte es das berühmteste Kriegsschiff des Segelzeitalters um ein Haar nicht einmal aus dem Hafen geschafft. Insgesamt beginnt die Karriere des Schiffs ziemlich schleppend.
Peinliche Panne: Der missglückte Stapellauf der HMS Victory

1758/59 befindet sich England im siebenjährigen Krieg, der simultan in Europa, Nordamerika, der Karibik, Indien und auf den Weltmeeren ausgetragen wird. Die Royal Navy kämpft um die Vorherrschaft auf den Meeren und die Kontrolle lukrativer Handelswege.
Im Rahmen eines massiven Flottenbauprogramms gibt die britische Admiralität den Bau eines neuen Kriegsschiffs in Auftrag: Ein Linienschiff ersten Ranges, konzipiert als Kommandozentrale und schwimmende Festung, stark genug, um im Gefecht durch feindliche Linien zu brechen.
Der Auftrag geht an Sir Thomas Slade, den Chefkonstrukteur der Royal Navy. Slade orientiert sich beim Bau des neuen Schiffes an erbeuteten französischen Schiffen und schafft mit der HMS Victory sein Meisterstück.
Er gestaltet den Rumpf schlanker und hydrodynamischer als bei früheren britischen Dreideckern und vereint enorme Feuerkraft mit überraschend guten Segeleigenschaften für ein Schiff dieser Größe.
Am 23. Juli 1759 lässt Slade den Kiel der HMS Victory legen. Bis zum Herbst 1760 ist das Grundgerüst aus massiven Eichenbalken fertig.

Dann wird der Bau planmäßig für rund drei Jahre gestoppt. Der Schiffsrumpf bleibt offen, aber überdacht in der Marinewerft Chatham stehen, damit die Eichenbalken gründlich durchtrocknen, sich setzen und aushärten können, bevor die Beplankung aufgenagelt wird. Die gründliche Trocknung beugt nicht nur „Spannungsrissen“ vor, sondern auch der Fäulnis.
1763 ist die Trocknung abgeschlossen. Zeitgleich endet der siebenjährige Krieg. Der Bedarf an großen Kriegsschiffen sinkt, und die Admiralität drosselt das Bautempo der HMS Victory drastisch. Bis sie fertig und vollständig ausgerüstet ist, vergehen weitere zwei Jahre.

Am 7. Mai 1765 soll die HMS Victory feierlich vom Stapel laufen. Dabei stellt sich heraus, dass das Schiff rund 24 Zentimeter breiter ist, als das Tor des Docks. Vor den Augen der erwartungsvollen Schaulustigen lässt Schiffszimmermann John Allen in aller Eile Dutzende Arbeiter anweisen, die massiven Holzbalken der Schleusentore mit Äxten zu entfernen, um das Schiff frei zu bekommen.
Nach dem Stapellauf wird das nagelneue Schiff direkt wieder eingemottet und erst 1778 mit Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges voll ausgerüstet und offiziell in Dienst gestellt. Anlässlich einer Inspektion der Flotte besucht King George III die HMS Victory am 25. April 1778.

Mehrere Schlachten setzen dem Schiff so stark zu, dass es bereits zwanzig Jahre später nicht mehr für den Liniendienst taugt – die HMS Victory wird degradiert und dient als unbewaffnetes Lazarettschiff auf dem Fluss Medway.
Da die Royal Navy nach dem Verlust anderer Großkampfschiffe allerdings dringend Dreidecker benötigt, wird die HMS Victory von 1800 bis Anfang 1803 in Chatham einer radikalen Generalüberholung unterzogen, frisch saniert, modernisiert und auf 104 Geschütze aufgerüstet.

Das Dreamteam: Die HMS Victory und Lord Nelson

1803 steht Großbritannien vor seiner größten existenziellen Bedrohung seit Jahrhunderten: Napoleon Bonaparte hat die französische Armee bei Boulogne-sur-Mer zusammengezogen, um mit Hunderttausenden Soldaten über den Ärmelkanal in England einzumarschieren. Das muss um jeden Preis verhindert werden. Eher widerwillig wird Horatio Nelson zum Oberbefehlshaber der britischen Mittelmeerflotte ernannt.
Nelson, klein, schmächtig, und permanent seekrank, ist ein hervorragender Stratege, der seinen Scharfsinn und Mut schon mehr als einmal bewiesen hat. Fachlich ist er der perfekte Mann für die Aufgabe. Menschlich ist er bei Krone und Admiralität wenig beliebt. Der sittenstrenge König lehnt Nelson wegen seiner offenen Affäre mit der verheirateten Lady Emma Hamilton ab und behandelt ihn mit Herablassung.
In der Admiralität löst Nelson eine Mischung aus Bewunderung, Neid und offener Frusttration aus, denn er ist bekannt für seinen Hang zur offenen Befehlsverweigerung, wenn er seine eigene Strategie im Gefecht für besser hält, als die seiner Vorgesetzten.

Bei der Schlacht von Kopenhagen (1801) hält Nelson demonstrativ das Fernrohr an sein blindes Auge und sagt: „Ich sehe wirklich kein Signal!“, als sein Admiral das Flaggensignal zum Rückzug gibt. Nelson greift weiter an und entscheidet die Schlacht für England.
Seine Erfolge (und ein paar einflussreiche Gönner) schützen Nelson, und so wird ihm am im Mai 1803 nicht nur das Flottenkommando, sondern auch die HMS Victory als Flaggschiff übergeben. Damit beginnt für die HMS Victory die zweite (oder dritte …) Karriere, die sie zum berühmtesten Schlachtschiff ihrer Zeit macht (und weit darüber hinaus).

Personalmangel: Wer segelt ein Kriegsschiff?

Am 18. Mai 1803 betritt Nelson zum ersten Mal die HMS Victory. Für fast zwei Jahre wird sie zu seinem Zuhause – bis zum August 1805 verlässt er das Schiff praktisch nicht mehr.
Mit ihm an Bord sind zwischen 300 und 400 Männern. Das reicht gerade so, um das Schiff sicher zu segeln, die nötigsten Kanonen zu bedienen, und die Disziplin an Bord aufrecht zu erhalten.
Der Grund für die geringe Besatzung ist der eklatante Personalmangel, mit dem die Royal Navy zu Kriegsbeginn zu kämpfen hat. Nach dem Ende des kurzfristigen Friedens von Amiens im Mai 1803 müssen die britischen Kriegsschiffe extrem schnell ausgerüstet werden. Es gibt schlicht nicht genug Seeleute in Portsmouth und Umgebung, um alle auslaufenden Schiffe voll zu bemannen.
Bereits zum puren Segeln benötigt die HMS Victory die gesamte leitende Infrastruktur. Das sind Nelson selbst, seine Kapitäne, geprüfte Offiziere, eine kleine Gruppe von Leutnants und Seekadetten, sowie unverzichtbare Schlüsselpersonen wie der Segelmeister, der Schiffsarzt und der Schiffs-Zimmermann. Insgesamt stellen sie etwa 40 Mann der Besatzung.
![historische Tischler- und Schiffszimmermanns-Werkstatt (The Carpenter's Workshop) an Bord der [HMS Victory] in Portsmouth](https://libellius.de/wp-content/uploads/victory-zimmerei.jpg)

Zwangsverpflichtet, aber stolz: Warum meutert keiner?
Weitere 80 bis 100 Matrosen sind frisch gepresste Männer aus dem Raum Portsmouth: Wochenlang streifen „Press Gangs“ durch den Hafen, greifen Hafenarbeiter, Flussnetz-Fischer und Matrosen von Handelsschiffen auf und zwangsverpflichten („pressen“) sie zum Dienst auf der HMS Victory.

Zur Aufrechterhaltung der Disziplin unter den vielen frisch gepressten Männern und zur Absicherung des Schiffes schifft die Führung in Portsmouth außerdem ca. 40 bis 50 Marineinfanteristen (freiwillige Berufssoldaten) der Kaserne Portsmouth ein.
Erst in den folgenden Wochen und Monaten auf dem Weg ins Mittelmeer und vor der Küste Spaniens ergänzt Nelson die Besatzung schrittweise, indem er erfahrene Männer von anderen britischen Kriegsschiffen abkommandieren lässt und Matrosen aus Handelsschiffen presst (Impressment), bis die Sollstärke von 821 Mann erreicht ist.

Der Anteil der Männer, die gegen ihren Willen im Dienst sind, liegt schätzungsweise bei 40 % bis 50 % der gesamten Besatzung. Um die Disziplin aufrecht zu halten, werden Verstöße wie Trunkenheit, Diebstahl oder Ungehorsam mit einer genau vorgeschriebenen Anzahl von Peitschenhieben mit der Neunschwänzigen Katze bestraft. Die Bestrafung findet vor versammelter Mannschaft statt, als Mahnung an die Moral.
Trotz des hohen Anteils unfreiwilliger Mannschaftsmitglieder ist die Loyalität an Bord der HMS Victory außergewöhnlich hoch. Nelson gilt als extrem fürsorglicher Kommandant, der großen Wert auf gute Verpflegung, frische Nahrung, medizinische Versorgung und gerechte Behandlung legt.
Sobald Männer einige Monate unter seinem Kommando an Bord dienen und Teil einer gut geölten Kanonencrew werden, wandelt sich der erzwungene Dienst bei vielen von ihnen in Stolz auf das eigene Schiff um.

Ständegemeinschaft an Bord der HMS Victory
Das Leben an Bord der Victory ist geprägt von extremer Enge, starrer Disziplin und harter körperlicher Arbeit. Die Mannschaft ist strikt klassengeteilt und spiegelt die britische Ständegemeinschaft wider: Die Kapitäne und Offiziere haben das Kommando und tragen die Verantwortung für das Schiff. Sie wohnen in eigenen Kabinen im Heckbereich und speisen separat, mit deutlich besseren und frischeren Lebensmitteln.

Deckoffiziere und Spezialisten wie Bootsmänner, Zimmerleute, Zahlmeister, Schiffsarzt oder Steuermänner genießen aufgrund ihres Fachwissens eigene Privilegien, wie eine separate Messe und teilweise fester Schlafkojen (statt Hängematten).
Die Royal Marines, die an Bord stationierte Soldatentruppe, sichert die Disziplin der Mannschaft und bewacht die Offiziersbereiche. Im Gefecht dienen sie als Scharfschützen und Entermanschaft. Ihre Hängematten haben die Marines im achterlichen Bereich, direkt zwischen den Wohnquartieren der Offiziere und den Quartieren der einfachen Matrosen.
Die Lage ist strategisch gewählt: Im Falle einer Meuterei müssen sich die Matrosen erst durch eine Reihe Bewaffneter kämpfen, um an die Offiziere oder ans Waffenmagazin zu kommen.

Die einfache Mannschaft, unterteilt in erfahrene Matrosen und Neulinge, bedient die Takelage und die Kanonen. Ihre Verpflegung ist die schlechteste an Bord, aber immerhin besser, als auf vielen anderen Schiffen.
Die Unterbringung ist spartanisch: Jedem einfachen Mannschaftsmitglied stehen rechnerisch nur etwa 35 bis 40 cm Breite für seine Hängematte zur Verfügung.

Zwar hat jedes Mannschaftsmitglied eine eigene Hängematte, aber nicht alle haben gleichzeitig Platz, um sie aufzuhängen. Durch das Zwei-Wachen-System schläft jeweils nur die Hälfte der Mannschaft, während die andere Dienst hat – der Platz wird geteilt (die Hängematte nicht).
Privatsphäre gibt es keine: Die Hängematten werden im Zickzack gespannt und sind so dicht beieinander, dass sich die schlafenden Männer gegenseitig berühren oder ins Gesicht atmen.
Die hygienischen Zustände sind solala: Als Toiletten dienen einfache Holzsitze mit Loch, ganz vorne im Bug, wo Wind und Wellen die Fäkalien direkt ins Meer spülen. Bei starkem Seegang ist der Toilettengang ein nasses und gefährliches Unterfangen.
Körperhygiene ist verhandelbar und eher optional als verpflichtend. Wäsche wird, wenn überhaupt, mit kaltem Salzwasser gewaschen.
Der Matrosen-Alltag auf der HMS Victory
Der Tagesablauf auf der HMS Victory ist für die Matrosen lückenlos durchgetaktet. Das gesamte Leben an Bord wird vom Wachsystem (Watch System) diktiert, das den Tag in sechs bis sieben Abschnitte unterteilt. Alle vier Stunden ist Wachwechsel – nur die „Hundewachen“ (first and second dog watch) sind mit zwei Stunden nur halb so lang. Dadurch tauschen die Wachen täglich ihre Schichten: Niemand muss zwei Nächte hintereinander zur selben ungemütlichen Zeit an Deck stehen.

Für die Matrosen beginnt der Tag um vier Uhr früh: Innerhalb von zehn Minuten müssen die Hängematten stramm aufgerollt und in den Schanzkleidern am Oberdeck verstaut sein. Dort dienen sie im Gefecht zugleich als zusätzlicher Schutz gegen Musketenkugeln und Splitter.
Von fünf bis sieben, noch vor dem Frühstück, wird das Holzdeck mit Seewasser abgespritzt und mit schweren Sandsteinen blitzblank geschrubbt. Diese wichtige Morgenroutine soll Fäulnis und Krankheiten fern halten. Zwischen sieben und acht gibt es Frühstück – meist ist das warmer Haferbrei oder Schiffszwieback mit Tee/Kaffee.

Von acht bis zwölf wird gearbeitet und exerziert. Ausrüstung wird repariert, Segel genäht, Tauwerk geflickt, und die Kanonen-Drills geübt. Die Royal Navy steht im Ruf, die schnellsten Kanoniere der Welt auszubilden – nur neunzig Sekunden braucht ein Kanonenteam zum laden, zielen und feuern. Vierzehn Männer und ein „Pulveraffe“ (der Schiffsjunge, der das Schießpulver bringt) müssen dafür perfekt Hand in Hand arbeiten.

Nach der Inspektion durch die Offiziere gibt es um zwölf Mittagessen. Die wichtigste Mahlzeit des Tages besteht meist aus Pökelfleisch, Erbsen und einer Grog-Ration (Rum mit Wasser und Zitronensaft). Gegessen wird zwischen den Breitseitgeschützen: Für die Mahlzeiten wird ein hölzerner Tisch heruntergelassen und festgebunden. Nach dem Essen wird er wieder unter die Decke gezogen, um Platz zu schaffen. Wie bei Ikea, nur mit mehr Ratten und weniger Inbusschrauben.
Vier bis acht Matrosen, deren Hängematten in unmittelbarer Nähe desselben Geschützes hängen, bilden eine „Mess Group“ (Tischgesellschaft). Jeden Tag wechselt reihum die Rolle des Gruppenkochs. Dieser ist dafür zuständig, die Gruppenrationen beim Schiffskoch in der Kombüse abzuholen, das Essen auf dem Tisch zu verteilen, und Tisch und Geschirr im Anschluss zu reinigen.

Zwischen dreizehn und sechzehn Uhr werden weitere Instandhaltungsarbeiten und das Navigationstraining durchgeführt, bevor es um halb fünf die zweite Grog-Ration und das Abendessen gibt.
Zwischen achtzehn und zwanzig Uhr haben die Matrosen, die keine Wache schieben, frei. Sie dürfen am Oberdeck entspannen, rauchen, Musik machen oder Schnitzen. Ab zwanzig Uhr beginnt die Nachtruhe, und die erste Wache übernimmt das Schiff.

Nelsons Tod – das Ende des Dreamteams, das vielleicht gar keines war …
Nach einer monatelangen Verfolgungsjagd vom Mittelmeer bis in die Karibik und zurück nach Europa führt Nelson die HMS Victory am 21. Oktober 1805 in die Schlacht von Trafalgar. Bewusst wählt Nelson sie als Speerspitze und Führungsschiff seiner Kolonne, obwohl sein emotionales „Lieblingsschiff“ ein anderes ist: Die keinere und wendigere HMS Agamemmnon, die unter dem Kommando von Kapitän Sir Edward Berry ebenfalls in der Schlacht von Trafalgar kämpft.
In seinen Briefen schwärmt Nelson, die Agamemmnon sei „ohne Ausnahme eines der feinsten Schiffe im Dienst“. Er liebt deren Wendigkeit, die seinem aggressiven, schnellen Angriffsstil noch mehr entspricht als die Wucht eines Riesen wie der HMS Victory.

Nelson kennt beide Schiffe gut, und schätzt die HMS Victory militärisch. Er weiß, dass sie von all seinen Schiffen die größte Chance hat, das mörderische Eröffnugnsfeuer der feindlichen Linie zu überstehen, bis sie ihre eigenen Kanonen zum Einsatz bringen kann.
Nelsons Strategie geht auf: Trotz einer gewaltigen Übermacht der spanischen Armada, ist seine Flotte siegreich. Nelson selbst findet in der Schlacht seinen Tod – Historiker vermuten, dass ihm seine Eitelkeit zum Verhängnis wird. Weil er in der Schlacht darauf besteht, alle Ehrenabzeichen, Epauletten und Orden zu tragen, ist er für die feindlichen Scharfschützen gut zu erkennen.

Eine Bleikugel trifft Nelson an der linken Schulter, durchschlägt sein Schlüsselbein, durchbohrt seine Lunge, trennt die Hauptschlagader zur Lunge ab und bleibt schließlich in seiner Wirbelsäule stecken. Er wird ins Lazarett auf dem tiefsten Deck (Orlop Deck) gebracht, wo er rund dreieinhalb Stunden später stirbt. Kurz vor seinem Tod erfährt er noch, dass die britische Flotte mindestens vierzehn Schiffe erbeutet hat, und der Sieg gesichert ist.
Um Nelsons Leichnam für ein Staatsbegräbnis in England zu konservieren, legt der Schiffsarzt Dr. Beatty den Körper in ein großes Eichenfass (Lehm/Puncheon), das mit Branntwein (Arrak), Campher und Myrrhe gefüllt wird.

Dass Nelsons Leichnam in Alkohol transportiert wird, führt zur Legendenbildung in der Navy. Es heißt, Matrosen hätten heimlich Löcher in das Fass gemacht, und den Branntwein getrunken. Im Navy-Slang steht „Nelson’s Blood“ bis heute für Rum oder Branntwein. Allerdings ist historisch belegt, dass das Fass durchgehend von Marineinfanteristen bewacht wird, und unangetastet bleibt.
Die Heimreise nach England dauert rund zwei Monate. Dort wird Nelson Januar 1806 in der St. Paul’s Cathedral in London beigesetzt.
Die HMS Victory nach der Schlacht von Trafalgar
Rund eine Stunde lang steht die HMS Victory in der Schlacht von Trafalgar im konzentrierten Dauerfeuer der feindlichen Flotte, bevor sie selbst die erste Breitseite abfeuern kann. Der Besanmast wird drei Meter über dem Deck durchgeschossen und stürzt um. Weitere Masten, Rahen und Segel werden durchlöchert, gespalten oder zerstört. Das Steuerrad wird zerschossen, und die Victory ist manovrierunfähig.

Die Lenzpumpen laufen im Dauerbetrieb – durch zahlreiche Treffer und Löcher unterhalb der Wasserlinie nimmt das Schiff pro Stunde dreißig Zentimeter Wasser auf. Dass direkt nach der Schlacht ein tagelange Sturm aufzieht, verschärft die Lage an Deck. Die HMS Neptune schleppt die Victory nach Gibraltar, wo sie notdürftig zusammen geflickt wird, um ihre Heimreise nach England zu schaffen.
Von 1806 bis 1808 wird das Schiff in der Werft von Chatham generalüberholt und modernisiert. Durch ihre Rolle als Nelsons „Siegerschiff“ hat sie schon damals fast Legendenstatus. Von 1808 bis 1812 ist sie aktiv im Dienst, transportiert Truppen nach Spanien und Portugal und sichert in der Ostsee den britischen Handel.

1812 wird die HMS Victory endgültig außer Dienst gestellt, da sie für moderne Seeschlachten zu alt und unmodern geworden ist. Im Hafen von Portsmouth dient sie als Depot-, Wohn- und Schulschiff, bis sie 1831 verschrottet werden soll. Massive Proteste aus der Öffentlichkeit verhindern ihre absichtliche Zerstörung, nicht aber den natürlichen Verfall: Im Laufe des 19. Jahrhunderts verrottet ihr Holzrumpf im Wasser immer mehr.

1922 wird die HMS Victory dauerhaft in ein Trockendock in Portsmouth verlegt und aufwendig restauriert. In der Nacht vom 10. auf den 11. März 1941 entgeht sie nur knapp der völligen Zerstörung, als die deutsche Luftwaffe massive Flächenangriffe auf den Kriegshafen von Portsmouth fliegt, und direkt zwischen der Rumpfwand der Victory und der Mauer des Trockendocks eine Sprengbombe einschlägt und ein 4,5 Meter langes Loch in den Rumpf reißt. Die Nazis verkünden daraufhin stolz (und fälschlicherweise), das berühmte britische Flaggschiff vollständig zerstört zu haben.
Heute ist die HMS Victory das älteste noch im Dienst stehende Kriegsschiff der Welt und dient noch immer als symbolisches Flaggschiff des Ersten Seelords der Royal Navy. Millionen Besucher besichtigen das Museumsschiff im Hafen von Portsmouth jedes Jahr, so sie aktuell (2026) ohne Masten und in Gerüste eingepackt eine weitere jahrelange Restaurierung bekommt.





