Neben Katzen und Hunden gehören Kaninchen zu den beliebtesten Haustieren der Deutschen. Sie sind anspruchslos (die Kaninchen, nicht die Deutschen), klein, leise, reinlich und vergleichsweise günstig in der Anschaffung und Haltung. Außerdem sind sie neugierig, tagaktiv, am Kontakt zum Menschen interessiert und obendrein einfach wahnsinnig niedlich.
Ein Kaninchen braucht ein Kaninchen
Nur Vorteile? Jein. Für die Kaninchen selbst ist ihre Genügsamkeit nicht nur ein Überlebensvorteil, sondern zugleich ein großer Nachteil, denn viele Kaninchen werden nicht artgerecht gehalten – und überleben trotzdem. Einzelhaft in einem viel zu kleinen Käfig? Ein Meerschweinchen als Gesellschaft? Ein dunkler Platz neben dem Heizköper? Kaninchen „verzeihen“ vieles, leiden stumm und zeigen oft keine körperlichen Symptome von Unbehagen.
Damit ein Kaninchen sich wohl fühlt, braucht es vor allem eins: Ein zweites Kaninchen. Mindestens eins. Im Gegensatz zu Feldhasen, die außerhalb der Paarungszeit als Einzelgänger unterwegs sind, leben wilde Kaninchen in Gruppenverbünden und sind hoch sozial. Kontakt zu Artgenossen ist für das Wohlbefinden eines Kaninchens wichtig – ein Freund gibt Halt und Sicherheit, Schutz und Kuscheleinheiten.

Die Angst, dass Kaninchen in Paar- oder Gruppenhaltung weniger zutraulich sind und keine Lust mehr auf Streicheleinheiten vom Menschen haben, ist unbegründet. Im Gegenteil: Gesunde, gut sozialisierte Kaninchen sind neugierig, verspielt und an der Interaktion mit Menschen interessiert. Sitzt ein Kaninchen nur desinteressiert in der Ecke und reagiert es auf Menschen scheu oder sogar aggressiv, liegt fast immer ein Haltungsfehler vor.
Weil sich die kleinen Nager nicht nur sprichwörtlich „vermehren wie die Kaninchen“ (auch unter nahen Verwandten …), sollte bei der Haltung eines Paars der Rammler kastriert werden – in der Gruppe alle Männchen. Die Integration neuer Tiere in eine bestehende Gruppe (oder zum „Hinterbliebenen“ eines Paars) erfordert Zeit und Sachverstand – Kaninchen sind trotz ihrer sozialen Ader sehr territorial, und Machtkämpfe können mit dem Tod enden. Eine erfolgreiche Zusammenführung kann bis zu einem Monat, manchmal bis zu einem halben Jahr dauern.
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Meerschweinchen, Katzen und Hunde – „beste Freunde“ für Kaninchen?
Es gibt immer wieder artenübergreifende Tierfreundschaften, die überraschen. Ausnahmen besätigen auch hier die Regel. Die Regel ist: Auch wenn sie oft gemeinsam angeboten werden, sind Meerschweinchen als „bester Freund“ für ein Kaninchen nicht geeignet.
Die gegensätzliche Körpersprache führt zu Missverständnissen – die freundliche Annäherung eines Kaninchen wird vom Meerschweinchen als Bedrohung wahrgenommen, und es hat Stress (oder wehrt sich, dann haben beide Stress).

Auch der unterschiedliche Tages- und Aktivitätsrhythmus bringt Unruhe für beide. Die Haltung im selben Käfig ist daher keine gute Idee – eine Haltung im gleichen Zimmer oder ein gemeinsamer Auslauf mit genügend Platz funktioniert aber meist problemlos.
Hunde und Katzen sollten langsam an Kaninchen gewöhnt werden – der Nager steht bei beiden Raubtieren auf der Liste potenzieller Beutetiere. Das wissen nicht nur Hund und Katz‘, sondern auch das Kaninchen. Begegnungen sind vor allem am Anfang immer ein Stressfaktor – am besten lassen Sie Hunde und Katzen nur unter Aufsicht in die Nähe Ihrer Kaninchen. Wichtig ist auch ein sicherer Rückzugsort, den das Kaninchen problemlos aufsuchen kann.
Der perfekte Kaninchenstall
Am wohlsten fühlen sich Kaninchen im Freien – wer einen Garten hat, sollte den Kaninchenstall dort aufstellen. Da die Tiere ein dickes Fell haben, können sie auch im Außenstall überwintern. Eine zusätzliche Isolierung des Stalls ist nur an sehr kalten und/oder windigen Standorten notwendig – Kaninchen kommen mit Kälte weit besser zurecht als mit großer Hitze.
Wichtig ist daher ein schattiger Standort. Unter einem Baum, neben einer hohen Hecke oder unter einem Vordach ist der Stall zudem auch vor Wind und Wetter geschützt. Der Stall muss eine ausreichende Anzahl an trockenen Rückzugsflächen bieten, damit bei längeren Regenperioden auch alle Kaninchen einen trockenen Platz finden. (Rechnen Sie mit drei Plätzen für je zwei Kaninchen.) Das können kleine Holzhäuschen, Tonröhren oder Halbhöhlen sein – hier sind im Handel viele verschiedene Modelle erhältlich, von praktisch-schlicht bis verspielt-witzig.
Diese Häuschen können vergleichsweise klein gehalten sein – wilde Kaninchen leben in Höhlen und mögen es kuschlig. Große Freiflächen ohne schützende „Höhlen“ sind Stressfaktoren und potenzielle Gefahrenzonen. Trotzdem brauche Kaninchen auch Platz und Auslauf – je mehr und je abwechslungsreicher, desto besser.
Ein bis zwei Quadratmeter pro Kaninchen gelten als Minimum – die dauerhafte (und alleinige) Haltung in einem Kleintierkäfig ohne zusätzlichen Auslauf ist nicht artgerecht. Ställe mit zwei Geschossen sind hier eine gute Lösung, um Platz zu gewinnen, ohne mehr Grundfläche zu verbrauchen – gerade auch bei der Haltung im Haus oder auf dem Balkon. Für die Haltung im Freien sind Ställe ideal, die mit einem Auslaufgehege kombiniert werden können.
Weil Kaninchen gerne buddeln, sollten Sie den Auslauf entweder regelmäßig umstellen, oder ihn tief genug eingraben, bevor sich die Tiere unterm Zaun durchgegraben haben. Kaninchen sind obendrein Nager – achten Sie beim Kauf eines Kaninchenstalls auf eine solide Verarbeitung aus gutem Holz, das nicht so leicht anzunagen ist. Je mehr Alternativen (z. B. Holzstücke mit Rinde) es gibt, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Kaninchen den Stall nicht zerbeißen.
Achten Sie zudem auf robuste Gitter und eine solide Verarbeitung – gerade bei der Haltung im Freien muss der Stall die Kaninchen auch vor Fressfeinden wie Marder oder Fuchs schützen. Einfacher Maschendraht ist oft zu unsicher – besser ist kleinmaschiger Volierendraht. Die Vergitterung stellt zudem die ausreichende Frischluftzufuhr im Stall sicher.
Komfort für den Menschen
Wichtig an einem Kaninchenstall ist auch, dass er nicht nur für die Bewohner komfortabel ist, sondern auch für die Versorger, sprich: Für Sie. Wenn Sie jedes Mal in den Stall hineinkriechen oder diesen halb zerlegen müssen, um ihn auszumisten, werden Sie das vermutlich mit wenig Enthusiasmus und Regelmäßigkeit erledigen.
Achten Sie beim Kauf eines Kaninchenstalls daher auf eine komfortable Bauweise. Praktisch für die Futterversorgung und das Ausmisten sind:
- Dach lässt sich aufklappen
- Viele Türen und damit einfacher Zugriff auf jeden Bereich des Stalls
- Wenige Ecken und Winkel
- Rückzugshütten können versetzt und herausgenommen werden und sind nicht fest verbaut
- Gute Möglichkeiten, um Futter- und Wasserspender anzubringen
- Einfach zu bedienende Kotwanne
Kotwannen erleichtern das Ausmisten immens – praktisch ist, wenn sie sich problemlos nach vorne herausziehen lassen. Die Wanne sollte tief genug sein, um auch bei einer fünf Zentimeter hohen Schicht aus Einstreu sicherzustellen, dass die Streu nicht aus dem Käfig gescharrt wird. Rechnen Sie auch mit ein, dass über der Streu eine dünne Schicht Stroh liegen sollte – diese verhindert, dass die Streu im Kaninchenfell hängen bleibt, und bietet den Kaninchen Rauhfaser zum Knabbern und zum Nestbau.
Kotwannen aus Kunststoff oder Metall sind hygienischer als fest verbaute Stallböden aus Holz oder gar Pressspanplatten. Letztere lassen sich kaum säubern, weil der Urin ins Holz einzieht. Sollten Sie so einen Stall erworben haben, sollten sie den Boden mit einer Gummi- oder Kunststoffmatte abdichten.
Am pflegeleichtesten sind Kotwannen (oder Böden) aus Kunststoff: Sie können auch mit einem milden Reiniger desinfiziert werden (achten Sie auf die Giftkennung auf dem Produkt). Im Gegensatz zu Metallwannen korridieren sie bei Kontakt mit Urin auch nicht.
Informieren Sie sich vor der Anschaffung über die artgerechte Pflege, Fütterung und Haltung von Kaninchen — mit Büchern, in Gesprächen mit Kaninchenhaltern oder in Internetforen.
Völlig geplättetes Kaninchen: Das Zusammenleben mit Meerschweinchen ist geprägt von Missverständnissen … Stellen Sie das Winkelhäuschen mit Heuraufe lieber nur dem einen oder dem anderen zur Verfügung.
Kaninchen sind Schattenparker — steht kein Baum zur Verfügung, ist ein Sonnenschutz über dem Auslauf zu empfehlen. Beim Kerbl-Freigehege mit aufklappbarem Dach wird ein solcher mitgeliefert.
Die Ausbruchsperre (der waagrechte Gitterbereich am Boden des Geheges) soll verhindern, dass sich Kaninchen unterm Zaun durchgraben. Für Hühner ist dieser an sich überflüssig, stört aber auch nicht, sondern verleiht dem Gehege einen besseren Stand und mehr Stabilität.
Eine schlichte Holzbox oder eine kleine Burg — Nagerhäuschen gibt es in etlichen Designs, und es macht Spaß, selbst welche zu basteln (oder einfache Modelle fantasievoll aufzupeppen).
Kaninchenstall mit Auslauf im Untergeschoss: Die zweistöckige Bauweise spart Grundfläche.
Stabil, geräumig, gut durchdacht und optisch ansprechend: Der extragroße nanook Kaninchenstall.
Viele Türen, aufklappbare Dächer, wenige Ecken und ausziehbare Kotwannen erleichtern das Ausmisten.

















