
Die Schwarzhalsziege ist eine der ältesten Ziegenrassen der Welt. Nach historischen Berichten sollen afrikanische Völker die Ziege um 930 über das Rhonetal ins Wallis gebracht haben. Anderen Quellen zufolge soll sie von der italienischen Kupferziege abstammen.
Sie ist auch die Ziege der vielen Namen: Walliser Schwarzhalsziege oder kurz „Walliser“, Gletschergeiß, Halsene, Zottelgeiß, Sattelziege, Vispentalerziege oder gar „halbierte Ziege“ – die schwarz- weiße Schweizer Ziege hat im Laufe der Jahrhunderte viele Namen bekommen.
Ihre ansprechende Fellzeichnung brachte ihr zudem den Beinamen „Schönheitskönigin der Ziegen“ ein und machte sie bis zur Entwicklung der Farbfotografie zum beliebtesten Postkartenmotiv des Wallis. Nur wie ihr korrekter lateinischer Name lautet, weiß offenbar keiner so genau …
Aussehen und Körperbau der Walliser Schwarzhalsziege
Mit 70 bis 85 Zentimetern Widerristhöhe und einem Gewicht von 45 bis 70 Kilogramm ist die Walliser Schwarzhalsziege eine mittelgroße Gebirgsziege mit geradem Rücken und kräftigem Körperbau. Kopf, Vorhand und der halbe Mittelleib sind schwarz, die hintere Körperhälfte weiß.
Die Trennung der Farben soll eine möglichst klare Linie bilden. Durch starke Sonneneinstrahlung kann die Färbung im Sommer variieren; dann ist eine Braunfärbung zu beobachten. Ältere Ziegen bekommen oft einen Graustich.

Das Fell der Ziege kann bis zu fünfzig Zentimeter lang werden und soll einheitlich dicht sein. Kurzhaarige oder gar kahle Hälse sehen Züchter nicht gerne. Gewünscht sind zudem lange Bärte und lockige, lange Stirnfransen.
Die Klauen an den Vorderbeinen sollen dunkel, die an den Hinterläufen hell pigmentiert sein.
Beide Geschlechter haben lange, gleichmäßig gewundene Hörner. Beim Bock können diese eine Länge von über 50 cm und eine Spannweite von 1,20 Meter erreichen.
Walliser Schwarzhalsziegen sind spät geschlechtsreif und erst mit vier bis fünf Jahren ausgewachsen. Meistens lammen sie nur einmal im Jahr, durchschnittlich kommen auf jede Ziege 1,5 Ziegenlämmer. Die Ziegen können etwa vierzehn Jahre alt werden.
Mit durchschnittlich zwei Litern ist die Milchleistung der Walliser eher gering. Da sie diese Leistung aber ohne Zufütterung von Kraftfutter erbringt, relativiert sich das.

Angriffslustige Ziegenböcke: einfach am Bart ziehen

Schwarzhalsziegen sind neugierig, naschhaft und lebhaft. Besitzer beschreiben sie zudem als stolz und klug. Sie sind ausgesprochene Herdentiere; beim Ausfechten der Rangordnung geht es mitunter rabiat zu.
Ihr Verhalten Menschen gegenüber ist sehr individuell und reicht von scheu und zurückhaltend bis verschmust oder sogar aufdringlich.
Einige Böcke sind während der Brunst angriffslustig. Um sich gegen einen angreifenden Bock zu verteidigen, empfehlen die Schweizer Züchter, sich auf den Boden zu legen und den Bock wenn möglich am Unterkieferbart zu packen.
Wie man das genau anstellt, verrieten sie nicht.
Fütterung und Haltung der Gletschergeiß

Als typische Gebirgsziegen sind Walliser für eine extensive Haltung geeignet; in Notzeiten kommen sie tagelang mit wenig Wasser und ohne Futter zurecht (bitte nicht ausprobieren!).
Bei der Futtersuche sind sie wählerisch. Denn nur, weil eine Gletschergeiß nahezu alles fressen kann, heißt das nicht, dass sie es auch tut.
Walliser lieben Blattpflanzen und Kräuter und fressen sie lieber als Gräser. Disteln, Äste, Rinde, Tannenzweige, trockenes Brot und Fallobst sind eine willkommene Abwechslung im Speiseplan.
Schwarzhalsziegen brauchen magere Nahrung mit hohem Raufaseranteil, eine Zufütterung von Kraftfutter ist nicht erforderlich. Auf zu gehaltvolles Futter reagieren sie empfindlich.
Im schlimmsten Fall können sie sogar daran verenden. Besonders Futterumstellungen sind kritisch und müssen sehr behutsam vorgenommen werden.
Der getrimmte Rasen hinterm Haus ist für die Haltung ebenso ungeeignet, wie der Obstgarten, zumindest, wenn Sie Bäume und Büsche behalten wollen. Die fressen die Ziegen nämlich bis auf zwei Meter Höhe kahl und schälen die Rinde ab. Bäume, die erhalten bleiben sollen, müssen auf einer Ziegenweide daher eingezäunt werden.

In ihrer Schweizer Heimat weiden Walliser Schwarzhalsziegen noch in über dreitausend Metern Höhe. An heißen Tagen ziehen die Tiere so hoch es geht ins Gebirge hinauf und erklimmen Grate und Felsvorsprünge, um sich das lange Fell im Aufwind durchlüften zu lassen.
Die Geißen sind optimal an schwieriges Gelände angepasst und wandern gern und viel (bis zu sechs Kilometer täglich) und sind erfinderisch, wenn es um das Überwinden von Zäunen geht. Als ziegensicherer Zaun eignet sich Knotengitter mit einer Höhe von 1,40 Meter oder mehrfach gespannte Elektrolitze. Der Abstand zwischen den Zaunpfosten sollte nicht größer als 3,50 Meter sein. Als Stall genügt ein offener Unterstand.
Auch die robusten Walliser brauchen Pflege und regelmäßige Gesundheits-Checks

Besonders im Winter, wenn die Ziegen im Stall sind, müssen sie regelmäßig auf Parasitenbefall untersucht werden. Haarlinge, Milben, Läuse, aber auch Kriebelmücken und Zecken sind aus dem langen Fell oft nur schwer zu entfernen.
Mindestens einmal im Jahr sollte das Fell durchgekämmt werden, am besten im Frühjahr, wenn sich die Unterwolle gelöst hat.
Bei Bedarf müssen die Ziegen zudem entwurmt werden. Regelmäßige Blutabnahmen zur CAE-Überprüfung (Caprine Arthritis-Encephalitis) sind für Züchter selbstverständlich. Die ansteckende Viruserkrankung führt zu Gelenks-, Gehirn-, Lungen- und Euterentzündungen, gilt als unheilbar und verläuft oft tödlich.
Etwa zweimal im Jahr müssen zudem die Klauen geschnitten werden. Die wachsen bei Gebirgsziegen schneller als bei anderen Rassen, weil sie normalerweise auf dem steinigen Untergrund mehr abgerieben werden.






