Wandern auf der Halbinsel São Lourenço – der wilde Osten von Madeira

03.09.2026

Madeira gilt als Blumeninsel. Urwaldartiges Dickicht,  ausgedehnte Wälder und wasserreiche Täler mit üppiger Blütenpracht prägen die Insel. Auf der Halbinsel São Lourenço im Osten zeigt sich Madeira von einer gänzlich anderen Seite: Nordisch, rau, felsig und karg.

Eigentlich wollte der Seefahrer João Gonçalves Zarco 1418 nach Afrika. Ein Sturm vor der Küste trieb ihn weit nach Westen. Irgendwo im Atlantik entdeckte er eine Inselgruppe (korrekterweise wieder-entdeckte er sie, denn die Inseln waren schon früher bekannt, wurden aber vergessen). Die größere Landmasse war nebelverhangen und so gruselig und schroff, dass er sie nicht betrat – er landete stattdessen auf der kleineren Insel und nante sie zum Dank für seine Rettung Porto Santo – „Heiliger Hafen“.

Vulkanisch und kahl: Die Halbinsel São Lourenço

Erst ein Jahr später nahm er die größere Insel für den portugiesischen König in Besitz. Wegen des Waldreichtums nannte er sie „Madeira“ – das portugiesische Wort für „Holz“. Die Halbinsel São Lourenço ganz im Osten ist völlig holzfrei (und Madeira war es auch fast, denn Zarco ließ die Wälder abbrennen, umd Platz zu schaffen, und die Insel brannte sieben Jahre lang). Ihren Namen soll die Landzunge der Legende nach von dem Schiff haben, mit dem Zarco in Seenot geraten war: Die kleine Karavelle „São Lourenço“ – „Sankt Laurentius“. Tatsächlich ist der Name seines Schiffs aber nicht überliefert.

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Die schmale Landzunge São Lourenço im Osten Madeiras ist oft das erste, das Touristen vom Flugzeug aus von der Insel sehen.

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Wer den letzten Inselzipfel Madeiras erkunden möchte, braucht festes Schuhwerk und Kleidung für alle Wetterlagen: Während die Nordseite des Weges dem Wind voll ausgesetzt ist, wird es in sonnigen, fast windstillen Mulden oft sehr warm, und man kann in den Buchten an der Südseite baden.

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Steil fällt der schmale Grat auf beiden Seiten ins Meer ab. Bevor der Pfad mit Drahtseilen gesichert wurde, war dieses Wegstück der Schrecken der Wanderer.

 

Die spannende Geschichte über die Levadas von Madeira in unserer YouTube-Dokumentation.

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Nirgendwo sonst auf der Insel lässt sich der vulkanische Ursprung Madeiras so gut nachvollziehen. Rote, gelbe und schwarze Gesteinsschichten säumen den Weg oberhalb der Steilküste.

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Deutlich zu erkennen sind auch dunkle, basaltische Gesteinsgänge, die spätere Ausbrüche in vertikale Risse gepresst haben, und die schöne Kontraste mit dem Blau des Meeres bilden.

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Mit der geringen Höhe von etwa 150 m kann die Halbinsel São Lourenço die Wolken, die der Wind über die Insel treibt, nicht aufhalten. Der oft starke Wind und der geringe Niederschlag lassen nur karge Vegetation zu.

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Früher wurde in den Senken ein wenig Trockenfeldbau betrieben und Vieh geweidet. Seit die Halbinsel unter Naturschutz steht, bleibt das Vieh im Stall, und die Besitzer schneiden das Futter im Frühjahr mit der Sichel.

 

Distel
Außer Gräsern wächst hier nicht viel – was hier überleben will, darf keine großen Ansprüche stellen. Neben Eiskraut und ein paar bescheidenen Blümchen blühen hier vor allem Disteln …

Erkunde mit uns in unserem YouTube Video die schönsten und spannendsten Orte auf Madeira.

 

Distel
… in unterschiedlichen Farben und Formen.

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Bis auf einige wenige mickrige Krüppelkiefern ist die Halbinsel baumlos. Einzig an der Casa do Sardinha, dem Informationszentrum der Halbinsel, wachsen einige Palmen.

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Kurz hinter der Casa do Sardinha kann man eine letzte Anhöhe erklimmen. Von dort hat man einen schönen Blick …

 

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
… auf die unzugänglichen Felsinseln im Osten und den Leuchtturm Ilhéu do Farol.

 

Angler Sao Lorenco, Madeira, Portugal
An geschützten Stellen an der Südseite der Halbinsel sind einheimische Fischer beim Angeln.

 

Sao Lorenco, Madeira, Portugal
Der gut markierte Pfad über die Halbinsel gehört zu den beliebtesten Wanderwegen auf Madeira. Entsprechend voll kann es hier werden, sowohl auf dem Wanderweg, als auch auf dem Parkplatz.

 

Sao Lourenco, Madeira
Wer es gerne etwas ruhiger mag, kann dem Küstenpfad nach Westen Richtung Porto da Cruz folgen – dieser ist deutlich weniger stark frequentiert, und landschaftlich mindestens ebenso spektakulär: Der Ausblick auf die Halbinsel São Lourenço ist von hier besonders schön …

 

Küstenwanderung Canical, Madeira
… und auch der Blick nach Westen ist atemberaubend. Achtung: Der Küstenwanderweg ist im Gegensatz zum Pfad über die Halbinsel touristisch nicht erschlossen, nicht gesichert und nur solala markiert.

 

Halbinsel Sao Lourenco, Madeira
Etwa neun Kilometer ragt die Halbinsel São Lourenço ganz im Nordosten Madeiras ins Meer. An der breitesten Stelle ist sie zwei Kilometer breit – an der schmalsten nur wenige Meter. Etwa auf der Hälfte, hinter dem Miradouro Ponta do Furado, ist sie zum ersten Mal utnerbrochen – hier ist Schluss mit Wandern. Von hier geht der Blick auf die vorgelagerte Insel Ilhéu da Cevada, zu der es bei Ebbe manchmal eine (nicht passierbare) Landbrücke gibt. Den Abschluss bildet die delfinförmige Ilhéu do Farol, auf der 1870 ein Leuchtturm in Betrieb genommen wurde. Der Farol da Ponta de São Lourenço ist der älteste Leuchtturm Madeiras.

 

Weginformationen:

  • Die Wanderung über die Halbinsel São Lourenço (PR 8) beginnt am Ponta de São Lourenço bei Caniçal. Hier stehen Parkplätze und Parkmöglichkeiten entlang der Straße zur Verfügung. 2025 war das Parken hier kostenfrei. Ab zehn Uhr wird es mit dem Parken schwierig – wer spät anreist, kann mit der Buslinie 133 (SAM) direkt von Funchal bis zum Startpunkt an der Baía d’Abra fahren.
  • Die Tour gehört zu den beliebtesten der Insel. Wer den großen Gruppen aus Touristenbussen entkommen will, und noch einen Parkplatz ergattern möchte, sollte vor neun Uhr oder, bei entsprechend langem Tageslicht, nach sechszehn Uhr starten.
  • Die Wanderung führt auf dem selben Weg hin und zurück (Out-and-Back). Vom Parkplatz bis zum letzten Aussichtspunkt sind es rund 3,3 km – hin und zurück entsprechend doppelt so viel. Die reine Gehzeit liegt bei ca. zweieinhalb bis drei Stunden.
  • Es geht reichlich bergauf und bergab – insgesamt sind auf der Gesamtstrecke (hin und zurück) etwa 400 Höhenmeter zu bewältigen. Besonders der letzte Anstieg zum Aussichtspunkt Ponta do Furado hat es in sich.
  • Der Weg ist gesichert, beschildert, und im Grunde selbsterklärend – verlaufen kann man sich hier kaum.
  • Das Gelände ist ruppig: Steinig, und nach Regen matschig und rutschig. Gutes Schuhwerk und Trittsicherheit sind nötig; Stöcke sind von Vorteil.
  • Der Weg ist stellenweise sehr ausgesetzt, manchmal sogar beidseitig. Für Besucher mit Höhenangst ist die Wanderung keine Empfehlung.
  • Abgesehen von ein paar Palmen bei der Casa do Sardinha gibt es auf der Wanderung keinen Schatten. Unterschätzen Sie die Sonne nicht. Packen Sie unbedingt ausreichend Sonnenschutz (Kappe, Sonnenbrille, Creme) und mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Person ein.
  • Das Wetter auf Madeira wechselt schnell – hier im Nordosten ganz besonders. Die Halbinsel ragt weit in den Atlantik hinein. Es weht dort fast immer ein sehr starker, teils böiger Wind. Eine wind- oder wetterfeste Jacke gehört auch an warmen Tagen ins Gepäck.
  • Der Wanderweg (PR 8) gehört zu den offizellen Hauptwanderrouten. Für die Benutzung ist eine Vorab-Registrierung über das offizielle Portal SIMplifica notwendig. Bei der Buchung muss ein Zeitfenster für den Start angegeben werden – das soll den Besucherandrang entzerren.
  • Es ist eine Wandergebühr von 4,50 Euro zu entrichten. Die Online-Registrierung mit dem QR-Code der bezahlten Gebühr muss mitgeführt werden. Ranger an den Trail-Eingängen kontrollieren die Codes stichprobenartig.
  • Laden Sie den QR-Code unbedingt vorab als Screenshot auf’s Handy oder drucken Sie ihn aus. Der Mobilfunkempfang auf der Halbinsel ist nicht so überwältigend wie die Aussicht …

Tipp: Lust auf weitere Wanderungen? Wir haben die schönsten Berg-, Küsten und Levada-Wanderungen zusammengestellt. Dort finden Sie auch weitere nützliche Tipps und allgemeine Wander-Informationen für Madeira.

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