Madeiras wilde Küste – Wandern zwischen Caniçal und Porto da Cruz
31.08.2026
Spektakuläre Steilküste, atemberaubende Aussichten und üppige Eukalyptuswälder: Wer gerne abseits der Touristenströme unterwegs ist und kein Problem mit Abgründen hat, ist auf dieser abenteuerlichen Rundwanderung bei Caniçal im Nordosten Madeiras genau richtig.
Bei unserem ersten Besuch auf Madeira haben wir den Wanderweg über die schmale Landzunge São Lourenço gemacht. Dieser gehört mittlerweile zu den beliebtesten Madeiras – entsprechend voll ist er. Da wir dafür diesmal keine Lust haben, parken wir kurz vorher beim Friedhof Caniçal und suchen den Einstieg zum Küstenwanderweg Richtung Porto da Cruz nach Caniçal.
Wir starten spät. Eine Autopanne und die etwas zähe Kommunikation mit der Mietwagenfirma kosten uns den Vormittag. Während es normalerweise keine gute Idee ist, erst mittags los zu ziehen, ist es bei unserem Besuch zufälligerweise vorteilhaft: In der Nacht hat es sintflutartig geregnet, und wir rechnen eigentlich mit dem Schlimmsten, was matschige Wege angeht. Der trockene Vormittag und die durchlässigen Böden haben aber für ausreichend Griff auf den ausgetretenen Pfaden gesorgt. Wie sich herausstellen wird, ist das eine eine abwechslungsreiche und abenteuerliche Alternative zur Halbinsel-Tour.
Über gelbe und rote Erde geht es hinauf in Richtung Abbruchkante der Steilküste. Die Sonne heizt die Etappe ordentlich aus, aber der blaue Himmel ist trügerisch.
Schaut man nach Süden, sieht es weniger freundlich aus. Das ist typisch für Madeira – das Wetter wechselt schnell, und während an der einen Stelle die Sonne scheint, kann es ein paar Kilometer weiter regnen. Hier im äußersten Osten gilt das ganz besonders – vor allem der schnell aufziehende Nebel kann das Wandern an der Küste dann schnell gefährlich machen.
Schon auf halber Höhe erhaschen wir einen Blick auf die Halbinsel São Lourenço. Die Essbare Mittagsblumen im Vordergrund wird, politisch wenig korrekt, auch „Hottentottenfeige“ genannt. Ursprünglich stammt die Pflanze aus Südafrika – wie viele Pflanzen wurde auch sie auf die „Blumeninsel Madeira“ importiert und gilt hier als invasive Art.
Ein paar Höhenmeter weiter öffnet sich der Blick dann auf die gesamte Halbinsel São Lourenço, die etwa neun Kilometer ins Meer hinaus ragt, und in der anderen Richtung …
… auf’s Meer und auf die Steilküste nach Westen. Zeit für eine kurze Pause …
… und gemütliches Füßebaumeln! Der Küstenwanderweg Vereda do Larano verläuft sehr dicht an der Abbruchkante – in vielen Bereichen, so wie hier, ist diese klar erkennbar, mit festem Untergrund. Daher riskiere ich den Sitzplatz über dem Abgrund. An vielen anderen Stellen ist das zu gefährlich (oder noch gefährlicher als ohnehin …), weil der Boden abschüssig, rutschig und/oder „krümelig“ zur Abbruchkante abfällt.
Es geht weiter bergauf, ziemlich steil und mit teilweise schlechtem Boden. Der Weg ist nicht markiert, an den meisten Stellen aber gut erkennbar – einmal verlaufen wir uns in einem dichten Eukalyptuswäldchen und stellen fest, was wir eigentlich längst wissen: Akürzungen auf Madeira sind eine denkbar blöde Idee …
Mit etwas bangem Blick auf die Wolken geht es weiter nach Westen. Der Weg ist hier immer wieder technisch anspruchsvoll, vor allem bergab.
Nach ca. zweieinhalb Kilometern, die uns aufgrund der vielen spannenden Ausblicke viel länger vorkommen, erreichen wir die Roten Klippen unterhalb des Pico das Rocadas. Hier wenden wir uns nach Süden.
Auf einem Forstweg geht es unter großen Eukalyptusbäumen hinunter ins Tal. Zwischendrin stehen Steineichen, und es ist leider unmöglich, keine Eichelkapseln als Souvenir mt zu nehmen. Das Eukalyptuswäldchen links ist übrigens das, das uns am Küstenpfad auf die falsche Fährte gelockt hat – wenn Sie es sehen, dann meiden Sie es, und halten Sie sich rechts.
Wir folgen dem Forstweg rund zwei Kilometer bergab. Auch das kommt uns länger vor, und wir sind froh, dass es abwärts geht – die Strecke ist verglichen mit dem Anstieg an der Küste zwar flacher, aber auch langweiliger. An der Küste waren die steilen Etappen so spannend, dass es leicht war, die Anstrengung zu vergessen.
Am Wegrand gibt es viel zu entdecken: Die stacheligen Fruchtstände des Wunderbaums, „Madeiras Stolz“ die Paradiesvogelblume (Strelitzia reginae), die aufgeblasene Kapselfrucht einer (vermutlich …) Ballonrebe (auch „Herzsame“) und die abgeschälte Rinde eines Eukalyptusbaums.
Wir erreichen die Levada de Caniçal, die etwa zwölf Kilometer weit von Maroços (einem Ortsteil von Machico) bis nach Caniçal führt. Ihr folgen wir zurück nach Osten.
Die spannende Geschichte über die Levadas von Madeira in unserer YouTube-Dokumentation.
Hier an der Südseite des Hangs ist die Vegetation gänzlich anders. Die Levada führt durch (aufgelassene) Bananenplantagen, und vorbei an terrassierten Feldern. Kaktusfeigen säumen den Weg – und auch mal der ein oder andere Zaun.
Während es entspannt und flach dahin geht, bieten sich schöne Ausblicke auf die Anbauterrassen …
… auf die Bucht von Caniçal …
… und auf ein bisschen Gerümpel und ein paar Autowracks.
Nach etwa zwei Kilometern entlang der Levada da Caniçal sind wir zurück am Startpunkt – dem Friedhof von Caniçal.
Die Möwe macht es vor – wir schließen uns an und baden die doch recht müden Füße im Meer, während wir, etwas dekadenter als die Möwe, gleichzeitig Eis lutschen.
Die kurze Rundtour bei Caniçal kombiniert die Steilküste mit gemütlichem Levada-Wandern.
Weginformationen:
Die hier vorgestellte Rundtour kombiniert den puls-hochtreibenden Küstenabschnitt mit Blick auf die Halbinsel São Lourenço mit gemütlichem Wandern entlang der Levada da Caniçal.
Weder die Levada da Caniçal noch der Küstenwanderweg gehören zu den offiziellen PR-Wanderwegen – sie werden touristisch nicht ausgebaut und betreut. Die gesamte Strecke und alle Teilabschnitte sind kostenfrei nutzbar.
Guter Startpunkt für die Tour ist der Friedhof Caniçal. Hier gibt es kostenfreie Parkplätze. Achten Sie unbedingt darauf, genügend Plätze für Friedhofsbesucher frei zu lassen, und parken Sie im Zweifelsfall anderswo.
Der Einstieg zum Küstenwanderweg ist etwas unübersichtlich – es gibt mehrere Pfade, die nach oben führen. Im Grunde ist es egal, welchen davon man wählt; sie führen alle an die Kante.
Oben angekommen führt der Weg immer an der Kante entlang. Der Pfad ist schlecht markiert, aber recht gut erkennbar – es ist aber sinnvoll, eine gute topographische Karte oder eine Tracking-App mitzunehmen. (Wir haben FitoTrack genutzt und waren sehr zufrieden damit.)
Bei den Roten Klippen unterhalb des Pico das Rocadas zweigt ein Forstweg nach Süden ab – dieser führt zur Levada da Caniçal. Folgen Sie dieser in Fließrichtung nach Osten, und Sie gelangen direkt zurück zum Friedhof.
Eine weitere Abstiegmöglichkeit von der Küste zur Levada da Caniçal gibt es weitere zwei Kilometer westlich am Boca do Risco, die wir aber aufgrund der unsicheren Wetterlage nicht ausprobiert haben.
Die gesamte Runde ist ziemlich genau sieben Kilometer lang. Es sind 330 Höhenmeter zu bewältigen. Wer in der von uns gewählten Richtung läuft, hat den steileren, sonnigeren Anstieg – an heißen Tagen kann es sinnvoll sein, die Route in der anderen Richtung zu begehen. Dann geht es etwas sanfter im Wald hoch. Nach Regentagen ist unsere Variante sinnvoller – bergab wird es auf dem Küstenpfad nicht nur rutschig, sondern gefährlich.
Das gesamte Stück an der Küste ist sehr ausgesetzt und nicht gesichert. Die Wegqualität ist allenfalls mittelmäßig, und die Tour stellt doch ein bisschen technische und konditionelle Ansprüche. Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sind zwingend erforderlich – Sicherungen gibt es nur ausnahmsweise. Vor allem nach Regen sind Stöcke überaus hilfreich.
Wer möchte, kann diese Tour beliebig erweitern – entlang der Levada bis Maroços oder auf dem Küstenwanderweg bis Porto da Cruz. Der rund zwölf Kilometer lange Küstenwanderweg Vereda do Larano bis Porto da Cruz ist nur bei trockenem Boden zu empfehlen – dann belohnt er Wagemutige mit guter Kondition (rund 600 hm) mit großartigen Ausblicken.