Wer an der Levada Nova bei Ponta do Sol wandert, ahnt meist nichts von der Tragödie, die ihren Bau überschattete. Wir haben uns nach der Wanderung auf Spurensuche gemacht.
Blut und Tränen – Levada Nova bei Lombada
Die Levada Nova bei Lombada, einen Teilort von Ponta do Sol im Süden Madeiras, wurde 1962 gebaut. Mit ihrem Wasser sollte das das Wasserkraftwerk in Calheta (die Central Hidroelétrica da Calheta) betrieben werden. Dafür sollte das Wasser aus der tiefergelegenen Levada Moinho umgleitet werden. Die Bauern fürchteten um ihre Ernten und ihre Existenz. Sie kampierten wochenlang an „ihrer“ Levada und blockierten den Bau.

Die Salazar-Diktatur reagierte mit Härte auf diese „Revolta das Águas“ (Revolte der Wasser): Am Morgen des 21. August 1962 umstellten zweihundert Polizisten die Dorfbewohner. Als diese mit Muschelhörnern Alarm schlugen, schossen die Polizisten in die unbewaffnete Menge und schlugen mit Gewehrkolben auf sie ein.

Die 17-jährige Belmira da Conceição, „Sãozinha“ genannt, wurde von einer Kugel in den Kopf getötet, Dutzende Demonstranten schwer verletzt. Es kam zu zahlreichen Verhaftungen. Auch schwer Verletzte wurden wochenlang inhaftiert.
Für die Polizei hatte der Vorfall kein Nachspiel – die diktatorische Regierung versuchte, alles zu vertuschen, doch die Einwohner von Ponta do Sol wehrten sich weiter.
Die spannende Geschichte über die Levadas von Madeira in unserer YouTube-Dokumentation.
Bemerkenswerterweise erhielten sie nach einem langen Rechtsstreit ihre Wasserrechte zurück. Sãozinha wird bis heute als Märtyrin verehrt und gilt als Symbol für einen der wenigen Fälle, in denen sich die Bevölkerung erfolgreich gegen die Diktatur auflehnte – wenn auch zu einem hohen Preis.


Nicht allzuweit nach dem Start führt die Levada Nova in einer senkrechten, teilweise sogar überhängenden Felswand entlang. Die Einfassungsmauer dient als Weg, und es gibt streckenweise sogar ein Geländer.
Der Untergrund ist eben und gut zu laufen – wer kein Problem mit Höhenangst hat, dürfte hier keine Schwierigkeiten haben. Technische Herausforderungen bot der Weg nur beim Bau – nicht beim Wandern.







Weginformationen:
- Start und Ziel der Wanderung sind typischerweise bei der Kirche Igreja da Lombada Ponta do Sol. Hier gibt es auch einen (kleinen) Parkplatz. Direkt an der Kirche geht die Levada Moinho los – Start der Levada Nova ist etwa 600 m weiter oben in der letzten Rechtskurve des Caminho das Pedras – Pereirinha.
- Die Levada Nova ist nicht als PR-Weg gelistet und hat daher keine Nummer. Dasselbe gilt für die Levada do Moinho. Die Benutzung ist gebührenfrei.
- Wie die meisten Levadas stellt auch die Levada Nova keine besonderen Ansprüche an die Kondition.
- Schwindelfreiheit und Trittsicherheit gehören aber ins Gepäck: Einige Passagen führen durch die senkrechte Felswand und sind entsprechend ausgesetzt. Nicht überall gibt es Sicherungen.
- Auch eine Taschenlampe (oder ein gutes Handy mit Lampe) muss mit – es gibt kürzere Tunnels.
- Die Wanderung ist, je nach Route, zwischen 7,8 und 9,5 km lang.
- Als eine der wenigen Levada-Wanderungen lässt sich die Tour auch als Rundwanderung planen, wenn man sie mit der tiefergelegenen Levada Moinho kombiniert – dann sind rund 100 bis 150 Höhenmeter zu bewältigen.
- Vorsicht: Da es im Nordwesten bei Porto Moniz eine andere Levada do Moinho (PR 7) und und auch eine weitere Levada Nova an der Westküste gibt, kommt es schnell zu Verwechslungen. Geben Sie bei der Suche nach Informationen oder bei der Eingabe ins Navi daher am besten „Lombada“ oder „Ponta do Sol“ als Zusatzinformation mit.
Tipp: Lust auf weitere Wanderungen? Wir haben die schönsten Berg-, Küsten und Levada-Wanderungen zusammengestellt. Dort finden Sie auch weitere nützliche Tipps und allgemeine Wander-Informationen für Madeira.
Und hier gibt es mehr zu den dunklen Geheimnissen und blutigen Geschichten, die den Bau der Levadas begleiteten.







