Madeiras schönste Levadawanderungen: Levada de Janela

15.07.2026

Die Levada de Janela gehört zu den faszinierendsten, aber auch abenteuerlichsten auf Madeira. Durch endlos wirkende Tunnel führt sie weit in das längste Tal der Insel hinein.

Die Levada de Janela ist eines der spektakulärsten Zeugnisse dafür, wie die Madeirer die wilde Natur ihrer Insel urbar gemacht haben: Trotz schwierigstem Gelände hält der Kanal über viele Kilometer ein Gefälle von maximal drei Prozent ein. Dabei führt er durch steile Felswände und lange Tunnel tief hinein in Maderias längstes Tal.

Der Tunnelblick: Die Levada da Ribeira da Janela

Während der Bau der frühen Levadas dazu diente, die Zuckerrohr- und Bananenplantagen im trockenen Süden zu bewässern, führt die Levada da Ribeira da Janela von Süden nach Norden. Der Grund für die ungewöhnliche Richtung ist Wasserkraft.

1965 wurde das Wasserkraftwerk Central da Ribeira da Janela in Betrieb genommen. Die Levada wurde so konstruiert, dass sie das Wasser tief aus dem unzugänglichen Tal abfängt und kilometerweit flach am Hang entlangführt, um es schließlich kontrolliert zur Stromerzeugung und zur Bewässerung der Felder rund um Porto Moniz zu leiten.

Levada da Ribeira da Janela, Madeira
Es geht los! Die Levada de Janela führt weit in Madeiras längstes Tal hinein: Wer bis zur Quelle und zurück läuft, hat hin und zurück etwa 25 km und eine Gehzeit von sechs bis sieben Stunden vor sich.

 

Levada da Ribeira da Janela, Madeira
Der erste Teil der Levada ist von Liebesblumen, Hortensien und Eukalyptusbäumen gesäumt. Der Kanal ist hier noch ungewöhnlich breit, verjüngt sich aber zusehends.

 

Levada da Ribeira da Janela, Madeira
Das Tal der Ribeira da Janela war historisch extrem isoliert. Bevor es die Levada und moderne Straßen gab, nutzten die Bauern steile Pfade (Veredas), um Holz aus den Bergen zu holen oder mühsam Kartoffeln und Wein anzubauen. Die Levada brachte Arbeit und stabilisierte die Landwirtschaft im Nordwesten. Heute stellt sie eine bequeme Art dar, die urwüchsigen Wälder zu erkunden und die Ausblicke zu genießen.

Die spannende Geschichte über die Levadas von Madeira in unserer YouTube-Dokumentation.

 

Levada da Ribeira da Janela, Madeira
Im vorderen Teil erhascht man hier und da einen Blick auf die Küste und auf’s Meer. Die meiste Zeit verläuft die Levada aber in dichtem Wald. Der Weg hat keinerlei Steigungen – die Muskeln ermüden weniger durch Anstrengung als durch die Monotonie des immer (fast) gleichen Untergrunds.

 

Levada da Ribeira da Janela, Madeira
Immer wieder wütend Waldbrände auf der Insel. Das hinterlässt Spuren – auch an der Levada de Janela.

 

Levada de Janela
Je weiter man der Levada folgt, desto dichter rückt das Grrün heran – Lorbeerdickicht bedeckt den Abhang; Moose, Farne und Gräser die Felswände.

 

Levada de Janela, Madeira
Es wird wilder, und allmählich erahnt man, warum der Bau der Levadas eine so große technische Herausforderung war und ist.

 

Levada de Janela, Madeira
Erdrutsche, Steinschläge und Starkregen richten immer wieder Schäden an den Levadas an. Bis heute sind daher Levadeiros im Einsatz. Sie kontrollieren „ihre“ Levada täglich, führen kleinere Reparturen durch und melden größere. Platz, um Werkzeug oder Baumaterial zu lagern, gibt es wenig – jede Ausbuchtung oder Höhle wird genutzt.

 

Levada de Janela, Madeira
Es wird dunkel und nass: Nach etwa 4,5 km beginnen die Tunnel. Sie wurden nicht für größere Gruppen Wanderer gebaut, sondern für einzelne Wartungsmitarbeiter. Entsprechend eng sind sie – und sie werden immer niedriger. Während der erstes Tunnel noch recht komfortabel ist, wird es für Menschen über 175 cm im weiteren Verlauf unbequem – große Leute müssen dann konstant gebeugt gehen, um sich nicht den Kopf zu stoßen.

 

Levada de Janela, Madeira
Raus aus dem einen Tunnel – rein in den nächsten. Das kleine Dach schützt vor dem Wasserfall, der in der Regenzeit hier herunter stürzt. Bei unserem Besuch Mitte Oktober war der Wasserfall nur ein kleines Rinnsal.

 

Levada de Janela, Madeira
Auch ohne Wasserfall bleibt das eines der markantesten und spektakulärsten Wegstücke.

 

Levada de Janela, Madeira
Wir folgen der Levada noch ein Stück weiter durch den Urwald.

 

Levada de Janela, Madeira
Am nächsten Tunnel drehen wir um – so wie sehr viele Wanderer. Das Eingangsloch (das schwarze rechts im Bild …) lässt auf einen noch niedrigeren Tunnel schließen, und wir haben keine große Lust mehr, im Dunklen auf Mäuerchen zu balancieren. So spektakulär die Tunnel auch sein mögen: besonders viel Interessantes sieht man nicht …

 

Levada de Janela, Madeira
Zurück geht es auf demselben Weg, mit schönen Ausblicken ins Tal und auf die fast senkrechten Felswände.
Levada de Janela, Madeira
Ganz im Nordwesten bei Porto Moniz führ die Levada de Janela durch viele lange Tunnel weit ins Landesinnere. Oder, richtiger: aus dem Landesinneren hinaus an die Küste …

Weginformationen:

  • Die Levada de Janela (PR 15) beginnt am Miradouro do Parque de Merendas oberhalb von Ribeira de Janela. Dort gibt es einen kleinen Parkplatz und eine öffentliche Toilette. Die Zufahrt erfolgt über die ER 101 von Porto Moniz oder Santa Maria Madalena.
  • Die gesamte Strecke bis zur Quelle beträgt hin und zurück etwa 25 km. Es gibt keine Steigungen.
  • Die Levada führt durch eine Reihe von Tunneln – auf der gesamten Strecke bis zur Quelle sind es bis zu zwölf. Der längste davon ist mehr als einen Kilometer lang – der Gang durch den Tunnel dauert 15-20 min, manchmal auch länger. Die Tunnel sind stockdunkel, oft tropft Wasser von der Decke, und auch der Boden ist stellenweise sehr nass. Dann ist ein Balanceakt auf der Einfassungsmauer nötig, um trockene Füße zu behalten. Eine gute(!) Taschenlampe ist zwingend erforderlich – ein Handy-Licht ist hier nicht ausreichend. Ersatzbatterien sind eine gute Idee – wem hinten im Tal die Batterie ausfällt, hat am Rückweg ein großes Problem, denn es gibt keine Alternative zu den Tunneln.
  • Wer ein Problem mit engen, dunklen Räumen hat, sollte vor dem ersten Tunnel umdrehen – bist dorthin sind es etwa 4,5 km. Der Weg ist gut ausgebaut, von Blumen und Eukalyptus-Bäumen gesäumt und landschaftlich ansprechend, wenn auch nicht so abenteuerlich, wie im späteren Verlauf.
  • Die meisten Wanderer drehen nach den ersten ein oder zwei Tunneln um. Das ist ein guter Kompromiss: So erreicht man die steile Schlucht mit dem Wasserfall, der auf die Levada herunter fällt, ohne noch weitere Kilometer gebückt durchs Stockdunkle zu laufen.
  • Wer das Ribeira-Tal ohne Tunnel erkunden möchte, kann die Levada dos Cedros (PR 14) nutzen. Sie führt auf einer Höhe von rund 840 bis 1000 m ins Tal hinein – die Levada de Janela hingegen auf rund 400 m Höhe. Wer sich für eine entschieden hat, ist „festgenagelt“: Eine Verbindung zwischen den beiden Levadas gibt es nicht, auch wenn sie auf der Karte nicht weit voneinander entfernt sind. Die Steilwand, die sie trennt, ist nicht erschlossen; versuchen Sie nicht, sie zu erklimmen. Theoretisch treffen sich die beiden Levadas weit hinten im Tal an der Quelle – praktisch gibt es auch hier keinen Verbindungsweg, nur Urwald. Wer eine lange Rundour über beide Levadas plant, kann am Fanal-Forstwald der Levada dos Cedros bis Curral Falso folgen und von dort über die Verdera (PR 15) hinunter ins Tal zur Levada de Janela steigen.
  • Für die Wanderung ist vorab eine Online-Registrierung/Ticket über das offizielle Portal SIMplifica notwendig.
  • Es ist eine Wandergebühr von 4,50 Euro zu entrichten. Die Online-Registrierung mit dem QR-Code der bezahlten Gebühr muss mitgeführt werden.
  • Der Handy-Empfang weiter hinten im Tal ist mäßig – laden Sie Ihre Registrierung herunter oder speichern Sie sie als Screenshot.

Tipp: Lust auf weitere Wanderungen? Wir haben die schönsten Levada-Wanderungen zusammengestellt. Dort finden Sie auch weitere nützliche Tipps und allgemeine Wander-Informationen für Madeira.

Und hier gibt es mehr zu den dunklen Geheimnissen und blutigen Geschichten, die den Bau der Levadas begleiteten.

 

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