Das Castillo de Loarre gehört zu den besterhaltenen Burganlagen Spaniens. Bekannt ist die Burg aus Ridley Scotts Film „Königreich der Himmel“.
Das Castillo de Loarre gehört zu den beeindruckensten Burgruinen, die wir auf unserer Nordspanien-Rundreise besichtigt haben. Sie liegt in der Provinz Huesca, in der Autonomen Region Aragonien.
Frankreich, 1184: Der Morgen graut, ein steinernes Kreuz ragt in den dunkelblauen Himmel, eine Selbstmörderin wird begraben (nicht ohne Diskussionen über die korrekte Vorgehensweise, die ein Enthaupten der toten Frau vorsieht). Ein paar Reiter nähern sich, im Hintergrund ist ein ziemlich zerlumpt wirkendes Dorf zu sehen, überragt von einer imposanten Burg. Dort trauert Orlando Bloom in seiner Rolle als Schmied Balian um seine soeben begrabene Frau und sein totes Kind.
Die Kreuzritter, denn um solche handelt es sich bei den Reitern, erreichen die Burg, und Balians Leben nimmt eine entscheidende Wendung, denn er ist nicht nur der uneheliche Sohn des Ritters Godfrey von Ibelin, sondern innerhalb Stundenfrist auch ein gesuchter Mörder. Sein Weg führt ihn durch mannigfaltige Abenteuer, Krisen, Heldentaten und Dummheiten nach Jersusalem und ins Gelobte Land, welchselbiges gerettet werden muss.
Ridley Scotts Monumentalfilm „Königreich der Himmel“ beginnt tragisch und düster, aber durchaus stimmungsvoll – allerdings nicht in Frankreich. Denn die Burg, auf der Balian und Godfrey sich zum ersten Mal begegnen, ist das Castillo de Loarre in Nordspanien.
In unserem YouTube Video könnt ihr uns bei unserem Rundgang durch die Burg Castillo de Loarre begleiten.
Die Geschichte der Burg beginnt 1019, als Sancho III, der Große, König von Navarra, eine Kirche stiftete. Er nutzte die befestigte Anlage als Bastion zur Verteidigung gegen das muslimische Reich El-Andalus.
Die heutige Befestigungsanlage enstand ab 1071 unter Sacho I, König von Aragonien, der mit der Burg auch ein befestigtes Augustiner-Chorherrenstift gründete. Bereits wenige Jahre später (1098) verschob sich mit der Rückeroberung der Stadt Huesca die Grenze zum maurischen Reich nach Süden, und das Castillo de Loarre verlor seine strategische Bedeutung.
Das Castillo de Loarre diente weiterhin als königliche Residenz und wurde bis Ende des 13. Jahrhunderts weiter ausgebaut. Im 14. Jahrhundert wurde die Anlage an einen Günstling des Königs verkauft.
Die romanische Burganlage gehört zu den besterhaltenen Spaniens und ist ein gutes Beispiel für eine Burg, die sowohl militärische, als auch religiöse Funktion hatte. Das machte sie für Ridley Scott zu einer geeigneten Filmkulisse, auch wenn das Castillo 1184, das Jahr, in dem „Königreich der Himmel“ spielt, noch deutlich anders aussah: Der doppelte Mauerring mit den acht prägnanten Rundtürmen wurde erst Ende des 13. Jahrhunderts errichtet.Das Dorf Loarre befand sich ursprünglich innerhalb des Mauerrings.
Heute liegt das 350-Einwohner-Dorf ein paar Kilometer unterhalb der Burg.
Die kleine, einschiffige Kirche Santa María ist wahrscheinlich der älteste Teil der Burganlage.
Im östlichen Teil der Burg war das Kloster untergebracht. Die einschiffige Kirche San Pedro stammt aus dem 12./13. Jh. Sie steht über einer tonnengewölbten Krypta und zeigt stilistisch weiter entwickelte Formen als die ältere Nachbarkirche Santa María. Vor allem die Apsis mit den Rundbogenfenstern und der Kuppel ist ein schönes Beispiel romanischer Architektur.
Jede Burg braucht ihr Gespenst – im Castillo de Loarre soll es Violante de Luna sein, die in den Nächten um San Juan (23. Juni) auf dem Balkon der Königin erscheint.
Violante war die Cousine und Geliebte von Antón de Luna, Eigentümer der Burg und Rebellionsführer gegen Fernando I. Nachdem Antón de Luna nach Frankreich geflüchtet war, blieb Violante auf der Burg und verteidigte diese noch drei Monate lang, bevor sie kapitulierte und ins Gefängnis geworfen wurde. Ihre baldige Freilassung verdankte sie ihrem Onkel, Papst Benedict XIII. Sie folgte ihrem Geliebten nach Frankreich und kehrte später mit ihm nach Aragonien zurück, wo sich ihre Spur verliert. Ihr Todestag und ihre Grabstätte blieben bis heute ein Geheimnis – vielleicht müsste jemand ihren Geist befragen.
Ein letzter Blick zurück.
Eine weitere beeindruckende Burganlage befindet sich rund 65 km nordwestlich von Loarre: Das Castillo de Javier in der Autonomen Region Navarra, die Geburtsburg des Heiligen Francisco de Xavier, einem jesuitischen Missionar, der Indien, China und Japan bereiste.