Sie stellten Herzöge, Könige und Kaiser: Die Staufer gelten als das bedeutendste europäische Herrschergeschlecht des 12. und 13. Jahrhunderts. Sie gründeten Städte und Universitäten, förderten die Kunst und schufen ein neues Rechtssystem. Mit ihren Burgen zeigten und verteidigten sie ihre Macht und ihren Einfluss – die Burg Hohenrechberg war ein wichtiger Teil des Befestigungsringes, den die Staufer um ihre Stammburg Hohenstaufen erbauen ließen.
Geschichte der Burg Hohenrechberg
Burg Hohenrechberg zählt zu den bedeutendsten Burg(ruin)en der Region. Sie wurde vermutlich zwischen 1200 und 1250 als Dienstmannenburg gebaut. Ulrich von Rechberg war Dienstmann und Kastellan auf der Burg Hohenstaufen. 1194 wurde er zum Marschall des Herzogtums Schwaben ernannt. Seine Nachfahren gelten als Burgherren und Gründer der Hohenrechberg.

Anders als die Stammburg Hohenstaufen, die 1525 niedergebrannt wurde, überstand sie die Bauernkriege unbeschadet und ohne Angriff. Zweimal wurde sie eingenommen (1554 und 1599) – beide Male gaben die Württemberger sie dem Geschlecht derer von Rechberg zurück (bzw. verkauften sie ihnen).
Auch im Dreißigjährigen Krieg blieb die Burg vorerst verschont. Erst 1648 wurde sie von französischen Soldaten, die in Schorndorf stationiert waren, eingenommen, teilweise verwüstet, aber nicht zerstört. Eine weitere Besetzung durch die Franzosen folgte 1796 – auch diese überstand die Burg ohne große Schäden.

Am Ende war es ein Blitschlag, der die Burg zerstörte: 1865 schlug ein Blitz in den Westbau ein und entfachte ein Feuer. Aufgrund des starken Westwinds griff das Feuer auf die anderen Gebäude über, und die Burganlage brannte irreparabel nieder. Da die Burg schon seit vielen Jahren unbewohnt war, entschied man sich gegen einen Wiederaufbau. Erst 1896 erfolge eine umfassende Instandsetzung der Burg. Weitere Sarnierungen folgten 1923, 1977, 1988 bis 1992, sowie in den 2020ern.
Ein spannender Rundgang durch die Burg, festgehalten in unserem YouTube Video
Vorburg mit Burgschänke

Burg Hohenrechberg besteht aus einer großen Kernburg und einer kleineren Vorburg, die durch einen tiefen Halsgraben vom Bergrücken abgetrennt wurde. Ursprünglich war die Vorburg durch eine Holzbrücke auf Steinpfeilern erreichbar. Nach dem Mittelalter wurde diese durch eine Steinbrücke ersetzt, die auf vier vierzehn Meter hohen Pfeilern ruht. Der letzte Teil der Brücke war als Zugbrücke konzipiert, und mit einem heute nicht mehr existenten Torhaus verstärkt. An der Nordseite schützte ein als Schalenturm ausgeführter Flankierungsturm die Vorburg. Schalentürme sind nur zur Angriffsseite geschlossen – ihre Rückseite ist offen.

Die Vorburg war nur zur Geländeseite hin zusätzlich abgesichert – zur Hauptburg hin wurde sie hingegen offen gehalten und war nur durch den Burggraben geschützt. Das sollte verhindern, dass sich Angreifer bei einer etwaigen Eroberung der Vorburg in dieser verschanzten und sie als Trutzburg gegen die Bewohner der Kernburg einsetzten. In der Vorburg sind heute die Gastronomie (im ehemaligen Stall) und ein Wohngebäude (ursprünglich ein Wachhaus) untergebracht.
Burggraben (äußerer Zwinger)

Über eine weitere Holzbrücke erreicht man die Kernburg. Diese ist komplett von einem bis zu neun Meter tiefen Graben umgeben. Der Graben wurde künstlich angelegt; die Wände so steil gehalten, dass ein Eindringen über den Graben kaum möglich war. In einer späteren Ausbauphase wurde der Graben zu einer Zwingeranalage erweitert. Er erhielt eine geschlossene Ringmauer mit mehreren Schalentürmen. Der Graben schützte die Kernburg nicht nur nach außen, sondern auch zur Vorburg hin.

Der Aushub des Grabens bestand hauptsächlich aus Kalkstein, der sich nicht zum Bau der Burg eignete. Burg Hohenrechberg wurde stattdessen aus Donzdorfer Sandstein (auch „Eisensandstein“) erbaut. Der Sandstein aus dem etwa sechs Kilometer südlich der Burg gelegenen Steinbruch gehörte ab dem 12. Jahrhundert zu den wichtigsten Bau- und Bildhauersteinen der Region. Er wurde vor allem für Massivbauwerke wie Kirchen (z. B. Ulmer Münster), Burgen und Schlösser, für Brücken, aber auch für Treppen, Fenster- und Türstürze sowie Grabmale benutzt. Durch die markante gelbe Farbe des Steins hebt sich Burg Hohenrechberg deutlich von ihrer Umgebung ab.
Torhaus mit Verlies

Die Kernburg erstreckt sich über eine Fläche von ca. 30 x 45 m. Damals wie heute betritt man sie über ein mächtiges Torhaus, das mit seinen dicken Mauern und seinen Schießscharten eine kleine Festung für sich darstellte. Der letzte Teil der heutigen Brücke war ursprünglich eine (weitere) Zugbrücke – deutlich zu erkennen an den senkrechten Schlitzen oberhalb des Tores. Durch sie führten die Seile oder Ketten, an denen die „Schwungruten“ (auch „Wippbäume“) angebracht waren. Das waren Gegengewichte, durch deren Absenken die Zugbrücke nach oben gezogen wurde – und umgekehrt. Im Eingangsbereich gab es zwei Tore: Das große Haupttor für Reiter und Wagen, und das „Mannsloch“ für Fußgänger.

Im unteren Teil des Torbaus war das Verlies untergebracht. Heute gelangt man über eine Treppe zu den Zellen und über einen Ausgang in den Burggraben und die äußeren Befestigungsanlagen.
Innerer Zwinger

Verlässt man das Torhaus durch den Haupteingang zur Kernburg, gelangt man in den inneren Zwinger – den Bereich zwischen der äußeren und der inneren Burgmauer. Der Zwinger wurde schmal und eng gehalten. Falls Angreifer es bis hierher schafften, waren sie stark in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt und boten von oben ein leichtes Ziel. Über eine Treppe gelangt man vom Torhaus auf den Wehrgang an der äußeren Befestigungsmauer. Von hier konnten Angriffe auf die Burgmauer abgewehrt werden.
Verteidigungsturm mit Marschikulis

Den Abschluss des Wehrgangs bildet ein Schalenturm mit Maschikulis. Maschikulis, auch „Wurflochreihe“, sind in Reihen angeordnete Wurf- und Gussöffnungen. Sie befinden sich zwischen zwei Konsolen entweder in vorkragenden Wänden oder an der Unterseite eines Wehrerkers. Für die Verteidiger sind die Öffnungen in Form von Bodenschächten zugänglich. Oft wurden einzelne Maschikulis als Latrinenerker (Toiletten) benutzt. Sie erhielten dann ein Sitzbrett mit Ausschnitt über der Öffnung. Im Falle eines Angriffs konnten die Latrinen schnell wieder als Teil der Wehr-Einrichtungen genutzt werden.

Dreieckiger Lichthof

Burghof

Der Burghof bildet das Zentrum der Burg. Früher standen hier ein Gesindehaus und eine Zisterne. Die neun Meter tiefe Zisterne wurde aus Sicherheitsgründen versiegelt und ist heute nicht mehr zu sehen. Einen Brunnen gab es auf Burg Hohenrechberg nie. Links sind die Reste des Palas zu sehen, in der Bildmitte der Westbau mit dem fünfeckigen Grundriss.
Westbau

Der Westbau besaß ursprünglich drei Geschosse und einen Keller. Keller und Erdgeschoss waren fensterlos und dienten als Vorrats- und Stauräume. Darüber waren Wohn- und Aufenthaltsräume untergebracht, sowie ein Ahnensaal und eine Kapelle.
Palas

Der Palas gehört zu den ältesten Gebäuden der Burg und stellt einen Großteil der südlichen Ringmauer. Im Untergeschoss ließen zahlreiche Lichtschlitze Tageslicht in die Räume. Zu sehen sind auch die Überreste eines Kamins (ganz links unten im Bild), was auf eine Kemenate (beheizter Wohnraum) hinweist. Beim Brand 1865 brannte der Palas komplett aus. Heute sind nur noch Teile der Außenmauer erhalten.

Den Abschluss Richtung Vorburg bildet der Ostbau. In ihm befand sich das Herrenhaus mit dem Wohnbereich und dem Rittersaal. Heute sind hier Modelle der Burg sowie andere Exponate zur Geschichte der Burg zu sehen.
Offizielle Infos & Öffnungszeiten
Öffnungszeiten, Events & Hinweise zur Burg Hohenrechberg findet man auf der offiziellen Homepage der Burg.





