Madeiras schönste Levadawanderungen: Levada das Rabaças

27.08.2026

Der aufgelassene Seitenarm der Levada das Rabaças führt unterhalb der Hochebene Paúl da Serra durch eine von Waldbränden gezeichnete Landschaft zu einem Wasserfall. Wer es verwildert und einsam mag, ist hier richtig.

Die Levada das Rabaças gehört zu den höchstgelegenen Madeiras. Auf 1300 Meter Höhe verläuft sie unterhalb der Hochebene Paúl da Serra. Wenn Sie keine Lust auf Touristenströme haben, ist das von uns begangene Teilstück der Levada das Rabaças eine Garantie für Ruhe.

Stechginster und Weitblick: Levada das Rabaças

Die Levada ist ausgetrocknet und verwildert zusehends – die Tour ist daher mehr für Abenteurer geeignet, als für Genusswanderer.

Levada das Rabaças, Madeira, Portugal
Die Levada das Rabaças und ihre Seitenarme gehör(t)en zu den höchstgelegenen auf Madeira: Auf 1300 m Höhe verläuft sie deutlich oberhalb der dichten, urzeitlichen Lorbeerwälder.

 

Levada dos Rabacas, Madeira
Die exponierte Höhenlage sorgt für fantastische Ausblicke aufs Meer, und auf die Hochebene Paúl da Serra, die sich direkt im Nordwesten anschließt.

 

Levada das Rabaças, Madeira
Immer wieder wüten Waldbrände auf Madeira. Die Spuren sind auch hier an der Levada das Rabaças zu sehen.

 

Levada das Rabaças, Madeira, Portugal
Die südlichen Hänge unterhalb der Hochebene Paúl da Serra sind insgesamt deutlich weniger bewaldet als der Norden der Insel – hier wurden die Wälder schon kurz nach der Endeckung Madeiras niedergebrannt und gerodet.

 

Die spannende Geschichte über die Levadas von Madeira in unserer YouTube-Dokumentation.

 

 

Levada das Rabaças, Madeira
Heute wächst hier die typische Vegetation der hochalpinen Übergangszone Madeiras: Heidekraut, Farn und der invasive Stechginster. Einzig der Farn hat keine fiesen Stacheln. Das macht den Weg an manchen Stellen zur Herausforderung. Stellenweise muss man durch das staubige, trockene Betonbett der Levada steigen oder dichtes Unterholz wegdrücken, um voran zu kommen.

 

Levada das Rabaças, Madeira
Wer wie wir kurz nach einem Waldbrand wandert, ist im Vorteil: Die Brände putzen das Unterholz aus – statt struppiger, dorniger Sträucher stehen dann nur kratzige Busch-Skelette am Weg. Die Natur holt sich das Gelände aber sehr schnell zurück – Farne und Gräser sind oft die ersten. Die haben immerhin keine Dornen.

 

Postillon Schmetterlin, Madeira
Ein Postillon nutzt die warme Mittagssonne, um Nektar zu sammeln.

 

Levada das Rabaças
Die Levada das Rabaças wurde im Zuge der Modernisierung des Wassersystems aufgelassen. Das Wasser von der Hochebene wird heute fast ausschließlich unterirdisch in Druckrohren oder durch die Hauptkanäle bewegt, weshalb diese kleinen, oberirdischen Seitenarme trockenfallen und von der Natur zurückerobert werden. Im vorderen Verlauf führt die Levada teilweise noch Wasser – vor allem nach Regenfällen.

 

Levada Bica da Cana, Madeira, Portugal
Ein seltenes Bild: Die alte Kiefer ist eine markante Landmarke an der Levada das Rabaças.

 

 

Levada das Rabaças, Madeira, Zauntritt
Über einen wenig vertrauenserweckenden, aber erfreulich stabilen Zauntritt geht es weiter.

 

Levada das Rabaças, Madeira
Über eine Treppe geht es eine Etage höher. Das ist die Ausnahme: Die meisten Levadas führen über viele Kilometer ohne nennenswerte Steigung an der Höhenlinie entlang, egal, wie kompliziert und unwegsam das Gelände wird. Solche Gefälle wie hier wurden meist nur genutzt, um Wasser in eine tiefer gelegene Levada oder hinunter in die Felder zu leiten. Hier trifft weder das eine noch das andere zu – die Levada das Rabaças wird hier einfach etwas tiefer (bzw. höher) weiter geführt.

 

Levada das Rabaças, Madeira
Der Weg wird nasser, …

 

Levada das Rabaças, Madeira
… ausgesetzter, …

 

Levada das Rabaças, Madeira
… und teilweise fast unsichtbar.

 

Levada das Rabaças, Madeira
Nach etwa drei Kilometern erreichen wir unser Ziel: Einen senkrechten Felskessel mit einem kleinen Wasserfall. „Klein“ bedeutet in diesem Fall etwa zehn bis fünfzehn Meter hoch – auf Madeira gibt es so viele deutlich höhere Wasserfälle, dass das kaum der Rede wert ist. Es handelt sich außerdem um einen reinen „Regenwasserfall“, der nicht konstant Wasser führt. Im Hochsommer ist hier nur die bemooste, farnbewachsene Kesselwand, in deren Schatten es angenehm kühl ist.

 

Levada das Rabaças, Madeira
Der kleine Gumpen am Fuß des Wasserfalls sorgt für glückliche Füße. Zum Baden ist er uns zu kalt.

 

Levada das Rabaças, Madeira
Für nicht ganz so glückliche Füße und Schuhe sorgt eine übersehene Matschpfütze am Rückweg.

 

Levada Bica da Cana, Madeira, Portugal
Dieser gestaltet sich komplett anders als der Hinweg. Während wir knapp zwei Stunden vorher bei Sonne gestartet sind, suchen wir den Rückweg in dichtem Nebel. Die schnellen Wetterwechsel sind typisch für Madeiras: Die Passatwinde drücken die Wolken an den zentralen Gebirgskamm und sorgen dafür, dass das Wetter schon wenige Kilometer weiter oder kurze Zeit später völlig anders sein kann.

 

Levada das Rabaças, Madeira
Wir halten uns daher an Loriot: „Wir waren mit Grau immer sehr zufrieden!“, sind aber doch froh, dass der Pfad erkennbar bleibt. Vom Weg abzukommen kann hier (und an vielen anderen Stellen auf Madeira) fatal sein. Das Gelände verzeiht nicht allzu viele Fehler.

 

Levada das Rabacas
Irgendwo im Nirgendwo, nordwestlich von Ponta do Sol und südlich der Hochebene Paúl da Serra verläuft das aufgelassene Teilstück der Levada das Rabaças,

Weginformationen:

  • Zustieg zur aufgelassenen Levada ist nahe der Kreuzung von ER 209 und ER 110 (nahe Cristo Rei / Assobiadores). Dort gibt es auch einige Parkmöglichkeiten an der Straße.
  • Bis zum Wasserfall sind es etwa drei Kilometer. Dort ist Schluss. Früher gab es hier sehr abenteuerliche, steile Auf- oder Abstiege, um weiter auf die ER-110 zu gelangen, diese Pfade sind heute jedoch oft komplett zugewachsen oder durch Hangabbrüche lebensgefährlich abgerutscht.
  • Die Levada ist aufgelassen und verwildert zusehends – rechnen Sie damit, dass Sie vielleicht schon viel früher umdrehen müssen.
  • Tragen Sie Kleidung, die vor Dornen und Stacheln schützt – kurze Hosen (wie wir sie hatten) sind je nach Zustand und Bewuchs der Levada nicht geeignet.
  • Auch wenn man aufgrund der Wegqualität nicht unbedingt von „Genusswandern“ reden kann, lohnt die Levada das Rabaças einen Besuch: Die Ausblicke ins Tal sind fantastisch, und die Vegetation sehenswert.
  • Da die Levada längst aufgelassen ist, ist sie auch nicht als offizieller Wanderweg geführt. Die Benutzung ist kostenfrei.

Tipp: Lust auf weitere Wanderungen? Wir haben die schönsten Berg-, Küsten und Levada-Wanderungen zusammengestellt. Dort finden Sie auch weitere nützliche Tipps und allgemeine Wander-Informationen für Madeira.

Und hier gibt es mehr zu den dunklen Geheimnissen und blutigen Geschichten, die den Bau der Levadas begleiteten.

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