Madeiras schönste Levadawanderungen: Levada Nova da Calheta
07.08.2026
Genusswandern im Südwesten Madeiras: Flankiert von duftenden Eukalyptusbäumen bietet die Levada Nova da Calheta bei Prazeres spektakuläre Panoramablicke über den Atlantik und die fruchtbaren Terrassenfelder.
Wer die extrem schwindelerregenden, ungesicherten Levadas im Zentrum Madeiras scheut, findet in Prazeres sein persönliches Wander-Eldorado. Auf breiten Pfaden geht es durch ausgedehnte Eukalyptuswälder. Callas, Schmucklilien, Hortensien und Farne säumen den Weg. Hier läuft man auch mal entspannt nebeneinander, statt sich wie an anderen Orten im Gänsemarsch an den Fels zu drücken. Weil der Weg bei Prazeres so breit, flach und gut ausgebaut ist, wird er bei den Wanderführern scherzhaft als „Autobahn“ unter den Levadas bezeichnet.
Zwischen Meer und Bergen: Die Levada Nova da Calheta bei Prazeres
Der Abschnitt bei Prazeres ist Teil der rund vierzig Kilometer langen Levada Nova da Calheta, die die Orte an der Südwestküste verbindet. Das sorgt oft für Verwirrung, denn je nach Karte oder Wander-App werden unterschiedliche Bezeichnungen verwendet – entweder die jeweiligen Abschnitte („Levada Nova Prazeres“, „Levada Ponta do Pargo“, und weitere) oder „Levada Nova da Calheta“ für das übergeordnete Levada-System.
Das besonders schöne Teilstück bei Prazeres wird oft als eigenständige, leichte Tour begangen, entweder in nordwestlicher Richtung nach Raposeira do Logarinho, oder südöstlich in Richtung Estreito da Calheta. Beide Varianten führen durch Wälder und ländliche Abschnitte mit Ausblicken auf die Küstenorte und die terrassierten Felder. Der Name des Ortes Prazeres bedeutet übersetzt „Freuden“. Die Legende besagt, dass die frühen Siedler so begeistert von der Fruchtbarkeit und dem milden Klima dieser Region waren, dass sie ihr diesen Namen gaben.
Die Levada wurde in den 1940er bis 1960er Jahren im Zuge großer staatlicher Infrastrukturprojekte fertiggestellt. Ziel war es, das Wasser aus den extrem niederschlagsreichen Gebieten des Nordens und der Hochebene (Paúl da Serra) verlässlich in den trockenen, landwirtschaftlich intensiv genutzten Südwesten zu transportieren. Einige Ettappen führen durch einen Urwald aus Farn, Eukalyptus, Eichen und Kiefern. Wenn im Sommer die Sonne auf die Blätter brennt, riecht es hier intensiv nach ätherischen Ölen.
Die spannende Geschichte über die Levadas von Madeira in unserer YouTube-Dokumentation.
Callas, Schmucklilien, Hortensien und Farne säumen den Weg. Je nach Jahreszeit blüht es hier üppig.
Im Frühjahr färbt der Besenginster manche Hänge gelb. Auf Madeira gilt er als invasive Problempflanze. Ursprünglich als Zierpflanze und zur Erosionskontrolle eingeführt, verdrängt er dort die einheimische Flora. Aus Naturschutzgründen ist er daher auf der Insel unbeliebt und wird gezielt bekämpft.
An der Levada Nova da Calheta hat der Ginster allerdings einen starken einheimischen Konkurrenten: Farn. Üppig grün und mehr als schulterhoch fühlt man sich stellenweise wie im Dschungel.
Der Farn nutzt jedes freie Fleckchen, auch am Kanal. Das wird im Frühsommer zur Todesfalle für …
… zahlreiche Raupen, die von den Farnblättern ins Wasser fallen und mit viel Glück von vorbeikommenden Wanderern wieder heraus gesfischt werden.
Eine Sisyphos-Arbeit mit durchaus meditativem Charakter, die die Wanderzeit erheblich verlängern kann.
Zurück auf dem Farn sind die Raupen kaum noch zu sehen. Der Raupenfraß fällt auf – die Raupen selbst sind ebenso gut getarnt …
… wie die Heuschrecken, die manchmal unverhofft aus dem Farn springen und einen schon fast zu Tode erschrecken können.
Der Eukalyptuswald weicht lichten Kiefernbeständen (mit Farn!).
Durch die Höhenlage der Levada (rund 600 hm) bieten sich immer wieder schöne Ausblicke auf die Küste, wie hier Richtung Fajã da Ovelha. Waldbrände sorgen regelmäßig für freie Blickachsen …
Waldbrände sind ein großes Problem auf der Insel – die Spuren sieht man überall, auch an der Levada Nova da Calheta. Schon bei der Entdeckung und Urbarmachung Madeiras kam es zu Waldbränden extremen Ausmaßes: um die Insel überhaupt besiedeln zu können, ließen ihre Entdecker sie anzünden. Die Brandrodung geriet außer Kontrolle, und die Feuer wüteten sieben Jahre lang. Mehr als die Hälfte der ursprünglichen Wälder wurden vernichtet. Auch heute gibt es immer wieder Waldbrände – allerdings unbeabsichtigt. Die Brandrodung ist längst strikt verboten, und die Regeln für offenes Feuer sind streng.
Am „Bach der Kuh“ (Ribeira da Vaca) drehen wir um und gehen denselben Weg zurück nach Pazeres.
Die vorgestellte Tour ist nur ein kurzes Teilstück der insgesamt rund vierzig Kilometer langen Levada Nova da Calheta, die die Küstenorte im äußersten Westen Madeiras verbindet.
Weginformationen:
Die Levada Nova da Calheta ist mit einer Länge von rund vierzig Kilometern die längste in der Region. Sie beginnt am Wasserkraftwerk in Calheta und zieht sich durch fast alle Küstenorte bis nach Ponta do Pargo im äußersten Westen Madeiras.
Die Levada Nova da Calheta gehört nicht zu den offiziellen PR-Wanderwegen – sie wird touristisch nicht ausgebaut und betreut. Die gesamte Strecke und alle Teilabschnitte sind kostenfrei nutzbar.
Das hier vorgestellte Teilstück beginnt bei Prazeres. Guter Startpunkt ist die Quinta Pedagógica dos Prazeres. Der liebevoll geführte Lernbauernhof verkauft selbstgemachte Kräutertees und traditionellen Kuchen, und ist ein guter Einkehrpunkt am Ende der Tour. Direkt daneben, an der Kirche von Prazeres, gibt es kostenfreie Parkplätze.
Der Einstieg zur Levada ist etwa fünfhundert Meter weiter oben an der Straße. Wer nicht laufen will und Glück hat, findet auch dort einige Parkmöglichkeiten am Straßenrand.
Von Prazeres bis Fajã da Ovelha sind es etwa 8,5 km – hin und zurück entsprechend doppelt so viel. Die ersten drei Kilometer führen oberhalb der Häuser und Gärten durch die Kulturlandschaft; der zweite Teil führt tiefer in das bewaldete Gebiet oberhalb von Fajã da Ovelha.
Die Strecke ist komplett flach. Es gibt keine Tunnel und auch keine ausgesetzten Stellen. Die Wegqualität ist gut, und die Tour stellt keine besonderen technischen oder konditionellen Ansprüche.
Achtung:Immer wieder kommt es beim Levada-Wandern zu Verwirrungen und Namensverwechslungen. Die Levada Nova da Calheta wird in manchen Karten auch mit dem Namen ihrer Teilstücke eingetragen. Für das vorgestellte Teilstück kann es also sein, dass sie in Ihrer Karte oder App die „Levada Nova Prazeres“ und die „Levada Ponta do Pargo“ eingezeichnet ist. Es gibt zudem eine weitere Levada Nova im Norden von Ponta do Sol. Geben Sie bei Suchanfragen oder im Navigationssystem am besten immer den Startort mit ein.