Schatten einer Dromedar-Karawane, Sandwüste Erg Chebbi, Marokko

Wüstenschiffe im Sandmeer: Eine Nacht in der Erg Chebbi

15.09.2026

Südlich des Atlas-Gebirges und nahe der algerischen Grenze liegt eine der zwei Sandwüsten Marokkos: Der Erg Chebbi. Ein Kamelritt zu den gut einhunderfünfzig Meter hohen Sanddünen, und eine Übernachtung im Berberzelt sind ein unvergessliches Erlebnis.

Sand und Wind formten eine der kargsten und zugleich faszinierendesten Landschaftsformen der Welt: Die Ergs – die Sandwüsten mit ihren oft hunderte Meter hohen Dünen. Nur etwa zehn Prozent der weltweiten Wüstengebiete sind Ergs – der Rest sind Stein- und Geröllwüsten.

 

Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Typisch Wüste? Jein. Die Sahara ist die weltweit größte Trockenwüste. Sie bedeckt eine Fläche von der Größe der USA (oder 26-mal Deutschland). Die Sandflächen machen aber nur etwa zwanzig Prozent ihrer Fläche aus – immerhin rund doppelt so viel wie in anderen Wüsten.

In Marokko gibt es nur zwei größere Sandwüsten: Erg Chebbi im Südosten bei Erfoud, und Erg Chegaga etwas weiter im Westen. Erstere hat die etwas höheren Dünen, ist besser erreichbar und touristisch mehr erschlossen – mit allen Vor- und Nachteilen. Für uns lag Erg Chebbi besser auf der Rundtour, und Anfang März war auch das Touristenaufkommen noch gut überschaubar.

Marokko-Karte Erg Chebbi
Der Erg Chebbi liegt im Südosten von Marokko, unweit der Grenze zu Algerien. Von Fès aus kann man für die knapp 500 km lange Autofahrt bis nach Merzouga am Rand der Wüstenlandschaft mit ca. 8 Stunden rechnen. Von Marrakesch aus sollte man auf jeden Fall einen Zwischenstop einplanen. Für die  knapp 600 km lange Tour muss man mit mindestens 10  Stunden rechnen.  (KARTE: Copyright OpenStreetMap)

 

Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Nähert man sich dem Erg Chebbi von Norden aus Erfoud Richtung Merzouga, wirkt der Übergang zwischen den teils schwarzen Geröllfeldern und den roten Sanddünen fast surreal.

Erg Chebbi, Marokko
Der Erg Chebbi südlich von Erfoud hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von zweiundzwanzig Kilometern, und eine West-Ost-Breite von rund fünf Kilometern. Klingt klein, reicht aber, um ein Gefühl für die Weite, Stille und auch Verlorenheit der Wüste zu bekommen – besonders wenn man, wie dieser ziemlich unvernünftige Herr, alleine und ohne adäquate Bekleidung unterwegs ist. Langärmlige Kleidung, Sonnenschutz und ausreichend Wasser sind auch bei kurzen Spaziergängen im Wüstensand ein must-have.

 

Tamlalt, Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Der Wüstenort Merzouga nennt sich selbstbewusst „Das Tor zur Wüste“. Jahrhundertelang lebte die Bevölkerung hier am Rand der Sandwüste von Getreideanbau und ein wenig Viehwirtschaft. Mittlerweile sucht man die traditionelle Lebensweise vergeblich – das Örtchen mit seinen fünfhundert Einwohnern lebt fast ausschließlich vom Tourismus. Unterkünfte* aller Preisklassen und Anbieter von Wüstentouren prägen das Ortsbild.

 

Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Merzouga ist ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die Wüste – sei es zu Fuß, mit dem Dromedar, dem Quad oder dem Geländewagen. Die recht spartanischen Kamelsättel sind praktisch, aber auf Dauer nicht sonderlich bequem.

 

Tamlalt, Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Unser Treffpunkt für die Tour ins Wüstenlager „Desert Heart Luxery Camp“ ist das Riad Tamlalt. Bei Minztee und Nüssen lässt es sich im schattigen Zelt gut aushalten – das findet auch die Katze.

 

Karawane Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Ein paar hundert Meter weiter, versteckt hinter den ersten niedrigen Dünen, wartet unser Guide mit den Kamelen. Dass die gut zwei Meter hohen Tiere zuerst mit den hinteren Beinen aufstehen, ist eine ziemlich ungewöhnliche Bewegung. Die Haltegriffe an den Sätteln sind aus gutem Grund angebracht, denn wer nicht aufpasst, verabschiedet sich schon vor dem Ritt über den gebogenen Kamelhals.

 

Ein Kamelritt zu den gut einhunderfünfzig Meter hohen Sanddünen der Erg Chebbi, und eine Übernachtung im Berberzelt sind ein unvergessliches Erlebnis, das wir in unserem Libellius-Video auf YouTube festgehalten haben.


 

Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Sand, so weit das Auge reicht: Auf dem ersten halben Kilometer gibt es noch viel aufgeregtes „Ah“ und „Oh“ und „Guck mal da!“. Doch schon bald sorgen die Stille der Wüste und das mediative Schaukeln der Kamele für innere und äußere Ruhe.

 

Dromedar, Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Die meisten Dromedare sind trotz ihres etwas arrogant wirkenden Blicks freundlich – die weniger freundlichen tragen sicherheitshalber einen Maulkorb. Die Marokkaner sehen ihre Kamele als Nutztiere und haben meist einen mehr pragmatischen als emotionalen Zugang zu ihnen.

 

Brandzeichen an einem Dromedar, Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Das erklärt, warum die Tiere keinen Namen haben (unsere diesbezügliche Frage stieß auf leises Befremden), dafür aber eingebrannte Nummern und Symbole, die nicht nur die Unterscheidung möglich machen, sondern vor allem auch die Besitzverhältnisse klären.

 

Dromedar in der Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Das ist sinvoll, weil die Kamele abends frei gelassen werden – meist samt Sattelzeug.

 

Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Warten auf den Sonnenuntergang: Nach etwa einer Stunde machen wir in der Nähe der „Grande Dune de Merzouga“ einen Stopp.

 

Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Die „Grande Dune de Merzouga“ ist rund 150 Meter hoch – sie zu erklimmen ist im weichen Sand anstrengender, als es aussieht.

 

Mann läuft durch die Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Wir sparen uns den Aufstieg auf die Große Düne (mit dem guten Argument, dass man sie nicht sieht, wenn man oben steht) – und genießen glückliche Füße im Wüstensand, der trotz der beachtlichen 34 Grad überraschend kühl ist.

 

Käfer in der Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Wir sind nicht die einzigen, die barfuß unterwegs sind: Ein Schwarzkäfer ist höchst anhänglich und sucht Körperkontakt. Ich gestehe: eine unvorsichtige Bewegung hat den Käfer kurzzeitig verschüttet (wir haben ihn wieder ausgegraben, obwohl er das mit Sicherheit selbst kann).

 

Mann läuft durch die Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Die untergehende Sonne färbt den Sand rot-orange. Im Hintergrund links die Wüstencamps am östlichen Rand des Sandmeers.

 

Tipp: Unterkünfte für die Wüstentour
Tipp: Unterkünfte für die Wüstentour Merzouga ist der perfekte Ausgangsort für eine Tour durch die Wüste. Egal, ob man lieber in einem richtigen Hotel im Ort, oder im komfortablen Zelt in der Wüste übernachten möchte, hier findet man die passende Unterkunft. Wir haben wunderbar im Desert Heart Luxury Camp* mitten in der Wüste übernachtet.

 

Zeltlager in der Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Ankunft im „Desert Heart Luxury Camp“* . An der Ostseite des Erg Chebbi reihen sich die Wüstencamps aneinander – in der Hauptsaison kann es hier laut werden, wenn Marokkaner bis weit in die Nacht hinein trommeln, Touristen mit Quads unterwegs sind und Dieselgeneratoren brummen. Das „Desert Heart Luxury Camp“ haben wir auch deswegen ausgesucht, weil es etwas abseits der anderen Camps liegt.

 

Zeltlager in der Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Die Zelte sind geräumig und eher praktisch als luxuriös eingerichtet. Einen echten Luxus stellen die Einzelbäder im Zelt dar – komplett mit Toilette und Dusche. Duschen in der Wüste ist fast schon dekadent – und zugleich ausgesprochen angenehm, denn besonders an windigen Tagen ist der feine Wüstensand doch überall.

 

Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
In den Dünen rund um das Camp gibt es eine Reihe schöner Sitzgelegenheiten mit Blick nach Algerien. Wir haben einen sehr stürmischen Tag erwischt, und weil der Sand im Gesicht nadelt, verzichten wir nach einer ruhigen Fast-Vollmond-Nacht auf Frühstück im Freien.

 

Berberomlett
Das defttige Berberomlett genießen wir im Gemeinschaftszelt.

 

Tamlalt, Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Nach einer kurzen und hopsigen Geländewagenfahrt beenden wir die Wüstentour da, wo wir sie begonnen haben: Mit den Füßen im Pool des Riad Tamlalt, wo auch unser Mietwagen steht.

 

Sandwüste Erg Chebbi, Marokko
Ein letzter Blick zurück auf die großen Dünen – mit der festen Absicht, wiederzukommen.
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