Atlasgebirge, Marokko

Hoher Atlas: Über den Tizi-n-Outfi von Ouarzazate nach Demnate

23.04.2026

Der Hohe Atlas erstreckt sich vom Mittelmeer bis an die algerische Grenze und teilt Marokko in zwei Teile. Wer von den Königsstädten im Norden zu den Wüstengebieten und Kasbahs im Süden möchte, hat die Qual der Wahl, denn es gibt eine Reihe schöner Passstraßen über das Gebirge.

Auch wenn es schwer zu entscheiden ist, und auch wenn ich auf der Strecke einige Male die Luft angehalten habe: Die R307, die ein kurzes Stück östlich von Ouarzazate ins exakt nördlich liegende Demnate abbiegt, war für mich die schönste Atlasquerung.

Irgendwo im Nirgendwo: Über den Tizi-n-Outfi von Ouarzazate nach Demnate

Die gesamte Strecke ist asphaltiert – theoretisch. Praktisch fehlt hier und da auch mal ein gutes Stück, einige (gefüht sogar etliche) Kilometer sind Piste, und ein, zwei Wasserlöcher haben wir lieber barfuß ausgelotet, bevor wir sie mit unserem Kleinwagen passiert haben. Ein geländegängiges Fahrzeug schont hier sicher die Nerven.

Atlasgebirge, Marokko
Das Atlasgebirge hört nach Süden hin einfach so auf – ähnlich wie die Alpen zur Po-Ebene, nur deutlich steiniger. Die Ebene östlich von Ouarzazate ist alles andere als flach, und gibt eine Ahnung davon, welche Leistung die Beduinen erbrachten, als sie mit ihren Karawanen von Timbuktu über den Atlas nach Marrakesch zogen.

 

Atlasgebirge, Marokko
Noch vor der ersten Passhöhe: Blick auf die Sonnenfarm in der Ebene östlich von Quarzazate.

 

Marokko-Karte Ouarzazate-Demnate
Östlich von Ouarzazate biegt man ab und folgt dann der Straße in den Norden nach Demnate. (KARTE: Copyright OpenStreetMap)

 

Atlasgebirge, Marokko
Rasch steigt die Straße an und führt kurvenreich auf die erste Passhöhe. Die Berge rechts und links sind zwischen 3.600 und 3.800 m hoch.

 

Atlasgebirge, Marokko
Auf der Straße über den Tizi-n-Outfi herrscht praktisch kein Autoverkehr. Es ist überhaupt so wenig los, dass man sich über jedes Lebenszeichen freut – und sich instinktiv merkt, vor wie vielen Kilometern man den letzten Ziegenhirten gesehen hat.

 

Atlasgebirge, Marokko
Es zieht sich: Von der Abzweigung der R307 von der N10 bis nach Demnate sind es nur 144 km. Dennoch sollte man für die Strecke eher fünf als vier Stunden einplanen.

 

Atlasgebirge, Marokko
Die Fahrt dauert auch deswegen ihre Zeit, weil es leider absolut unerlässlich ist, ständig auszusteigen und die atemberaubende Stille sowie den Blick auf die sich auftürmenden Gebirgskämme zu genießen.

 

Atlasgebirge, Marokko
Nicht nur die Berge türmen sich auf, sondern auch die Wolken. Die regenverhangene Stimmung sorgt dafür, dass wir uns noch kleiner fühlen, als wir es ohnehin schon tun.

 

 

Atlasgebirge, Marokko
Einzelne Sonnenspots färben die Felsen rot.

 

Atlasgebirge, Marokko
Staubig aber schön: Die Strecke über den Tizi-n-Outfi ist für Kleinwagen befahrbar aber nicht ideal.

 

Atlasgebirge, Marokko
Mit dem LKW sind die Schlaglöcher hingegen kein Problem. Nur das mit dem Wenden will gelernt sein …

 

Atlasgebirge, Marokko
Zwischentäler: Immer, wenn man denkt, jetzt ist man über den Berg, kommt doch noch eine (kleine) Passhöhe. Dazwischen schlängelt sich die Straße durch Täler und Schluchten, in denen sich nach Norden hin auch zunehmend mehr Ansiedlungen finden.
Tipp: Wander- und Offroadtouren im Hohen Atlas
Tipp: Wander- und Offroadtouren im Hohen Atlas Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Hohen Atlas offroad zu erkunden – zu Fuß, mit dem Kamel oder mit dem Geländewagen. Besonders die Wanderungen erfordern eine gute Kondition und Trittsicherheit. Für längere Wanderungen, Mehrtagestouren oder Geländewagenfahrten wird ein ortskundiger Führer dringend empfohlen. Diesen können Sie vor Ort buchen oder schon im voraus als Gesamtpaket bei Viator* (auch ab Marrakesch).

 

Atlasgebirge, Marokko
Wie Adlerhorste kleben manche Siedlungen auf den Felsnasen.

Die fiese Schlucht von Demnate

Am Ende der Strecke wartet in Demnate ein weiteres landschaftliches Highligt: Imi-n-Ifra, die Krankenhauschlucht. Sie heißt nicht wirklich so, sondern hat sich den Beinamen inoffiziell verdient – mein Handgelenk ging hier bei einem Sturz zu Bruch, und gab mir die Gelegenheit, die marokkanische Chirurgie zu testen.

Naturbrücke Imi N'Ifri, Demnate, Marokko
Sieht wild aus – ist es auch. Bei Demnate hat sich der Fluss tief in den Fels gegraben und einen natürlichen Bogen geschaffen. Die Marokkaner, sehr pragmatisch, nutzen diese natürliche Brücke und haben die Hauptstraße darüber gebaut.

 

Herz Afrikas, Schlucht in Demnate, Marokko
Das Herz von Afrika: Unser selbsternannter marokkanischer Guide meinte, das Loch sieht aus wie die Silhouette Afrikas. Mit ein bisschen Fantasie kann man ihm recht geben.

 

Schlucht in Demnate, Marokko
Der Weg durch die (kurze) Schlucht ist steil, ungesichert und solala. Schwindelfreiheit und ein wenig Trittsicherheit vorausgesetzt, lässt sie sich aber gut bewandern.
Röntgenbild Radius-Mehrfragment-Luxationsfraktur
Ein Stolpern am Ende der Schlucht (im fast schon flachen Teil …) hatte für mich unangenehme und langwierige Folgen. Offizielle Diagnose in Deutschland: „Radiusmehrfragmentluxationsfraktur“. Weitaus griffigere Diagnose des Provinzkrankenhauses Demnate: „Ist kaputt“ (wir sollen nach Marrakesch zu den Spezialisten). Die geplante Übernachtung in Demnate haben wir kurzfristig gestrichen – mit behelfsmäßigen Verbänden wurden wir nach Marrakesch geschickt und haben dort die nächsten zwei Nächte in der Clinique Internationale verbracht, wo das Gelenk zusammengeflickt wurde.

 

Naturbrücke Imi N'Ifri, Demnate, Marokko
Aus naheliegenden Gründen empfehle ich daher dringlich, bei der Besichtigung des Pont Naturelle in Demnate gutes Schuhwerk zu tragen und sich nicht von hektischen marokkanischen Guides zur Eile antreiben zu lassen … Eine gute Auslandskrankenversicherung ist übrigens Gold wert – selbst, wenn man sie eigentlich in der Hoffnung abschließt, sie nicht zu brauchen.

 

Ein Kamelritt zu den gut einhunderfünfzig Meter hohen Sanddünen der Erg Chebbi, und eine Übernachtung im Berberzelt sind ein unvergessliches Erlebnis, das wir in unserem Libellius-Video auf YouTube festgehalten haben.


 

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Atlasgebirge, Marokko
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Von Taroundannt nach Marrakesch

Atlasgebirge, Marokko
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