Er gilt vielen Marokko-Fans als der schönste Atlas-Pass: Der Tizi-n-Test südlich von Marrakesch. Besonders bei Motorradfahrern ist die „Straße der tausend Kurven“ beliebt.
Bis vor wenigen Jahren galt die Querung des Tizi-n-Test noch als Herausforderung für Nerven und Fahrwerk. Mittlerweile wurde die schmale Straße kräftig ausgebaut und auf der gesamten Strecke asphaltiert.
Das mögen einige bedauern, denen nun der Reiz des Abenteuers fehlt. Für alle anderen gilt: Die Straße wurde zwar ausgebaut, blieb aber authentisch. Wegen der vielen engen Kurven und der teilweise niedrigen Felsüberhänge ist sie für Wohnmobile und Busse eher nicht geeignet.
Über den Tizi-n-Test von Taroundannt nach Marrakesch
Die kurvenreiche Passstraße erklimmt eine Höhe von 2093 Metern – wer den Tizi-n-Test befahren möchte, sollte sich vorher über Wintersperrungen informieren. Außerdem empfiehlt sich ein voller Tank: Zwischen Ouled Berhil im Süden und Asni im Norden gibt es keine Tankstelle.
Südlich des Gebirgskamms öffnet sich der Blick in Richtung Taroudannt.
Die kurvenreich Strecke über den Tizi-n-Test von Taroundannt nach Marrakesch gilt als eine der schönsten Touren durch das Atlas-Gebirge. (KARTE: Copyright OpenStreetMap)
Ein Rest des alten „Charmes“: Eigentlich ist die gesamte Strecke asphaltiert. Hie und da fehlt dann doch ein Stück und die Ziegen tummeln sich auf der Fahrbahn. Uns persönlich hat die staubige Schlaglochpiste von früher nicht gefehlt …
Natürliche Höhenkontrolle: Der ein oder andere Felsüberhang macht die Strecke für Busse ungeeignet – Platz zum Umdrehen gibt es auch nicht …
Tipp: Wander- und Offroadtouren im Hohen Atlas
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, den Hohen Atlas offroad zu erkunden – zu Fuß, mit dem Kamel oder mit dem Geländewagen. Besonders die Wanderungen erfordern eine gute Kondition und Trittsicherheit. Für längere Wanderungen, Mehrtagestouren oder Geländewagenfahrten wird ein ortskundiger Führer dringend empfohlen. Diesen können Sie vor Ort buchen oder schon im voraus als Gesamtpaket bei Viator* (auch ab Marrakesch).
Auf der Passstraße begegnen uns wenige Autos und noch weniger Touristen. Die einheimischen Pritschenwagen oder Kleinbusse transpotieren praktisch alles auf dem Dach, seien es nun Strohballen, Ziegen oder Menschen.
Auf der Nordseite der Passhöhe wird die Landschaft grüner und üppiger. Wobei „üppiger“ in Relation zu den Steinwüsten Südmarokkos zu sehen ist, nicht zu den grünen Weiden des Allgäus.Rund um ihr Dorf haben die Berber Terrassen für Obst- und Gemüseanbau angelegt. Die zahlreichen Walnussbäume sind im März noch kahl und wirken mit der grauen Rinde nur abgestorbener, als sie tatsächlich sind.
Viel Zivilisation gibt es nicht auf der Strecke. Fast (aber nur fast …) vermisst man die Verkäufer, die sonst bei jedem Fotostopp aus dem Nichts auftauchen, um einem Steine, gefaltete Servietten oder Hundewelpen anzubieten. Immerhin zwei Souvenirshops gibt es an der Straße!
Übernachten im Hohen Atlas
Auf der Strecke zwischen Marrakesch und dem Tizi-n-Test gibt es nur wenige größere Orte – wer Luxushotels sucht, wird hier Schwierigkeiten haben. Vorherrschend sind kleinere Pensionen, Riads, Ecolodges oder auch Berghütten unterschiedlicher Preis- und Ausstattungsklassen. Das breiteste Angebot an Unterkünften findet sich in Asni, Imlil und in Ourigane.
Auf dem Weg nach Asni folgt die Straße dem Fluss. Normalerweise führt dieser im März deutlich mehr Wasser als nach dem regenarmen Winter 2019/2020.
Kurz vor Ouirgane hat der Regen interessante Formen in den Berg gegraben.
Vor dem Trubel von Marakesch wollten wir unbedingt noch eine Nacht in den Bergen verbringen. In dem kleinen Bergdorf Ouirgane haben wir die Ouirgane Ecolodge gefunden. Das Hotel hat sehr geschmackvoll eingerichtete Zimmer mit Blick in den schönen Garten.
Dort kann man bei Tee und Knabberzeug sehr gut entspannen. Auch das Abendessen ist sehr zu empfehlen.
Ein Kamelritt zu den gut einhunderfünfzig Meter hohen Sanddünen der Erg Chebbi, und eine Übernachtung im Berberzelt sind ein unvergessliches Erlebnis, das wir in unserem Libellius-Video auf YouTube festgehalten haben.
Weitere Touren über den Hohen Atlas
Auf dem Rücken des Titanen: Tourenübersicht
Atlas-Touren
Der Atlas hält Himmel und Erde getrennt und stützt das Himmelsgewölbe am westlichen Ende der Welt.
Übersicht über die vier Touren, auf denen wir den Rücken des Titanen überquert haben (und ein bisschen was zu seiner recht eigenwilligen Familiengeschichte).
Die landschaftlich schöne und gut zu fahrende Strecke führt über den 2178 Meter hohen Col du Zad im Nationalpark Khenifra durch das Atlas-Gebirge bis in die Wüstengebiete im Süden.
Hier lohnt sich der Abstecher über die weniger touristisch befahrene Strecke über Sefrou und Boulemane.