Zwei Legenden ranken sich um die Entdeckung der heißen Quellen in Karlsbad: Ein durstiger Hirsch soll sie freigescharrt haben; ein jagender König soll sie zufällig entdeckt haben.
Vielleicht jagte der böhmische König und spätere römisch-deutsche Kaiser Karl IV. aber auch einen durstigen Hirsch, welcher noch die Zeit hatte, auf seiner Flucht eine Heilquelle freizulegen. Das Wasser ebendieser Quelle soll eine Wunde, die sich Karl IV. auf der Jagd zugezogen hat, auf wundersame Weise geheilt haben.
Daraufhin gründete der Kaiser eine Stadt, die sich schnell zu einem weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Kurzentrum entwickelte.

Am 14. August 1370 verlieh Karl IV. der Stadt Karlsbad dieselben Freiheiten und Rechte, die das (damals sehr wichtige) benachbarte Loket (Elbogen) besaß. Karl IV. gilt damit als Gründer der nach ihm benannten Kurstadt. Die heißen Quellen wurden zunächst für Bäder, ab dem 16. Jahrhundert auch für Trinkkuren genutzt.
Karlsbad besitzt zwölf warme Mineralquellen. Die bekannteste und stärkste wird „Sprudel“ genannt, ist 72° Celsius heiß, und schießt bis zu 14 Meter in die Höhe.
Im zentralen Kurgebiet sind 89 Austritte von mineralisiertem Thermalwasser bekannt, neunzehn davon sind zugelassene Heilwässer. Bereits 1522 erschien die erste schriftliche Abhandlung über die Heilkraft des Karslbader Quellen.

1711 „entdeckte“ der russische Zar Peter der Große Karlsbad, was dem beginnenden Bäder- und Kurtourismus zu einem ersten Aufschwung verhalf. In diesem Jahr wurde in Karlsbad auch das erste Kurhaus erbaut.

Seine erste Blütezeit erlebte der Badebetrieb ab Mitte des 19. Jahrhunderts – entscheidend dafür war auch, dass Karlsbad 1870 an das europäische Eisenbahnnetz angeschlossen wurde und besser erreichbar war. Es entstanden immer mehr Gesellschafts- und Zweckbauten: Hotels, Bäder, Kolonnaden, Kurhäuser und Pavillons.


Die Anzahl der Besucher war beachtlich und überstieg die der Karlsbader deutlich: „Die Zahl der jährlichen Kurgäste Karlsbads, welche sich 1756 erst auf 134 Familien belief, ist seither fortwährend gestiegen und betrug in den letzten Jahren 20,000 Parteien mit 26,000 Personen“, heißt es in Meyers Konversationslexikon von 1885-1892.
Die Einwohnerzahl von Karlsbad gibt Meyers Konversationslexikon mit 10.579 im Jahr 1880 an. Heute gehört Karlsbad mit zehn anderen Kurstädten zu den „Great Spas of Europe“, dem UNESCO-Weltkulturerbe der bedeutensten Kurstädte Europas.

Neben Zaren und Königen flanierten auch Dichter, Musiker und Ärzte durch den Kurpark der Bäderstadt. Casanova traf sich hier mit dem Grafen Zawoiski (in der vergeblichen Hoffnung auf finanzielle Unterstützung), Sigmund Freud fühlte sich hier deutlich wohler als im nahegelegenen Marienbad (das ihn mit dem feuchtkalten Wetter depressiv werden ließ), und Beethoven und Goethe tauschten bei einer Kutschfahrt ihren Respekt und ein paar Seitenhiebe aus.
Als Goethe angesichts der vielen Kurgäste, die ehrfürchtig den Hut zogen, erklärte, wie sehr es ihn langweile, berühmt zu sein und ständig gegrüßt zu werden, soll Beethoven erwidert haben: „Eure Exzellenz brauchen sich nichts daraus zu machen. Vielleicht bin ich es, den die Leute grüßen!“

Im Grandhotel Pupp logierten Ludwig van Beethoven und Kaiser Franz Joseph, Otto von Bismarck und Sigmund Freud, Franz Kafka und Napoleon. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es verstaatlicht und beherbergte als „Grandhotel Moskva“ unter anderem den Staatspräsidenten Ludvík Svoboda und den Kosmonauten Juri Gagarin.
1990 wurde das Pupp reprivatisiert und unter seinem alten Namen wiedereröffnet. Vor allem während der internationalen Filmfestspiele in Karlsband logier(t)en hier Filmstars wie Helen Mirren, Johnny Depp und Robert Redford.
2006 diente das Hotel als Filmkulisse für den James-Bond-Film „Casino Royale“: Hier wurde das Duell am Spieltisch gedreht, das laut Film im Hotel Splendide in Montenegro stattfand.


Wer möchte kann vom Hirschsprung weiter den Berg hoch bis zum Dianaturm (Kudlichwarte), der Bergstation der Schmalbahn, die beim Granhotel Pupp startet.

Die Kirche wurde 1893-1898 nach Pänen des Architekten Gustav Wiedermann und nach dem Vorbild eines byzantinisch-altrussischen Kirchenbaus in Ostankino unweit Moskaus erbaut. Sie wird von fünf vergoldeten Kuppeln gekrönt.
Sehenswert sind auch die zahlreichen ölgemalten Ikonen im Innenraum – sie wurden vom Maler Tjurin ursprünglich für die Pariser Weltausstellung von 1900 gemalt.
Die Verbindung Russlands zu Karlsbad reicht bis in die Zeit der Zaren zurück, und besteht auch heute noch: Dass die Innenstadt so gut restauriert ist, liegt vor allem an den zahlreichen russischen Investoren, die sich in Karlsbad eingekauft haben.
Die goldbekrönte Kirche liegt mitten im prestigeträchtigen Villenviertel Westend, das sich Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte.

Karlsbad musste sich im Laufe seiner Geschichte mehrmals neu erfinden und von vorne anfangen: Überschwemmungen, Brände und der Dreißigjährige Krieg zerstörten die Stadt mehrmals fast vollständig. In den beiden Weltkriegen hielten sich die Schäden an der Infrastruktur zwar in Grenzen, doch die darauf folgende Verstaatlichung aller Sanatorien und Heilquellen stellte eine massive wirtschaftliche Zäsur dar.





