Loket wirkt ein bisschen, wie aus einer Modelleisenbahnlandschaft: Der Fluss macht eine Schlaufe, fast schon einen Ring, weil ihm ein markanter Felsbrocken im Weg lag. Auf dem Felsbrocken thront eine trutzige Burg. Darunter ein malerisches Städtchen mit Kirche und ein paar Prunkbauten, umgeben von den Resten einer Stadtmauer. Außerhalb der Stadtmauern hübsche Häuser mit blühenden Gärten, die sich bis zum Fluss hinab ziehen. Rundherum bewaldete Hügel. Das ist wirklich schwer zu toppen.

Die Flussbiegung gab der Stadt ihren Namen: „Loket“ heißt auf Deutsch „Ellbogen“. Der offizielle deutsche Stadtname „Elbogen“ wurde nicht an die heute übliche Schreibweise angepasst, sondern wird nur mit einem „l“ geschrieben. Die Stadt hat eine überschaubare Größe – eine Besichtigungsroute braucht man nicht zu planen, sondern kann sich einfach durch die (wenigen) Gassen treiben lassen.


Burg Loket war ein wichtiger Teil des Wehrsystems der Böhmischen Krone – Loket galt als „Schlüssel zum Königreich Böhmen“ und erhielt von der Krone umfassende Rechte und Privilegien.
1434 verpfändete Kaiser Sigmund die Burg. Die neuen Besitzer, die Schlicks, schränkten die Rechte der Stadt drastisch ein, was auf wenig Gegenliebe stieß und zu heftigem Widerstand führte – unter anderem brannten die Loketer die Stadt und die Kirche 1437 absichtlich nieder. Dabei wurde auch die Burg ernsthaft beschädigt.

Im 19. Jahrhundert diente Burg Loket als Gefängnis; heute beherbergt sie ein Museum mit Ausstellungen zur Geschichte der Stadt und den typischen Handwerken der Region. In den Gewölben der Burg befindet sich ein Foltermuseum, das bei unserem Besuch leider geschlossen hatte, aber sehr sehenswert sein soll.
Auf der Burg finden regelmäßig Mittelalterfeste und Märkte statt. Direkt neben der Burg steht die rot-weiße barocke Wenzelskirche, die nach einem Brand ihres gotischen Vorgängers 1734 fertig gestellt wurde.

Sollte er Ihnen der Loketer Marktplatz bekannt vorkommen, dann haben Sie vielleicht den James Bond Film „Casino Royale“ gesehen – dort verkörpert Loket allerdings einen Ort in Montenegro. Im Film parkt James Bond seinen Wagen neben dem Brunnen und trifft sich in einem der Biergärten mit seinem Kontaktmann vom MI5.
Die Dreharbeiten in Loket dauerten vier Wochen – am Ende wurde daraus eine Filmsequenz von neunzig Sekunden, in der der Marktplatz mehrmals deutlich zu sehen ist (was wir nach unserem Tschechien-Urlaub natürlich sofort überprüft haben).
James Bond war nicht der einzige prominente Gast. Wesentlich häufiger weilte Goethe in Loket, das er in den höchsten Tönen lobte. Sein Interesse galt unter anderem dem 15 kg schweren Meteoriten, der damals in der Burg ausgestellt war – er soll eines Tages vom Himmel direkt in den Burghof gefallen sein.

„Heute waren wir in Ellenbogen, das über alle Beschreibung schön liegt, und sich als ein landschaftliches Kunstwerk von allen Seiten betrachten lässt“, schrieb der begeisterte Goethe im Juli 1807 über Loket.
1823 feierte Goethe in Loket seinen 74. Geburtstag, gemeinsam mit der 19-jährigen Ulrike von Levetzow, seiner letzten großen Liebe, die erst kurz davor einen Heiratsantrag Goethes abgelehnt hatte. Aus Gram über diese Ablehnung soll Goethe Loket nie mehr besucht haben.


Der Flussabschnitt zwischen Loket und Karlsbad ist bei Kanufahrern beleibt. Er zählt zu den schönsten in ganz Tschechien und führt durch das Naturschutzgebiet an den Hans-Heiling-Felsen.
Der Legende nach sind die Felsnadeln am Fluss die versteinerte Hochzeitsgesellschaft des Findelkinds Hans Heiling, der einst bei der Eger-Nixe die magischen Künste lernte und ihr im Gegenzug versprach, niemals eine andere zu heiraten.
Als Hans sich Jahre später mit einer Bauerstochter vermählte, ließ die betrogene Nixe den Fluss über die Ufer treten und verwandelte die Hochzeitsgesellschaft mit einem Fluch für immer zu Stein.







