Bepackter Esel in einer Schafherde

Langohr statt Hütehund: Esel beschützen Schaf­her­den

08.03.2026

Weltweit werden Schutzesel als wehrhafte Begleiter von Schaf- und Ziegenherden eingesetzt. Mit Geschrei und Tritten vertreiben sie sogar Bären.

Ein Esel als Herdenschutz
Zurück zu „ihrer“ Herde: Lotte schließt sich mal den Hunden, mal den Schafen und mal dem Hirten an.

Lotte hat ein Problem: Die Eseldame scheint nicht recht zu wissen, zu wem sie gehört – zu den Schafen oder zu den Hütehunden.

Die Eselin begleitet den Wanderschäfer Stefan Fauser und seine Herde über die Schwäbische Alb – und wenn Schäfer, Hütehunde und Schafe vorbeiziehen und aus der Masse plüschiger Schafsgesichter auch noch die langen grauen Ohren eines Hausesels herausragen, dann bleiben Autofahrer stehen und machen ein Foto des Idylls.

Esel werden weltweit als Herden­schutz­tiere eingesetzt

Doch Lotte ist mehr als pittoreskes Beiwerk: Sie trägt das Weidezaunzubehör, dient als hochgeschätztes Packtier und ist tatsächlich ein bisschen Schaf und ein bisschen Hund. Tagsüber schließt sich die Eselin den Scha­fen an, nachts, wenn die Herde unbewacht im Pferch steht, dann passt sie auf. Ein Esel als Herdenschutz.

Bepackter Esel in einer Schafherde
Gepäckträgerin, Gesellschafterin, Aufpasserin: Hausesel „Lotte“ ist mehr als pittoreskes Beiwerk.

Esel werden weltweit zur Bewachung von Schafen, Ziegen oder Kühen eingesetzt. In Kanada schrecken sie Kojoten ab, in Namibia schützen sie vor Gepardenangriffen und in der Schweiz halten sie Luchse und Füchse fern.

Die Methode des Esel als Herdenschutz ist alt – schon früh erkannten die Hirten, dass der Esel nicht nur Lasten schleppt, sondern auch ausgesprochen wachsam ist.

Esel haben gute Augen und einen äußerst feinen Geruchssinn. Mit ihren Riesenohren hören sie zudem sehr gut. Sie stehen von Natur aus gerne an erhöhten, luftigen Stellen (dort ist das Ungeziefer nicht so lästig) und behalten ihre Umgebung im Auge.

Tipp: Wanderungen mit Esel
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Esel vertreiben Angreifer mit Geschrei und Tritten

Bepackter Esel in einer Schafherde
Manche Esel entwickeln Hüteambitionen und treiben die Herde zusammen.

Auf Störungen reagieren Esel empfindlich – und laut. Mit ihrem heiseren Protest­ge­schrei alarmieren sie nicht nur „ihre“ Herde, sondern schlagen manchen An­grei­fer schon akus­tisch in die Flucht.

In vielen Eseln ist noch die instinktive Abnei­gung gegen hundeartige Räuber verankert: Kommen diese zu nah, weiß ein Esel sich mit ge­fletsch­ten Zähnen und gezielten Tritten zu wehren. Selbst Bären sollen schon er­folg­reich von Eseln vertrieben worden sein.

Besonders für kleine Herden, die er mit einem Blick überschauen kann, ist der Esel ein gutes Schutztier, denn er schützt auch indirekt. Droht Gefahr, sammeln sich Schafe instinktiv um den Esel und bilden so eine geschlossene Masse um das größere Tier. Das wirkt auf Angreifer abschreckend. Ist die Herde zu groß, klappt das nicht mehr.

Zum Schutz von Schaf- und Ziegenherden werden nicht nur Hunde eingesetzt, sondern auch ...

… Falken. Sie sehen Feinde früh und können rechtzeitig warnen. Mit gezielten Schnabelhieben auf die Augen verjagen sie Beutegreifer.

… Kälber. Sie sind langsamer und größer als Schafe. Das macht sie zur attraktiveren Beute für Raubtiere. Statt mehrerer Schafe wird nur ein Kalb gefressen.

… Esel. Sie sind überaus wachsam und reagieren mit Lärm auf Störungen. Mit Geschrei und Tritten vertreiben sie sogar Bären.

Kleiner Tipp: Die korrekte Antwort finden Sie im Beitrag auf dieser Seite

Die Kombination Schutzesel/Hütehund kann schwierig sein

Schäfer mit Hunden, Schafherde und Packesel
Wanderschäfer schätzen Esel als Begleiter. Die Kombination Esel-Hund braucht ein wenig Fingerspitzengefühl.

Auch nachts passen Schutzesel auf. Manche von ihnen machen es sich sogar zur Ge­wohnheit, die Schafe abends zusammenzutreiben.

Kombiniert man einen Schutz­esel mit einem Hütehund, kann das schwierig werden – mitunter verteidigt der Esel seine Herde so erfolgreich gegen den mutmaßlichen Angriff, dass der Hütehund sei­ne Arbeit nicht verrichten kann. Hund und Esel müssen sich erst gegenseitig kennen und res­pektieren lernen, bevor die Zusammenarbeit klappt.

Lotte hat das längst gelernt. Und wenn sie manchmal nicht genau zu wissen scheint, ob sie lieber hüten oder sich behüten lassen soll, dann entscheidet sie nicht zwischen Hund und Schaf, sondern hat eine bessere Lösung gefunden: Im Zweifelsfall spielt sie pittoreskes Beiwerk, schließt sich ihrem Schäfer an und durchsucht mit charmanter Aufdringlichkeit dessen Mantel nach Leckerbissen.

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