Embalse de Vadiello, Spanien

Nordspaniens Canyonland: Über Loarre und den Embalse de Vadiello nach Bierge

09.09.2026

Das Königreich der Himmel, ein umwerfend schöner Stausee und ein Salto in eiskaltes Gewässer: Der Weg von Loarre in den Parque natural de la Sierra y los Cañones de Guara ist landschaftlich und kulturell reizvoll.

Tag vier unserer Nordspanien-Rundreise startet mit Blick auf die wolkenverhangenen Felstürme Mallos de Riglos und einem herausragenden Frühstück in der Casona de la Reina Berta in Murillo de Gállego. Gut gestärkt starten wir weiter Richtung Osten, der Sonne entgegen.

Unser erstes Ziel ist das Castillo de Loarre, die vielleicht besterhaltene romanische Burg Spaniens. Das macht(e) sie zu einer begehrten Kulisse für Mittelalterfilme – unter anderem lässt Ridley Scott hier seinen Monumentalfilm „Königreich der Himmel“ beginnen.

Die Geschichte der Burg beginnt 1019, als Sancho III, der Große, König von Navarra, eine Kirche stiftete. Er nutzte die befestigte Anlage als Bastion zur Verteidigung gegen das muslimische Reich El-Andalus.

 

Castillo de Loarre, Spanien
Der markante doppelte Mauerring stammt vom Ende des 13. Jahrhunderts und hatte eher repräsentativen Wert – ihre strategische Wichtigkeit hatte die Burg da längst eingebüßt.

Vom Castillo de Loarre geht es weiter Richtung Südosten nach Huesca. Die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz markierte bis 1096 die nördliche Grenze des muslimisch beherrschten Teils der iberischen Halbinsel.

 

Huesca, Spanien
Nach der Rückeroberung diente die islamische Moschee als Bischofssitz – mit dem Bau der Kathedrale von Huesca wurde erst Ende des 13. Jh. begonnen. Sie ist heute die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt, die wir ansonsten unter „ganz nett, aber nichts Besonderes“ verbucht haben.

 

Castillo de Montearagón, Spanien
Unweit von Huesca steht die Ruine des Castillo de Montearagón aus dem 11. Jahrhundert. 1093 ordnete Sancho Ramírez den Bau einer Kirche und einer Burg-Abtei an, um Huesca belagern zu können. Mit der Rückerorberung Huescas 1096 wurden die Kleriker des (nutzlos gewordenen) Castillo de Loarre nach Montearagón verlegt. Die Abtei von Montearagón hatte während des gesamten Mittelalters und bis in die Neuzeit hinein große Macht und Einflussnahme in der Region.

 

Parque natural de la Sierra y los Cañones de Guara, Spanien
Das Castillo de Montearagón steht auf einem vorgelagerten Hügel in der Ebene von Huesa. Von hier hat man einen schönen Blick nach Norden, auf die Pyrenäenausläufer mit den markanten, „Mallos“ genannten Felstürmen.

Weil wir Zeit und nicht viel vor haben, fahren wir nach Norden, in den Parque natural de la Sierra y los Cañones de Guara. Schon allein des klangvollen Namens wegens. Ein konkretes Ziel haben wir nicht – zwar finden wir auf Google Maps eine Reihe schöner Landschaftsfotos, aber vieles davon ist mit dem Auto nicht erreichbar. Am Ende entscheiden wir uns für einen Abstecher zum Embalse de Vadiello. Allzu viel erwarte ich nicht – halbvolle Stauseen können mitunter ziemlich unansehnlich sein. Der Vadiello-Stausee gehört allerdings nicht zu dieser Sorte, der haut mich im Gegenteil einfach um.

 

Embalse de Vadiello, Spanien
Sierra y los Cañones – Berge und Canyons: Schon die Zufahrt zum Stausee macht dem Namen des Naturparks alle Ehre. Die Straße windet sich an der Schlucht entlang, aussichtsreich und gut befahrbar. Unterwegs finden wir eine schöne Stelle, um hinunter zum Fluss zu steigen und ein erfrischendes Bad zu nehmen.

 

Embalse de Vadiello, Spanien
Die Talsperre am Embalse de Vadiello wurde 1971 an einer natürlichen Engstelle errichtet. Sie staut den Fluss Guatizalema, der aus den aragonesischen Pyrenäen hinunter ins Cinca-Flussbecken und über den Ebro ins Mittelmeer fließt. Der Name des Flusses leitet sich vom arabischen Guadix alam (ruhiger Fluss) ab.

 

Embalse de Vadiello, Spanien
Schon von der Staumauer aus hat man einen schönen Blick – talwärts in den Canyon und auf die umliegenden Berge, seewärts über den Stausee und das löchrige Sedimentgestein am Ufer.

 

Embalse de Vadiello, Spanien
Noch spekatkulärer wird der Blick, wenn man die Staumauer überquert und dem Uferweg etwa eineinhalb Kilometer weit folgt. Hier öffnet sich das ganze Panorama mit dem Stausee und den Mallos de Ligüerri am Westufer.

 

Embalse de Vadiello, Spanien
Die Mallos sind ein beliebtes Klettergebiet. Rechts im Bild „La Mitra“, die markante Felsnadel, die wie ein Finger in den Himmel zeigt. Die Sierra de Guara ist ein Mekka für Canyoning und Klettern – dennoch gilt sie als Geheimtipp. Wanderführer sucht man in der Buchhandlung vergeblich, und Informationen über die Region sind verblüffend spärlich. Wer hier her findet, findet vor allem eins: Ruhe.

 

Embalse de Vadiello, Spanien
Erneut überrascht uns Nordspanien mit einer Landschaft, die wir nicht in Europa erwartet hätten, und die uns ein bisschen an den Lake Powell im Grenzgebiet von Arizona und Utah erinnert.

 

Embalse de Vadiello, Spanien
Am See gibt es mehrer Parkplätze und einen kleinen Kiosk, der manchmal geöffnet hat. Hier starten eine Reihe von Wanderrouten, die tief hinein in den Parque natural de la Sierra y los Cañones de Guara führen.

Das nächste Mal gehen wir die Strecke, die wir heute Vormittag mit dem Auto von Agüero hergefahren sind, zu Fuß … Wer sich auf die Weitwanderwege wagt, sollte Erfahrung damit haben: Das Gebiet ist extrem dünn besiedelt, Unterkünfte und Einkehrmöglichkeiten sind rar, und Handyempfang gibt es nur, wenn die Sterne einen guten Tag haben.

 

Embalse de Vadiello, Spanien
Klettersteig für Profis: Die halbwild lebenden Ziegen halten sich gerne in den kühlen Tunnels der Zufahrtsstraße auf. Kommt ein Auto, springen sie über die Mauer und kleben in den senkrechten Felswänden.

Wer es den Zieen gleichtun möchte, findet am Vadiello-Stausee einen der bekanntesten (und dennoch nicht überlaufenen) Klettersteige Aragoniens: Die Via Ferrata Canal de Palomo. 1954 als Kletterroute eingerichtet, wurde die Tour hinauf durch den schmalen Canyon 2008 zum Klettersteig ausgebaut. Es geht senkrecht durch schmale Felskamine, so eng, dass ein Bein die Stahlstifte auf der rechten und das andere die auf der linken Felswand nutzen muss. Wir verzichten auf eine Begehung – ohne entsprechende Klettersteigausrüstung ist der Weg über die eher lapidar gesicherten Eisenstifte in der Felswand nicht zu empfehlen.

 

Bierge, Spanien
Unser Tag endet in Bierge, wo wir die nächsten drei Nächte verbringen. Der kleine Ort ist idyllisch und ruhig gelegen, die schwarzen Punkte im Himmel sind Gänsegeier, die hier en masse unterwegs sind. Allzu viel touristische Infrastruktur gibt es nicht – wir nutzen den schönen Picknickplatz am Ortsrand, interessiert und erwartungsvoll beobachtet von einem überaus freundlichen Schäferhund.

 

Salto de Bierge, Spanien
Ein paar Kilometer außerhalb von Bierge gibt es eine schöne Badestelle – den Salto de Bierge. Wir nutzen ihn nicht und wandern stattdessen am zweiten Tag unseres Bierge-Aufenthalts zur flussaufwärts gelegenen Fuenta de Tamara. Weil es da noch schöner ist, behaupte ich zuversichtlich.

 

Wanderung zur Fuente de Tamara, Bierge, Spanien
Und ja: Die Fuenta de Tamara ist wunderschön. Ein enger Canyon, der sich zu einer senkrechten Felswand hin mit einem Teich öffnet, ein kleines Kiefernwäldchen mit Picknickbänken, smaragdgrünes, glasklares und eiskaltes Wasser – was will man mehr?

 

Wanderung zur Fuente de Tamara, Bierge, Spanien
Hier kann man es aushalten. Schade nur, dass der Weg zur Fuenta de Bierge viel länger, anstrengender und nerviger war, als erwartet …

 

Wanderung zur Fuente de Tamara, Bierge, Spanien
Fünf Kilometer sind es von Bierge bis zur Fuenta de Tamara. Klingt nicht viel, und es gibt ohne Zweifel immer wieder schöne Aussichten auf der Strecke.

Die meiste Zeit aber führt der Weg an der prallen Sonne über die Talflanke – mehrfach die Höhenlinien querend geht es steil und unwegsam bergauf und bergab, so dass es fast zu einer Meuterei kommt. Zumal wir am Tag unseres Besuchs bereits an den Felsbögen von Rodellar ein gutes Stück gewandert sind.

 

Fuenta de Tamara
Ein erfrischendes Bad im eiskalten Wasser tröstet. Wäre da nicht der Rückweg …

Kurz überlegen wir, ob wir statt des langen Wegs obenrum den kurzen im Fluss entlang nehmen – ein paar vorbeikommende Canoynisten raten davon ab. Zwar müsse man auf dem Weg weder Wasserfälle hinunterspringen noch tauchen, wohl aber sind einige längere Schwimmstellen zu bewältigen.

Bei den eisigen Wassertemperaturen ist ein längerer Aufenthalt im Wasser ohne Neopren-Anzug nicht anzuraten, das kann schneller zu einer Unterkühlung führen, als man denkt.

 

Wanderung zur Fuente de Tamara, Bierge, Spanien
Auch der Rückweg ist fast geschafft! Die Fuenta de Tamara ist irgendwo weit hinten im Tal, gefühlt am Ende der Welt. Überraschenderweise waren trotz des langen Zustiegs einige Badegäste dort – mehr, als wir etwa am Vadiello-Stausee getroffen haben.

 

Essen in Bierge, Spanien
Essen und trinken fügt Leib und Seele zusammen! Vor allem nach einer anstrengenden Wanderung mit Krisenpotenzial. Wer die Fuenta de Tamara besuchen möchte, dem empfehlen wir, früh aufzubrechen und sich den Tag über Zeit zu nehmen – und das nicht, so wie wir, ans Ende eines langen Tages zu quetschen. Die Burger in der Bar Mesón del Alcanadre etwas außerhalb von Bierge kamen jedenfalls zur richtigen Zeit und schmeckten überragend gut.

In Bierge beziehen wir diesmal für mehr als eine Nacht Quartier – das einzige Mal auf unserer Nordspanien-Rundreise, dass wir nicht täglich „umsetzen“. Von hier aus möchten wir die Steinbögen von Rodellar besuchen und den Klettersteig von Alquezar. Für Bierge haben wir uns entschieden, weil es dicht am Naturpark liegt, und unsere ausgewählten Ziele von hier aus gut zu erreichen sind.

 

Praktische Dinge bei unseren Wanderungen

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